26.02.2020 - 15:09 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Nicht schnippeln, sondern schneiden"

Harald Schlöger ist Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Tirschenreuth. Zusammen mit seiner Kollegin Manuela Pappenberger kümmert er sich um alle Fragen zum Thema „Grün“.

Gartenfachberater Harald Schlöger erklärt, wie ein Baumschnitt fachgerecht ausgeführt wird.
von Christa VoglProfil

"Dou is da Wurm drin!" - Ärger und Enttäuschung sind beim Biss in den Apfel vorprogrammiert, wenn im Herbst bei der Ernte festgestellt wird, dass ein Großteil der Früchte Wurmbefall aufweist. Oft werden die Äpfel von den Gartenbesitzern dann auf dem Kompost entsorgt. "Das ist grundverkehrt", erklärt Harald Schlöger. "Weil der Kreislauf dadurch nämlich nicht unterbrochen wird." Als Kreisfachberater am Landratsamt in Tirschenreuth ist er regelmäßig im Landkreis unterwegs, um Gartenbesitzern mit Ratschlägen zur Seite zu stehen.

"Derzeit verschwenden die meisten Gartenbesitzer an den Apfelwickler und seine Freunde noch keinen Gedanken. Sollten Gartenbesitzer aber besser. Denn bei passender Witterung könne der Apfelwickler in einem Jahr bis zu drei Generationen bilden und so die Ernte im Herbst empfindlich beeinträchtigen. Die Raupe überwintert in einem Gespinst direkt unter den Borkenschuppen des Apfelbaums. Ende April kommt es zur Verpuppung, ab Mitte Mai schlüpfen die ersten Falter. Diese legen bis zu 80 Eier einzeln an den jungen Früchten ab. Nach zwei Wochen schlüpfen die Raupen und ernähren sich vom Apfel. Schale, Fruchtfleisch, Kerne: Nichts ist vor ihnen sicher. Wolle man diesen Kreislauf unterbrechen, dann sei im Februar ein idealer Zeitpunkt, so der 56-jährige Gartenexperte. Und zwar im Rahmen der Baumpflege.

Der Vorfrühlingsschneeball Dawn ist anspruchslos in der Pflege und erblüht oft schon, wenn noch Schnee auf seinen Ästen liegt.

Rindenteile entfernen

"Zusammen mit dem Winterschnitt der Gehölze, der im Februar und März ansteht, kann noch ein weiterer Arbeitsgang erledigt werden", erklärt Schlöger. Der zusätzliche Arbeitsgang betrifft die Rinde der Bäume: Darunter halten sich während der Wintermonate die eingesponnenen Larven verschiedener Schadinsekten auf. Es sei ratsam, lose Rindenteile vorsichtig wegzukratzen. Dazu kann etwa ein Rindenkratzer verwendet werden oder auch behelfsmäßig die Rückseite einer Handsäge. Damit würden die Larven entfernt und so daran gehindert, sich weiterzuentwickeln. "Hinterher streicht man den Stamm am besten mit einer Kalkbrühe an, damit die Rinde nicht aufplatzt und es zu Frostrissen kommt. Gerade im ausklingenden Winter ist die Gefahr groß, wenn beispielsweise bei Hochdruckeinfluss tagsüber Temperaturen um die 15 Grad herrschen und es dann nachts aber Frost gibt."

Und einen weiteren wichtigen Tipp gibt Schlöger: Bei der Baumpflege am Ende des Winters - an einem frostfreien Tag - lohnt es sich auf jeden Fall, aus einiger Entfernung einen Blick auf den Baum zu werfen. "Dann sieht man ganz gut, ob sich an den Ästen noch irgendwelche Fruchtmumien befinden", sagt der Kreisfachberater und erklärt, worum es sich dabei handelt: Fruchtmumien sind an Obstbäumen hängende Früchte, wie Äpfel, Birnen oder Steinobst, die bereits eingetrocknet und sozusagen mumifiziert sind. Verursacht wird das Austrocknen der Früchte durch die Monilia-Fruchtfäule. Diese Fruchtmumien stellen im darauffolgenden Jahr wieder eine Infektionsquelle für die neuen Früchte dar. Daher sollten sie nach dem Absammeln auch nicht auf dem Kompost entsorgt werden, sondern in der Biotonne oder im Restmüll.

