07.12.2020 - 14:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schulen im Landkreis Tirschenreuth für Hybrid-Unterricht vorbereitet

Während im Frühjahr die Schulen im Landkreis Tirschenreuth beim digitalen Unterricht noch Nachholbedarf hatten, ist nun die technische Ausstattung da. Schulamt und Schulleiter sehen die Einrichtungen für den Ernstfall gerüstet.

Unterricht auf Distanz: Die Schulen im Landkreis Tirschenreuth sehen sich für die verschiedenen digitalen Unterrichtsmodelle gerüstet.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Immer wieder müssen sich die Schulen in Coronazeiten auf neue Situationen einstellen, auch im Landkreis Tirschenreuth. Unter anderem soll ab der achten Klasse von Mittwoch an Wechselunterricht Pflicht sein. Zudem wurde kürzlich beschlossen, dass die Weihnachtsferien schon ab dem 19. Dezember beginnen.

Schulamt: Lob für Gesundheitsamt

"Die Lehrer haben weiter Dienstpflicht", erklärt Schulamtsdirektor Rudolf Kunz mit Blick auf die vorgezogenen Ferien. Zur Notbetreuung an den Grund- und Mittelschulen habe er noch keine genauen Daten. Er vermutet aufgrund der Erfahrungen aus dem ersten Lockdown, dass die Anzahl der Kinder überschaubar bleiben wird.

Immer wieder werden Klassen in Quarantäne geschickt. Kunz lobt die Vorgehensweise des Gesundheitsamts. "Während im Frühjahr mit der Situation alle überfordert waren, wird momentan sehr strukturiert vorgegangen." So werden nicht immer ganze Klassen nach Hause geschickt, sondern manchmal nur kleine Gruppen oder einzelne Schüler. "Es wird immer darauf geachtet, wie der einzelne Fall zustande kam", sagt Kunz. "Wir versuchen, dass der Präsenzunterricht durchgezogen wird, solange es geht."

Zwar ist die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis noch unter 200, aber die Erfahrung lehrt: Das kann sich schnell ändern. Sind die Lehrer auf Hybrid-Unterricht vorbereitet? "Ja", sagt Kunz. So verwenden alle Schulen das Kommunikationssystem "BigBlueButton". Auch Lehrer könnten damit umgehen. "Sie wissen, dass es die Arbeit erleichtert. Sogar die ältere Generation ist lernwillig." Und selbst wenn alle Schulen Unterricht per Video halten würden, bliebe die Verbindung stabil. "Der Server am Landratsamt packt das." Wichtig sei: "Lehrer dürfen nicht nur Material rauspuffern. Schüler müssen ihre Lehrer sehen können. "

Lehrer dürfen nicht nur Material rauspuffern. Schüler müssen ihre Lehrer sehen können.

Rudolf Kunz, Schulamtsdirektor

Rudolf Kunz, Schulamtsdirektor

Realschule im Stiftland: Live in Klasse zugeschaltet

An der Realschule im Stiftland sind die Lehrer zwiegespalten, was die verlängerten Weihnachtsferien angeht. Schulleiter Stephan Drexler betont: "Es wäre sinnvoller gewesen, Distanzunterricht einzuführen. Wir wären vorbereitet gewesen." Wie die anderen Schulen auch, wird die Realschule in Waldsassen eine Notbetreuung für Kinder anbieten, deren Eltern arbeiten müssen. Bei den weiterführenden Schulen betrifft das die 5. und 6. Klassen. Hybrid-Unterricht wäre kein Problem: "Unsere 10 b war in Quarantäne. Wir mussten von jetzt auf sofort umstellen. Es hat ohne Probleme funktioniert." Ein Schüler wurde für weitere zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. "Er wird live in die Klasse zugeschaltet."

Dass die Abiturprüfungen an Gymnasien in Bayern verschoben worden sind, kann Drexler nicht verstehen. "Wir sind mit unserem Stoff besser dran als in den vergangenen Jahren." So hätten seine Schüler Wissenslücken aus dem vergangenen Schuljahr aufholen können - auch mit der Unterstützung von freiwilligen Förderkursen in Hauptfächern wie Deutsch/Mathe/Englisch. "Die Kurse werden gut besucht." Da aktuell keine Klassenfahrten, Wandertage oder sonstige Veranstaltungen stattfinden, bleibe mehr Zeit für den Unterricht. "Momentan sehe ich keinen Grund, warum die Prüfungen für Realschulen verschoben werden sollten."

Realschule in Kemnath: "Zeitlich genug Luft"

"Für den Worst Case sind wir besser vorbereitet als im Frühjahr", sagt Schulleiter German Helgert von der Realschule in Kemnath. Die Schule hat Leihgeräte angeschafft. Zusätzlich gibt es seit diesem Jahr eine schnelle Internetanbindung. "Wir haben im ganzen Haus W-Lan und Glasfaser-Anschluss."

