06.11.2019 - 15:51 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schläge und Tritte bis zuletzt geleugnet

Mit einer Schädelprellung und Abschürfungen im Gesicht lag der Nebenbuhler am Boden. Zugetreten hat nach Überzeugung des Gerichts nicht zur der gehörnte Ehemann, sondern auch dessen Begleiter. Der soll nun sogar ins Gefängnis.

Symbolbild.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte Richter Thomas Weiß zwei 45-Jährige zu Freiheitsstrafen. Nur in einem Fall mit Bewährung. Daran war das umfangreiche Vorstrafenregister eines der Beschuldigten schuld. Nach aufwendiger Beweisaufnahme mit Hilfe einer Dolmetscherin - die beiden im Landkreis Wunsiedel wohnenden Angeklagten stammen aus Tschechien - stand der Ablauf für den Amtsgerichtsdirektor fest.

Der Vorfall spielte sich auf dem Firmenparkplatz eines Betriebes im westlichen Landkreis Tirschenreuth ab. Die Angeklagten wollten ihre dort arbeitenden Ehefrauen abholen. Jedoch hatte einer der Männer am selben Tag vom Verhältnis seiner Gattin mit einem Kollegen erfahren. Als der Nebenbuhler auftauchte, stellte er ihn wütend zur Rede und rempelte ihn um.

Zeuge bestätigt Tätlichkeiten

Von da an gehen die Schilderungen erheblich auseinander. Der 46-jährige Geschädigte gab an, am Boden liegend mehrere Tritte erhalten zu haben - von wem, sah er nicht, weil er sein Gesicht schützte. Ein Zeuge bestätigte das Gerangel mit Beteiligung der beiden Angeklagten. Doch die wollten weder zugeschlagen noch nachgetreten haben. Er habe nur eingegriffen, um die Streithähne auseinanderzuhalten, beteuerte der eine. Seine Frau machte vom Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch.

"Verdammter deutscher Affe"

Der andere Mann auf der Anklagebank gab nur Schubsen und verbale Angriffe zu. Und eine vorherige SMS, mit der er den Kollegen seiner Frau als "verdammten deutschen Affen" bezeichnet hatte. Das sei keine große Beleidigung, meinte er vor Gericht. Auch habe er seiner Frau bei dem Zusammentreffen am Abend keine Ohrfeige gegeben, wie ein Zeuge ausgesagt hatte.

Die Gattin selbst, die mit ihrer Affäre den Tumult ausgelöst hatte und bei der Auseinandersetzung daneben stand, wollte von einer Ohrfeige ebenso wenig wissen wie von Fußtritten gegen den Kollegen. Staatsanwältin Sandra Dechant kündigte umgehend schon mal ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage an.

Weil der betrogene Ehemann bei einer Vernehmung in Wunsiedel die Tritte doch zugegeben haben soll, wurden weitere Zeugen geladen. Am zweiten Verhandlungstag bestätigte die Polizeibeamtin, dass ein Dolmetscher ihr die Aussagen übersetzt hat. Jedoch nicht korrekt, wie die beiden Angeklagten im Lauf der Verhandlung monierten. Tatsächlich stellte sich heraus, dass der Übersetzer kein tschechischer Muttersprachler mit doch begrenztem Detailwissen war. Die Vernehmung wurde deshalb vor Gericht nicht verwertet.

Ellenlanges Vorstrafenregister

Während der gehörnte Ehemann vorstrafenmäßig ein unbeschriebenes Blatt ist, musste sich der Mitangeklagte eine endlos lange Verlesung der bisherigen Urteile gegen ihn anhören. Ein Dutzend Straftaten in Deutschland und doppelt so viele in Tschechien standen zu Buche. Unterschlagung, falsche Zeugenaussagen, Diebstahl - und immer wieder Fahren ohne Fahrerlaubnis, auch unter Einfluss von Betäubungsmitteln. Wegen gefährlicher Körperverletzung forderte die Staatsanwältin zwei Jahre Gefängnis für einen "hartnäckigen Rechtsbrecher" ohne jede Einsicht.

Dem zweiten Angeklagten hielt sie eine menschliche Ausnahmesituation und eine Tat im Affekt zugute. Dennoch sei sein brutales Vorgehen mit einem Jahr Freiheitsstrafe zu ahnden, ausgesetzt zur Bewährung.

Freispruch gefordert

Verteidiger Marc Steinsdörfer forderte Freispruch für den Begleiter des Betrogenen. Eine Beteiligung an der Körperverletzung sei nicht erwiesen. Auch dürfe das lange Vorstrafenregister nicht zur Einschätzung als unbelehrbarer Schwerverbrecher führen. "Es war eine aufgeheizte Lage", gab er zu bedenken. Selbst der Geschädigte habe ja sinngemäß angegeben, dass es keine gute Idee gewesen sei, sich mit der Frau des Angeklagten einzulassen.

Der Richter folgte im Fall des Begleiters dem beantragten Strafmaß der Staatsanwältin. Der Angeklagte sei offenbar nicht gewillt, sich an Regeln zu halten, bezog er das letzte Urteil gegen den noch unter Bewährung stehenden Mannes ein: zwei Jahre Haft als Gesamtfreiheitsstrafe.

1000 Euro für Frauenhaus

Den zweiten Angeklagten verurteilte Thomas Weiß zu siebeneinhalb Monaten mit Bewährung - wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung. Als vorsätzliche Körperverletzung wertete er zusätzlich die Ohrfeige gegen die Gattin. Als Geldauflage muss ihr Ehemann 1000 Euro an das Frauenhaus Weiden zahlen.

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