12.10.2018 - 17:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Privatnaturschutz vor dem Aus?

Mit dem Verein zum Schutz wertvoller Landschaftsbestandteile in der Oberpfalz (VSL) ist eng der Name Peter Hausbeck verknüpft. Der 80-jährige Vorsitzende ist davon überzeugt, dass Naturschutz nur auf Eigentumsflächen funktioniert.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Hausbeck ist empört darüber, dass jetzt ein Papier aufgetaucht ist, das seiner Meinung nach nur eines zum Ziel hat: Private Naturschutzorganisationen als Grundstückseigentümer aus der Fläche zu verdrängen. Es geht dabei um den „Pakt zum land- und forstwirtschaftlichen Eigentum“ den die Beteiligten mit der Staatsregierung geschlossen haben.

„Damit versucht die Agrar-Lobby schlicht und einfach den, Naturschutz aus der Fläche zu vertreiben. Man kann das nicht anders sagen.“ Die Agrar-Lobby behaupte, dass sie der bessere Naturschützer sei. „Ich bin der Meinung, dass man Verträge aufgrund von Gesetzen macht und nicht zwischen Staat und Lobby-Organisationen. Das geht eigentlich überhaupt nicht“, wettert der ehemalige Richter. Bisher ist es so, dass, wenn in der Natur Maßnahmen stattfinden, die Eigentümer Ersatzflächen zur Verfügung stellen oder, wenn sie keine haben, entsprechende Geldleistungen erbringen müssen. „Diese Gelder landen bei den Landratsämtern, die damit zum Beispiel solche Ankäufe wie wir sie tätigen fördern. Trotzdem bleibt für den Verein ein erheblicher Eigenanteil.“ Neben solchen Fördermitteln lebt der 250 Mitglieder starke VSL von Spenden.

Mit dem Pakt wolle die Agrar-Lobby diese Ausgleichszahlungen jetzt für sich beanspruchen. „Zumindest das hat sich nicht durchgesetzt. Damit sollte dieser Punkt auch für die Zukunft vom Tisch sein.“ Was den Naturschützer weiter sauer aufstößt ist, dass sich die Staatsregierung dafür einsetzt, dass bei der ökologischen Energiewende und dem Hochwasserschutz künftig keine Ausgleichsflächen oder Ausgleichszahlungen mehr erforderlich werden. „Das schmälert die Kassen der Landratsämter für den Naturschutz. Wenn man anschaut, wie unsere Landschaft aktuell ausgebeutet wird, kann man nur sagen, da stimmt etwas nicht mehr.“ Nichtsdestotrotz sind Peter Hausbeck und seine Frau Johanna alles andere als verzagt. Erst kürzlich hat nämlich der VSL seine Biotopgrundstücke wieder um wertvolle Flächen erweitern können. Bereits 2001 konnte der Verein Teile der Wondreb-Weiher, die bei Gumpen das Naturschutzgebiet Wondrebaue de facto in Richtung Großensees vergrößern, erwerben. Jetzt konnte die Fläche noch einmal erweitert werden, auf insgesamt 8,35 Hektar.

Eine total abgelegene Weiherlandschaft aus zwei großen und fünf kleineren Teichen, die nicht einmal der Wanderer zu Gesicht bekommt. Gebiete, die rechts und links der Wondreb liegen und dem Wasserwirtschaftsamt gehören, ergänzen das Gebiet. Im Urkataster von 1840 sind diese Areale als Heiden eingetragen, zum Beispiel, „Auf der Schmidheide“, „Auf der Heide“ oder , „Pfarrheide“. Hier wachsen sogar noch ganz alte Wacholder. Das alles lässt darauf schließen, dass dort früher Schafzucht betrieben wurde. Schwarzstorch, Bekassine, Habicht, Neuntöter, Waldwasserläufer und Wiesenpieper sind längst nicht alle seltenen Vogelarten, die hier brüten. Kreuzotter, Laub- und Moorfrosch kommen genauso vor, wie der Rundblättrige Sonnentau, die Sumpsschafgarbe, das Sumpfblutauge und die Moosbeere.

Auch die Muglwiese direkt an der Grenze bei Altmugl in Richtung Neumugl konnte der Verein erwerben. Seit 2016 insgesamt über 2,5 Hektar. Hier fließt auch ein Quellbach des Muglbachs durch. Hier fühlt sich auch die Plumpschrecke, laut Hausbeck eine „super seltene Rarität“, sehr wohl.

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