Bereits in dritter Generation, nach dem Opa und dem Onkel ist Christian Züllich Apotheker in der Stadtapotheke Tirschenreuth. Der 51-Jährige engagiert sich in der Bayerischen Landesapothekerkammer als Pressesprecher für den Kreis Tirschenreuth und im Pharmazierat der Regierung Oberpfalz. Er wird beim Bayerischen Apothekertag am Freitag und Samstag, 8. und 9. Juni, in Augsburg dabei sein. Im Interview erzählt er von Problemen und Chancen der Land-Apotheker und wie die Branche gegen Medikamentfälschungen vorgehen will.
ONETZ: Welchen Herausforderungen stellen sich die Apotheken heutzutage?
Christian Züllich: Seit der Liberalisierung des Markts ist die Konkurrenzsituation größer geworden. Zudem stehen Apotheken im Wettbewerb mit dem Onlineversand von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Da gibt es einige dubiose Anbieter. Die meisten sind Logistiker. Mit dem Begriff Online-Apotheke haben diese Unternehmen meiner Meinung nach nicht viel zu tun.
ONETZ: Wie ist ihre Sicht auf Online-Apotheken?
Christian Züllich: Seit der Liberalisierung des Markts ist die Konkurrenzsituation größer geworden. Zudem stehen Apotheken im Wettbewerb mit dem Onlineversand von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Da gibt es einige dubiose Anbieter. Die meisten sind Logistiker. Mit dem Begriff Online-Apotheke haben diese Unternehmen meiner Meinung nach nicht viel zu tun.
Gegen den Versand von Arzneimitteln ist nichts einzuwenden. Viele Niederlassungen bieten zusätzlich einen Versand. Bei rezeptfreien Arzneimitteln ist das in Ordnung. Diesem Wettbewerb stellen wir uns. Aber bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist das ein ruinöser Wettbewerb. Diese Arzneien werden hierzulande nach deutschen Vorgaben hergestellt und dann nach Holland gebracht. Die Niederlande muss sich nicht an die Preisbindung halten und kann die Medikamente deshalb günstiger an deutsche Kunden verschicken. Vor allem die kleinen Apotheken auf dem Land merken das. Und müssen womöglich schließen. Die Gefahr besteht. Somit haben die Patienten nicht überall den gleichen Zugang zu Arzneien. Der Online-Versandhandel meint, er kann genau diese Lücke schließen. Aber darauf würde ich mich nicht verlassen.
ONETZ: Warum?
Christian Züllich: Es ist logisch, dass dieses Online-Angebot soziale Aufgaben nicht wahrnehmen kann. Wir kümmern uns auch um die Heimversorgung für Patienten bis ans Krankenbett. Wir leisten Nacht- und Notdienste oder stellen individuelle Rezepturen her. All das ist im Versand nicht möglich.
Unsere Apotheken werden drei Mal am Tag mit Medikamenten beliefert. Innerhalb von zwei Stunden kann ich den Kunden versorgen. Bei der Onlinebestellung dauert das bis zu zwei Tage. Wir sind schneller als das Internet. Wir hoffen, dass die Politik das erkennt.
ONETZ: Wie wichtig ist Ihnen der Kundenkontakt?
Christian Züllich: Sehr wichtig. Das ist das Interessante an dem Beruf. Jeder Tag ist anders. Die Vielfalt der Anliegen der Kunden macht die Arbeit spannend. Wir sind Heilberufler. Es ist jedes Mal ein gutes Gefühl, wenn man jemanden weiterhelfen kann. Es ist nicht nur die Abwicklung eines Rezepts. Der Patient steht im Vordergrund.
ONETZ: Was muss ein guter Apotheker mitbringen?
Christian Züllich: Die Apotheke ist für viele Kunden der erste Ansprechpartner in Gesundheitsfragen. Wir müssen auf alles eine Antwort wissen. Da sind Kommunikation und soziale Fähigkeiten gefragt. Wir kümmern uns jeden Tag um unsere Kunden. Wir sind Problemlöser und Ratgeber. Es ist ein verantwortungsvoller Job, denkt man an die Zusammenstellung und Dosierung vom Arzneien. Als Apotheker sollte man ein naturwissenschaftliches Interesse und Verständnis haben. Im Studium geht es um Chemie, Physik, Biologie und Botanik. Das ist wichtig für die Analyse von Stoffen oder die synthetische Herstellung von Arzneimitteln für die Industrie. Ich denke, man braucht Interesse an Medizin und an der Wirkung von Medikamenten. Apotheker ist ein Heilberuf, aber auch ein Kaufmann.
ONETZ: Hat auch die Pharmabranche Probleme qualifizierten Nachwuchs zu finden?
Christian Züllich: Viele Kollegen im Kreis Tirschenreuth suchen Auszubildende. Die Städte sind Magneten für junge Leute und wir sind hier im Grenzland. Ich finde vor allem der Beruf der Pharmazeutisch-Technisch Angestellten (PTA) hat Zukunft. Die Apotheken im Landkreis Tirschenreuth bieten eine Vielzahl familienfreundlicher und hochqualifizierter Arbeitsplätze. Wir versuchen, junge Leute für den Beruf zu motivieren und begeistern. Man muss sich aktiv um Auszubildende kümmern. Wir bilden seit 20 Jahren aus, bieten Schnupperlehren an. So haben wir in der Stadtapotheke viele Mitarbeiter gewonnen, die heute noch hier arbeiten.
ONETZ: Warum braucht es einen Bayerischen Apothekertag?
Christian Züllich: Es ist ein Forum für Kollegen, um sich auszutauschen und Kontakt zu halten. Aber auch seine Anliegen und Sorgen der Politik vorzutragen. Es ist auch eine Art Fortbildung mit Seminaren und Vorträgen. Dieses Jahr steht die Geriatrie im Mittelpunkt. Es gibt auch Neuerungen für die Kunden. Ab Februar 2019 wird die Vertriebskette vom Hersteller, über den Versand in die Apotheke zum Kunden noch sicherer. Jede Packung wird anhand eines Codes auf Echtheit überprüft. Damit will man Medikamentfälschungen entgegenwirken. Im vergangenen Jahr wurden weltweit zwei Milliarden Dollar Umsatz mit gefälschten Medikamenten gemacht. Es soll mittlerweile lukrativer sein als der Drogenhandel.














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