05.03.2021 - 16:34 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schlechte Rentenaussichten im Kreis Tirschenreuth

"Die Zahlen sind nicht so rosig, wie sie immer dargestellt werden", blickt DGB-Kreisvorsitzender Klaus Schuster auf den DGB-Rentenreport 2021. Er spricht von einer Schieflage.

DGB-Kreisvorsitzender Klaus Schuster mit einem gedruckten Exemplar des DGB-Rentenreports 2021.
von Externer BeitragProfil

Der neue DGB-Rentenreport 2021 für Bayern zeigt laut DGB-Kreisvorsitzendem Klaus Schuster Missstände auf. Die Altersrente im Freistaat, insbesondere die der Frauen, liege meist erheblich unter dem Bundesschnitt.

Schuster sieht es als "Herzensanliegen", dass alle Beschäftigten in seinem Zuständigkeitsbereich über diese Schieflage informiert werden. Die durchschnittliche Altersrente für Männer liege im Landkreis Tirschenreuth bei 1181 Euro und für Frauen bei "lächerlichen" 656 Euro. Da dies Durchschnittswerte sind, würden viele Senioren noch wesentlich weniger Rente bekommen. „Durch die Kurzarbeit in diesen Corona-Zeiten wird sich dieser Betrag bei vielen nach unten korrigieren“, verweist Schuster auf ein weiteres Problem.

Lücken werden größer

Laut Peter Hofmann, Rentenberater des DGB aus Weiden, wird sich das Zugangsalter mit Anstieg der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre noch weiter erhöhen. Die Lücke zwischen dem gesetzlichen und tatsächlichen Rentenbeginn werde immer größer. Durch die Anhebung des Rentenbeginns liegt der Rentenzugang bereits bei 65 Jahren und 8 Monaten. Aber von den 65-Jährigen seien nur noch 11,5 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das bedeutet, dass somit knapp 90 Prozent der 65-Jährigen nicht mehr im Berufsleben stehen, bereits in Rente sind, oder nur noch geringfügig beschäftigt werden.

Aus diesem Grund müssten viele Arbeitnehmer teils hohe lebenslange Rentenabschläge in Kauf nehmen, da sich der Minderungsbetrag bei Erreichen des eigentlichen Renteneintrittsalters nicht aufhebt, sondern bestehen bleibt. Somit geht laut Hofmann die „Rente mit 67“ an der Lebensrealität der Menschen vorbei. Schuster ergänzt, dass es sich somit um eine gesetzlich eingeführte und offensichtlich gewollte Rentenkürzung handele.

Psychische Erkrankungen

Die Diagnose Nummer 1 für den vorzeitigen Ausstieg aus der Arbeitswelt seien psychische Erkrankungen. Sie liegen bei Frauen bei 45 Prozent und bei Männern bei 34 Prozent. Seit 2002 sei der Abstand zwischen den Geschlechtern merklich gesunken. Gründe seien unter anderem die starken Belastungen durch Arbeitsverdichtung, Stress und immer komplexere Anforderungen an den beruflichen Alltag. Letztendlich spiele auch die Angst um den Arbeitsplatzverlust eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Politiker nennen in den Talkshows immer die zusätzliche, private Vorsorge für das Rentenalter. Schuster stellt sich die Frage: "Wie sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – deren Gehalt gerade so für die Bewältigung der finanziellen Belastungen reicht – noch zusätzlich Geld für die Rentenzeit zur Seite legen?"

Wer das gesamte Zahlenwerk des DGB-Rentenreports einsehen möchte, kann dies auf der Homepage des DGB-Bayern unter https://bayern.dgb.de/service/broschueren/rentenreport-2021. Ebenso besteht die Möglichkeit eine sogenannte Rentenkontenbereinigung zu machen. Peter Hofmann steht hierfür nach telefonischem Vorgespräch zur Verfügung (DGB-Büro Weiden: 0961/4163020).

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