07.07.2021 - 15:17 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Preis für gelungene Inklusion im Landkreis Tirschenreuth

Mit dem Projekt "Demokratie-Werkstatt für alle" hat das Netzwerk Inklusion Landkreis Tirschenreuth den Inklusionspreis des Bezirks Oberpfalz gewonnen. Die Auszeichnung ist auch mit einem Preisgeld verbunden.

Das Netzwerk Inklusion des Landkreises Tirschenreuth erhielt als einer von drei Preisträgern den Inklusionspreis der Oberpfalz 2020. Der Preis wurde am Landratsamt verliehen. Darüber freuten sich unter anderem Christina Ponader (Mitte, mit Urkunde), Bezirksrat Toni Dutz (Fünfter von rechts), Landrat Roland Grillmeier (rechts) und Bürgermeister Stefan Grillmeier (Fünfter von links).
von Josef RosnerProfil

Seit 2015 gibt es das Netzwerk Inklusion des Landkreises Tirschenreuth. Es bietet zahlreiche Projekte für alle Bürger. Dabei spielen Herkunft, Alter, Geschlecht oder eine Behinderung keine Rolle.

Eines der Projekte, das aus dem Netzwerk von mehr als 20 Partnern aus den Bereichen Bildung, Jugendarbeit und Freizeit entstanden ist, ist die "Demokratie-Werkstatt für alle". Sie soll inklusive und demokratische Bildung schärfen. Start war mit drei Grundbausteinen zur politischen Bildung. Später gab es Workshops zu Konsum, Nachhaltigkeit und Strom, wie Netzwerk-Projektleiterin Christian Ponader erklärte. Außerdem wurden auch Fahrten zu historischen Orten unternommen.

Viele Bewerbungen

Die Demokratie-Werkstatt darf sich nun mit dem Inklusionspreis des Bezirks Oberpfalz 2020 schmücken. Die Auszeichnung nahm im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Christina Ponader entgegen. Bezirkstagspräsident Franz Löffler hatte kurzfristig absagen müssen, daher nahm Bezirksrat Toni Dutz die Ehrung vor. Der Wiesauer erinnerte daran, dass der Bezirk diese begehrte Auszeichnung für vorbildliches Engagement seit 2013 vergibt. Ziel sei es, den Inklusionsgedanken noch mehr in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

Die Preisverleihung war eigentlich schon für Oktober 2020 geplant, konnte aber coronabedingt nicht stattfinden. Seit 2013 wurden insgesamt 24 Projekte und ihre Träger ausgezeichnet. „Die hohe Anzahl der Bewerbungen und Vorschläge zeigt, dass die Inklusion in der Oberpfalz angekommen ist“, sagte Dutz. In allen Projekten würden engagierte Bürger das gemeinsame Handeln von Menschen mit und ohne Behinderungen vorleben. Dabei habe die Pandemie auch im Bereich der Inklusion Spuren hinterlassen. Unter anderem seien die Besuche in den Heimen kaum noch möglich gewesen und die regelmäßigen Treffen der offenen Behindertenarbeit mussten entfallen.

Mitterteich als Keimzelle

Als Keimzelle des Netzwerks Inklusion bezeichnete Dutz die Stadt Mitterteich, die als „Inklusive Gemeinde“ 2011 startete. Damals mit dabei war die Offene Behindertenarbeit – Familienentlastender Dienst. Aus dieser Initiative ging das Netzwerk Inklusion des Landkreises hervor. Als Kooperationspartner waren auch der Kreisjugendring und die Volkshochschule dabei. Neuestes Projekt ist das Buch „NS-Euthanasie – Lebensunwertes Leben versus unantastbare Menschenwürde – Die Welt ohne die Anderen“.

Der Bezirkstrat zeigte sich abschließend überzeugt, dass die Jury die richtige Wahl getroffen habe. „Ich bedanke mich bei allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern des Netzwerks, ihr leistet vorbildliche und nachahmenswerte Arbeit.“

Landrat Roland Grillmeier freute sich, dass der Landkreis Tirschenreuth eine Vorreiterrolle in Sachen Inklusion eingenommen habe. „Bald wird auch unser Landratsamt barrierefrei erreichbar sein“, sagte er. Gleichzeitig machte der Landrat deutlich, dass Inklusion nur im Netzwerk funktioniere. Nicht umsonst sei Mitterteich in diesem Bereich zur Musterkommune erhoben. Für den Herbst kündigte Grillmeier einen Inklusionsgipfel im Landkreis an.

Kindergarten mit Lebenshilfe

Mitterteichs Bürgermeister Stefan Grillmeier dankte vor allem Christina Ponader, die seit 2015 die Leitung des Netzwerks inne hat. Er kündigte für den Herbst den Startschuss für einen neuen Kindergarten gemeinsam mit der Lebenshilfe an. „Unsere Lebenshilfe ist ein starker Partner für unsere Stadt und für die Inklusion“, sagte der Rathauschef.

Abschließend stellte Ponader die Demokratie-Werkstatt und das Netzwerk vor. „Machen wir weiter“, bat sie die Gäste um Unterstützung. Der Bezirk Oberpfalz zeichnete neben dem Netzwerk Inklusion noch zwei weitere Preisträger aus: die Kulturtage Furth im Wald sowie den Oberpfälzer Bezirksverband des Bayerischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands für seinen jährlichen „Inklusiven Tag der Bewegung“. Jeder Preisträger darf sich über ein Preisgeld von jeweils 3000 Euro freuen. Beim Netzwerk Inklusion fließt der Betrag in ein neues Projekt: ein Film über historische und gegenwärtige Orte der Verantwortung im Landkreis. Er soll im Oktober präsentiert werden.

Studie: Inklusion in der Corona-Zeit 2020 im Landkreis Tirschenreuth

Mitterteich
Landrat Roland Grillmeier ist von Anfang an im Netzwerk Inklusion mit dabei
Für den Bezirk Oberpfalz gratulierte Toni Dutz (Zweiter von links) Christina Ponader zum Inklusionspreis 2020, der mit 3000 Euro dotiert ist. Weitere Glückwünsche gab es von Landrat Roland Grillmeier (links) und Mitterteichs Bürgermeister Stefan Grillmeier.
Christina Ponader, seit 2015 Leiterin des Netzwerks Inklusion, hatte allen Grund zum Strahlen.
Hintergrund:

Das ist Inklusion

  • Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Egal wie man aussieht, welche Sprache man sprichst oder ob man eine Behinderung hat.
  • Die zentrale Idee der Inklusion ist, dass Menschen mit und ohne Behinderung von Anfang an gemeinsam in allen Lebensbereichen selbstbestimmt leben und zusammenleben.
  • Oberstes Ziel ist, dass Menschen mit Behinderung in den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten kommen. (Quellen: Bayerisches Sozialministerium, Aktion Mensch)

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.