Tirschenreuth
02.01.2019 - 16:19 Uhr

Schnitzel für die Könige

Zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag sind wieder die drei Heiligen Könige in ihren bunten Gewändern unterwegs. Wer sie trifft, sollte nicht geizen und den Geldbeutel öffnen. Denn diese Kinder sammeln für andere Kinder, die arm sind.

Emil, Jonas und Julius (von links), gestärkt durch ein Mittagessen, sind bereit für ihren dritten Einsatz.am Dienstagnachmittag. Bild: ubb
Emil, Jonas und Julius (von links), gestärkt durch ein Mittagessen, sind bereit für ihren dritten Einsatz.am Dienstagnachmittag.

Sophia (11), Emma (10) und Anna (9) wollen armen Kindern helfen. Dabei sind die Mädchen selbst noch Kinder. Alle drei sind aber alt genug, um Bescheid zu wissen darüber, dass das Glück auf der Welt nicht immer gerecht verteilt ist. Deshalb und weil ihnen die armen Kinder leid tun, ziehen Sophia, Emma und Anna als Sternsinger durch Tirschenreuth.

Hilfe für arme Kinder

"Dafür kann man ein paar Tage im Jahr seine Freizeit opfern", betont Sophia, Schülerin an der Mädchenrealschule Waldsassen, leidenschaftlich. Emma hat sich noch mehr engagiert. Sie warb vorher in der Marien-Grundschule, wo sie in die vierte Klasse geht, weitere neue Sternsinger an. "Ich finde es nicht gut, dass es arme Kinder gibt", sagt Emma. "Sie haben keine Schule und nichts zum Lernen und keine Schuhe", fügt sie an und beteuert, dass man da einfach Mitleid haben müsse. Emmas Plädoyer für Gerechtigkeit auf der Welt wurde erhört: Sie konnte Johanna und Ina aus ihrer Klasse vom Mitwirken überzeugen. "Und Timo, der ist aber heute krank", rufen Emmas Freundinnen aufgeregt, damit ja niemand vergessen wird. Die Mädchen sind eifrig bei der Sache. Am frühen Dienstagmorgen sind sie losgezogen und haben gesammelt. Überall, erzählen sie, hätten die Leute gerne etwas gespendet. "Na ja, nicht alle. Eine hat gesagt, sie gibt den Sternsingern nichts", lenken sie dann ein. "Dabei hilft schon ein einziger Cent", ist Emma ein wenig empört. Den Mädchen ist natürlich klar, dass eine Spende eine freiwillige Sache ist. Ein "Nein" müssen sie akzeptieren, wenn es ihnen auch schwer fällt. Dafür freuen sie sich umso mehr, wenn es außer der Geldspende Süßigkeiten gibt. "Die dürfen wir behalten", strahlen die kleinen Königinnen, die zu diesen Zusatz-Gabe gewiss nicht Nein sagen. Die Mädchen sind aufgeklärt, wissen wohin das Geld diesmal geht: Die 61. bundesweite Sternsingeraktion mit Titel "Wir gehören zusammen - in Peru und weltweit" ist wie der Name sagt den armen Kindern in Peru gewidmet. In Tirschenreuth ziehen dafür diese Woche etwa 35 Buben und Mädchen von Haus zu Haus. Für ihr Engagement opfern sie drei Tage ihrer Weihnachtsferien.

Kurz aufwärmen

"Das machen seit einigen Jahren nicht mehr nur allein die Ministranten", betonen Martina Würl, Ulrike Schneider und Elisabeth Pinzer. Auch die Franziskaner-Jugend sei engagiert. "Und es helfen freiwillige Kinder aus Tirschenreuth, die sich selbst bei uns angemeldet haben", erklärt Martina Würl. Die Frauen von der Missionskirche St.Peter betreuen heute die kleinen Könige in der Altenstube des katholischen Pfarrheims. Dort werden jedes Jahr die "königlichen Gewänder" ausgeteilt, die Geldbüchsen eingesammelt. Und die Kinder können sich kurz aufwärmen während der Touren. Am Dienstag geht es in der Mittagsstunde hoch her, die Frauen servieren den Kindern Schnitzel mit Pommes. Das sei ein kleines Danke an die Kinder für ihren Einsatz, finanziert vom Pfarramt, der Stadt Tirschenreuth und vom St.Peter, erklärt Martina Würl. Und das gemeinsame Essen solle natürlich auch die Gemeinsamkeit stärken. "Da können sich alle einmal kennenlernen."

