14.09.2021 - 13:16 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schwimmkurse heiß begehrt bei Kindern und Eltern im Landkreis Tirschenreuth

Mit vorzeitigen Hallenbad-Öffnungen versucht der Landkreis, die Defizite der Grundschüler beim Schwimmen aufzufangen. Sie haben Erfolg damit. Die Schwimmkurse sind ausgebucht.

Und immer schön hinter dem Vordermann bleiben: Katja Mauersberger zeigt den Kindern, wie sie sich über Wasser halten können.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Wir sind ausgebucht." Diese Antwort bekommen viele Eltern, die noch nach Schwimmkursen für ihre Kinder in den Hallenbädern anfragen. Die Idee des Landkreises, den Grundschülern Kurse durch gesonderte Öffnungen der Bäder in den zwei ersten Septemberwochen vor Schulbeginn zu ermöglichen, hat eingeschlagen wie eine Bombe.

Dass Bedarf da ist, davon singen die Schwimmmeister ein Lied. "Wir fangen mit den Kursen die Corona-Jahrgänge auf, die keine Kurse machen konnten", sagt Jürgen Schelzke. Seit 30 Jahren ist er Fachangestellter für Bäderbetriebe in Kemnath. Kurse von morgens 8 Uhr bis nachmittags 17 Uhr die ganze Woche über sind ihm in dieser Zeit nicht untergekommen. Doch Schelzke weiß um die Notwendigkeit und macht es gern.

Mit bis zu sechs Mitarbeitern bringt er in jeweils zwei Kursen pro Tag gut 60 Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren das Schwimmen bei. Wer jetzt leer ausgegangen ist, wird mit Kursen im November vertröstet, jeweils Mittwoch von 15.30 bis 16.30 Uhr sowie Freitag von 14 bis 15 Uhr. Anmeldungen, auch über den Kinderschutzbund, sind ab 1. November möglich. Der Novemberkurs läuft wieder mit zwölf Kurseinheiten bis Mai statt mit zehn wie aktuell. "Das ging nicht anders, um alle unterzubringen", erklärt Schelzke. Die Entscheidung der Staatsregierung, einen Gebührenzuschuss von 50 Euro zu gewähren, begrüßt er. "Die Kinder bekommen den Gutschein in der Grundschule und können ihn nachträglich einlösen." Der Bonus sei ein zusätzlicher Ansporn, doch die Eltern seien überhaupt sehr glücklich über die Kurse.

Gut beschäftigt ist auch Thomas Mauersberger. Der Schwimmmeister im Hallenbad Waldsassen hat seine ganze Familie eingebunden. Ehefrau Sabine kümmert sich um den Bürokratismus wegen der Coronaregeln, seine Söhne André (25) und Christoph (12) sowie Tochter Katja (21) helfen bei der Betreuung im Becken, beim Duschen und Schwimmen lernen. Die Kurse, die auch von der Wasserwacht Waldsassen und Wiesau sowie dem Turnverein durchgeführt werden, sind ein Jahr lang ausgebucht.

Die Buben und Mädchen heißen "Die Wasserfüchse" bei Mauersberger. Er hat die Kurse wegen der großen Nachfrage neben den Angeboten der Vereine schon vor zwölf Jahren eingeführt. "Wir können erst ab Herbst 2022 wieder Kinder annehmen", bedauert er. Wegen des Andrangs ist er froh über die spontane Öffnung der Hallenbäder extra für Schwimmkurse. Bei ihm lernen jeweils zehn Kinder pro Kurs, aufgeteilt in zwei mal fünf Teilnehmer, die Fortbewegung im nassen Element. Das macht sichtlich Spaß, sogar beim Zuschauen. Fröhliches Kinderlachen begleitet die ersten Schwimmübungen. Manchmal ist ein Kind noch ein wenig unbeholfen zu Beginn, erzählt André. Aber bisher hätten es alle gelernt.

Thomas, André und Katja springen mit ins Wasser. Die Kinder bilden mit den "Schwimmnudeln" einen Kreis und paddeln munter los. Am dritten Kurstag üben sie bereits eifrig wie Frösche die Beinbewegungen. "Alle wollen halt das Seepferdchen machen", seufzt Mauersberger. Dabei sei das fürs Schwimmen allein nicht ausschlaggebend. "Hauptsache, die Kinder können sich über Wasser halten."

Zusätzlich hat Mauersberger eine praktische Hilfe angeschafft. Das sei nicht billig gewesen, aber sein Geld wert, hebt er eine kleine Weste hoch mit Kammern für Schwimmhilfen. "Schwimmflügel sind out. Die bringen nichts und hindern nur am richtigen Lernen", erklärt der Fachmann. Die Auftriebhilfen werden nach und nach aus den Kammern genommen, bis die Kinder ohne sie schwimmen. Die Buben und Mädchen seien immer sehr stolz, wenn sie zum Beispiel nur noch zwei Polster brauchen, lacht der Bademeister. Auch in Waldsassen laufen die Kurse die gesamte Woche einschließlich Samstag und Sonntag durch.

Bernd Hör, Fachangestellter für Bäderbetriebe und 38 Jahre alt, bestätigt, was seine Kollegen erzählen. In der Kreisstadt bieten der Schwimmclub und die Wasserwacht Kurse an. Gut 55 Kinder kommen derzeit in den Genuss. Das Wetter, Corona und fehlende Helfer aus den Vereinen nennt Hör als Gründe, warum es das Angebot nicht schon in den Sommermonaten im Freibad gab. "Wer will schon bei 15 Grad und Regen einen Schwimmkurs machen?"

Im Tirschenreuther Hallenbad sind jeweils zehn bis fünfzehn Kinder pro Kurs möglich, so Hör. In 45-minütigen Einheiten gehe das zügig über die Bühne. Die Teilnehmerzahl hänge vom einsetzbaren Personal der ausführenden Vereine ab. So habe der Schwimmclub mehr Leute und damit mehr Kapazitäten.

Auch in der Kreisstadt sind viele Kinder angemeldet, die bereits acht oder neun Jahre alt sind. Hör ist es wichtig, diese Zielgruppe zuerst zu beachten. "Manche kommen auch früher und wollen ihre Kinder mit vier Jahren bereits anmelden." Diesen Wunsch verstehe er schon. Doch wie überall mache am Ende die Übung den Meister, spricht Hör das begehrte Seepferdchen an. Das Erreichen der beliebten "Trophäe" sei ein Motivationsschub für die Kinder. "Aber das erste offizielle Schwimmabzeichen ist der Freischwimmer."

Wenn er an Buben und Mädchen auf Luftmatratzen in heimischen Seen oder gar im Meer denkt, ist Bernd Hör alles recht – Hauptsache, die Kleinen bleiben nach den Kursen über Wasser. "Wenn da die Eltern nicht aufpassen, sind die Kinder schnell beim leisesten Wind weit abgetrieben." Was, wenn sie dann ins Wasser fallen? Nach den Schwimmkursen sollten sie wenigstens in der Lage sein, sich über einen gewissen Zeitraum über Wasser zu halten. "Das kann lebensrettend sein", sieht Bernd Hör den Aufwand für die Kurse voll gerechtfertigt.

Bei Schwimmkursen gibt es überall lange Wartelisten

Weiden in der Oberpfalz

"Wir können erst ab Herbst 2022 wieder Kinder annehmen."

Schwimmmeister Thomas Mauersberger

 

 

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