Auch die Schüler in Kemnath kommen mit dem Unterrichtsstoff gut mit. "Die bisherigen Noten zeigen, dass es keine besonderen Ausreißer gibt." Selbst wenn eine Klasse mal in Quarantäne geschickt werde, gebe es keinen Grund zur Panik. "Früh kurz vor 8 Uhr melden sich alle an. Es gibt keinen Zeitverlust." Ob die Abschlussprüfungen an Realschulen verschoben werden? "Vorstellbar ist alles", findet Helgert. "Wir haben zeitlich genug Luft, falls es notwendig sein sollte."

Stiftland-Gymnasium: Erfahrungen durch Abschlussjahrgang

Für den Ernstfall, dass die Schüler im Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth in den Hybrid-Unterricht geschickt werden, wurden bereits Konzepte entwickelt. "Wir hatten den Fall schon, als unser Abschlussjahrgang in Quarantäne war", sagt Schulleiter Albert Bauer. Doch auch umgekehrt hat ein Lehrer von zu Hause aus Schüler per Videoschalte unterrichtet. "Wir haben uns schon Gedanken über die Teilung der Klassen gemacht und Räume ausgesucht, um den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten." So habe die Schule den Vorteil, dass der Mehrzweckraum kurzfristig in drei Klassenzimmer unterteilt werden könne. "Wenn es schnell gehen muss, haben wir das in ein bis zwei Tagen umgesetzt."

In Bezug auf die Abschlussprüfungen findet Bauer: "Da muss man noch abwarten. Wir haben keine genauen Termine bekommen." So musste die Verschiebung bekannt gegeben werden, da sowohl das erste wie auch das zweite Halbjahr um eine Woche verlängert wurden. Aus diesem Grund werden auch die Zwischenzeugnisse eine Woche später ausgeteilt.

Mit dem Schulstoff kommt der Großteil der Schüler mit. "Einzelne hatten Probleme mit dem Distanzunterricht." Auch die Internetverbindung laufe besser. "Eine Anbindung wurde verstärkt. Im Dezember soll Glasfaser kommen." Am Gymnasium findet der Sportunterricht trotz Maske statt. Doch nicht in gewohnter Form. "Es werden technische Dinge wie Korbwurf oder Aufschlag geübt. Oder es gibt Theorieunterricht. Wir machen nichts, wobei jemand besonders außer Atem kommt." Beim Schwimmen muss der Mund-Nase-Schutz bis zum Becken getragen werden. Luftfeuchtigkeit und Chlor im Wasser schützen vor Infektionen.

Mädchenrealschule: Konzept für Hybrid-Unterricht

An der Mädchenrealschule in Waldsassen beobachtet Schulleiterin Kerstin Reiter täglich den Inzidenz-Wert im Landkreis. "Für Hybrid-Unterricht haben wir ein Konzept entwickelt." So wurden vor Allerheiligen Gruppen eingeteilt, Eltern und Schülerinnen informiert. In den vergangenen Wochen wurde "BigBlueButton" genutzt. "Wir haben schulinterne Fortbildungen gemacht." Auch der Berufsberater wurde virtuell von außen in die Schule zugeschaltet.

"Man muss offen sein und schauen, dass man das den Schülerinnen auch vermittelt", sagt Reiter. Seit kurzem kann wieder das Wahlfach "Tschechisch" angeboten werden. Die Lehrkraft kommt direkt aus dem Nachbarland. "Auch Gottesdienste laufen anders." So feiert die Schule jährlich am 8. Dezember den Namenstag mit Äbtissin Laetitia Fech. "Dieses Mal ist nur eine Klasse dabei."

So funktioniert das neue Web-Konferenz-System "BigBlueButton"

Tirschenreuth
Hintergrund:

Verschiedene Unterrichtsformen

  • Präsenzunterricht: Das ist die normale Form des Unterrichts. Hier sind alle Schüler anwesend in den Klassenzimmern und sie werden von Lehrern unterrichtet.
  • Hybrid-/Wechselunterricht: Eine Hälfte der Klasse ist anwesend in der Schule, die andere lernt zu Hause mit Aufgabenblättern oder Videos. Manchmal wird auch ein Livestream aus dem Klassenzimmer angeboten, so dass die Kinder daheim den Unterricht mitverfolgen können.
  • Distanzunterricht: Der Unterricht ist für alle Schüler von zu Hause aus. Nötig dazu ist eine Lernplattform, also Software mit Schulstoff. Die Lehrer bleiben mit den Schülern digital in Kontakt.

 

 

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