Während die Frauen an einige Nachzügler Essen austeilen, haben die ersten "Könige" bereits Messer und Gabel wieder beiseite gelegt und wollen weiterziehen. Jonas (14), Emil (10) und Julius (9) hält es nicht in der Altenstube, sie sind vom "Sammelfieber" infiziert. Martina Würl hilft Jonas, seinen goldenen Turban richtig über dem Kopf zu ziehen. So, fertig. Jetzt sind die Buben wieder echte Könige.

Beste Freunde

Jonas ist nach acht Jahren "Caspar, Melchior und Balthasar" der alte Hase der kleinen Gruppe. Emil weiß nicht mehr, wie lange er bei den Sternsingern mitwirkt. "Ich glaube, zwei oder drei Jahre", sagt er. Julius ist der Neuling. Aber ihm ist nicht bange, denn Jonas und Emil zeigen ihm, was zu tun ist. "Wir dürfen selbst entscheiden, wer mit wem mitgeht," antwortet Jonas auf die Frage, wie die "Drei Heiligen Könige" zusammenfinden. Klar, das ist eine "Beste-Freunde-Sache.

Normalerweise wird in Vierergruppen losgezogen, es gehört ein Sternträger dazu. Einen solchen haben unsere drei Könige, die in den umliegenden Dörfern im Einsatz sind, leider nicht gefunden. Das mache aber nichts. Es ginge auch ohne ihn, beteuern sie fröhlich. Dann ziehen Caspar, Melchior und Balthasar los zur Pfarrhoftür hinaus. "Kein Netz", murmelt Melchior alias Emil ungeduldig mit dem Handy in der Hand. So ein König im Jahr 2019 nutzt freilich auch die neuen Medien, warum auch nicht. Schließlich muss Emil seine Mama anrufen, denn die Eltern bringen die Buben per Auto hinaus zum Einsatz in die Dörfer. Wie war das mit dem Kamel? Ach so, das war früher.

Martina Würl hilft Jonas beim Befestigen des Turbans. Bild: ubb
Martina Würl hilft Jonas beim Befestigen des Turbans.
Da sagt auch ein König nicht Nein: Jeder Sternsinger bekommt als kleines Dankeschön und zur Motivation zum Mittagessen Schnitzel mit Pommes Frittes. Bild: ubb
Da sagt auch ein König nicht Nein: Jeder Sternsinger bekommt als kleines Dankeschön und zur Motivation zum Mittagessen Schnitzel mit Pommes Frittes.
Die Mädchen finden es ungerecht, dass es arme Kinder auf der Welt gibt. Sie setzen sich leidenschaftlich für diese Kinder ein, damit es ihnen besser gut, und engagieren sich deshalb bei den Sternsinger. Bild: ubb
Die Mädchen finden es ungerecht, dass es arme Kinder auf der Welt gibt. Sie setzen sich leidenschaftlich für diese Kinder ein, damit es ihnen besser gut, und engagieren sich deshalb bei den Sternsinger.
Ulrike Schneider sammelt das Geld aus den Büchsen ein, das die Kinder von ihren Vormittagstouren mitgebracht haben. Sie freut sich, dass die Tirschenreuther wieder fleißig spenden. Bild: ubb
Ulrike Schneider sammelt das Geld aus den Büchsen ein, das die Kinder von ihren Vormittagstouren mitgebracht haben. Sie freut sich, dass die Tirschenreuther wieder fleißig spenden.
Draußen vor der Pfarrhoftür warten die drei Sternsinger Caspar, Melchior und Balthasar alias Emil, Jonas und Julius (von links) auf ihr "Taxi": Ihre Eltern fahren sie hinaus auf die Dörfer, wo ihr Einsatzgebiet ist. Bild: ubb
Draußen vor der Pfarrhoftür warten die drei Sternsinger Caspar, Melchior und Balthasar alias Emil, Jonas und Julius (von links) auf ihr "Taxi": Ihre Eltern fahren sie hinaus auf die Dörfer, wo ihr Einsatzgebiet ist.
 
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