Die Zaubernuss ist wegen ihrer frühen und langen Blütezeit von Januar/Februar bis zum Frühlingsanfang interessant.

Für Schlöger gehört im zeitigen Frühjahr die jährliche Baumpflege mit Rückschnitt, Stammpflege und Mumienentfernung "zum ganz normalen Gartenjahr". "Hygiene ist dabei das A und O. Wenn man sich um die Sachen nicht kümmert, muss man mit den Konsequenzen leben", ist er sich sicher. Und mit Hygiene meint er keinesfalls einen aufgeräumten, klinisch reinen Garten, sondern regelmäßige Pflegemaßnahmen. "Diese Maßnahmen sind wichtig und müssen gewissenhaft durchgeführt werden. Dann sind die Bäume einfach gesünder", weiß Schlöger. Früher gehörte die Obstbaum- und Sträucherpflege zu den jährlich wiederkehrenden und fest eingeplanten Arbeiten. "Heute gerät das alles oft in Vergessenheit".

Auch Sträucher sind für Pflegemaßnahmen dankbar. Der Gartenfachberater kümmert sich um die Pflege der Sträucher in seinem Garten direkt nach der Ernte der Beeren. Der Strauchschnitt ist aber auch am Ende des Winters möglich. Dazu werden die älteren Triebe, die zwei oder drei Jahre alt sind und oft an einer etwas dunkleren, raueren Rinde zu erkennen sind, direkt über dem Boden mit der Astschere entfernt. Hier darf kein Aststummel stehenbleiben: "Nicht schnippeln, sondern schneiden!" Ungefähr die gleiche Anzahl an entfernten Ästen soll in Form von neuen Trieben nachgezogen werden. Schwache Triebe werden entfernt.

Zusammen mit der Baumpflege und dem Strauchschnitt laufen auch die ersten Vorbereitungen für den Gemüsegarten an. Die Frage, was man denn jetzt im Gemüsegarten schon machen könne, beantwortet der Gartenprofi mit einem Lachen: "Ein richtiger Gärtner orientiert sich nicht an den Kalendermonaten, sondern geht nach der Witterung. Er schaut sich die Natur an und entscheidet danach, was zu tun ist."

Die Christrose ist auch als Schneerose oder Nieswurz bekannt. Sie blüht, während andere Stauden noch Winterschlaf halten.

Saatgut auswählen

Einige Tipps hat er aber doch parat: "Bereits im Februar sollte man das Saatgut beieinander haben. Weil es im März richtig losgeht. Zum Beispiel mit dem ersten Satz Kopfsalat." Der sei nicht so empfindlich wie der Kohlrabi. Und mit einer Vliesabdeckung sei das überhaupt kein Problem. Aber auch bei der Auswahl des Saatguts müsse man gut überlegen. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Vielfalt und die Regionalität von Saatgut verschwunden und der Fachhandel biete nur noch ein sehr schmales Samenangebot an.

Im Blickpunkt:

Obstbaum-Schnittkurs und Sprechstunden

Kreisfachberater Harald Schlöger zeigt am Samstag, 14. März, von 13 bis 16 Uhr allen Interessierten im Kreislehrgarten in Mitterteich, wie Obstbäume geschnitten werden. Da im Kreislehrgarten genügend Bäume vorhanden sind, können die Teilnehmer nach der Einführung eigene Schnittversuche unternehmen, wenn sie dazu eigenes Schnittwerkzeug mitbringen. Anmeldung in der Geschäftsstelle des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine, Telefon 09631/88-382 und -329. Sprechstunden in Kemnath

Die Kreisfachberatung für Gartenkultur bietet in Kemnath im Rathaus regelmäßig Sprechstunden an (Zimmer 20 OG, Tel. 0 96 42 / 707-766). Jeweils dienstags von 8 bis 12 Uhr steht Harald Schlöger im Rathaus für Fragen rund um den Garten und die Obst- und Gartenbauvereine zur Verfügung.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.