06.05.2021 - 13:37 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Seniorenheime: Langsam in Richtung Normalität

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Wachsamkeit bleibt erforderlich. Aber dank Impfungen und niedriger Inzidenz freuen sich im Kreis Tirschenreuth die Bewohner und das Pflegepersonal in den Seniorenheimen über erste Schritte in Richtung Normalität. Ein Situationsbericht.

Mit Liedern und Briefchen haben die Kinder aus dem Kinderhaus Kunterbunt die Seniorinnen und Senioren im BRK-Heim Ziegelanger in Tirschenreuth überrascht. Viele Heimbewohner schauten von den Fenstern aus zu oder sie kamen kurz raus in den Garten.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn das kein Neuanfang ist: Erst vor wenigen Tagen besuchten die Kinder des Kindeshauses Kunterbunt die Seniorenheime Ziegelanger und Mühlbühl in Tirschenreuth. Mitgebracht hatten sie 180 Briefchen an die Senioren, Lieder, Sonnenschein und viel Fröhlichkeit. Mit den Heimbewohnern stimmten die Buben und Mädchen im Freien das Lied „Alle Vögel sind schon da“ an und überreichten ihre Post an die Einrichtungsleiterinnen Anneliese Dombrowsky und Nicole Rischer-Bäumler.

Vieles ist seit den Impfungen lockerer geworden in den Pflegeheimen, wenn auch noch nicht von einer Entwarnung gesprochen werden kann. Andreas Neugirg, Prokurist und Sachbereichsleiter im Sozialteam Regensburg, spricht am Telefon mit erleichterter Stimme von der momentanen Situation in den Sozialteam-Seniorenheimen Fuchsmühl, Waldershof und Neusorg. „Die Impfungen waren bei uns gut organisiert. Wir kamen sehr frühzeitig dran und hatten einen reibungslosen Ablauf“, freut er sich. Kaum einer habe Angst vor dem Pieks empfunden. Immerhin ließen sich in Fuchsmühl, Waldershof und Neusorg 80 Prozent der Heimbewohner impfen und 60 Prozent des Personals. "Nachdem alle gesehen haben, dass es den Geimpften gut geht, waren bald auch weitere bereit“, so Neugirg.

Mehr Gruppenangebote

Die Stimmung in den Häusern beschreibt er als gut. Der große psychische Druck, vor allem beim Personal, sei weg. Zwar seien natürlich weiterhin die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Jedoch gebe es bei der Besucherzahl Lockerungen. Aufgrund der guten Inzidenzzahlen dürfen in den Sozialteam-Häusern nun jeweils zwei Besucher gemeinsam kommen. Auch werde nun der Heimalltag mit mehr Gruppenangeboten in kleineren Einheiten wieder gelockert.

"Wir müssen weiterhin das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen mit den notwendigen Sicherheitsbestimmungen abwägen."

Andreas Neugirg, Prokurist beim Sozialteam Regensburg

„Wir müssen weiterhin das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen mit den notwendigen Sicherheitsbestimmungen abwägen“, betont Neugirg dennoch. Das finde nicht immer den Zuspruch aller Verwandten. Wohl wissend, Vorsicht sei nach wie vor geboten, „sind wir einen großen Schritt weiter in Richtung Normalität“, so Neugirg. Er hebt die enormen Leistungen der Mitarbeiter und Führungskräfte hervor, die gemeinsam die schwere Zeit bestens gemeistert hätten.

Schnelltest in BRK-Heimen

In den BRK-Heimen Kemnath, Plößberg und Tirschenreuth berichtet Pressesprecher Sven Lehner von einem großen Schritt seit der ersten Impfung im Dezember 2020. 90 Prozent der Bewohner in den vier Einrichtungen seien geimpft, und die Quote steige stetig. Die Impfwilligen hätten sich sehr darauf gefreut. Lockerungen gibt es in den BRK-Heimen im Sinne der Bestimmungen mit jetzt unbegrenzten Besuchszeiten und mehreren Besuchern pro Tag. Maximal seien bis zu vier Personen aus einem Haushalten erlaubt, Kinder bis 14 Jahren nicht mitgezählt. Hier schränkt Lehner ein, die Anzahl richte sich nach den inzidenzabhängigen Kontaktbeschränkungen. Besuch in den Zimmern sei möglich, wegen der Abstandsregelung mit jeweils zwei Besuchern und einem Kleinkind.

Eine nette Geste: In den BRK-Heimen werden täglich zwischen 14 und 15 Uhr Schnelltests angeboten. Die sind auch nötig, denn weiterhin können Besucher nur mit negativen Testergebnissen, einem ausgefüllten Erfassungsbogen und einer FFP2-Maske eintreten. Auch sollen ab Mai in Abstimmung mit den BRK-Heimen Gottesdienste für Heimbewohner in den hauseigenen Kapellen wieder stattfinden dürfen. Geplant seien Freiluft-Konzerte. Die erste Musikveranstaltung soll im Haus Ziegelanger im Mai mit dem Titel „Musik am Nachmittag“ mit Tenor Martin Fösel und Orchester stattfinden.

Gemeinsames Essen möglich

In kleinen Gruppen seien sowieso bereits wieder gemeinsame Unternehmungen und gemeinsames Essen im Haus möglich gewesen, berichtet Lehner weiter. Zur allgemeinen Stimmung sagt er allerdings, für die Leitungskräfte sei die Pandemie nach wie vor eine große Herausforderung und hohe Belastung zusätzlich. Insbesondere wegen der sozialen Bedürfnisse der Bewohner, die erfüllt werden müssten. Das bestätigen auch Beate Gmeiner, Nicole Rischer-Bäumler, Claudia Heier und Anneliese Dombrowsky von der Einrichtungsleitung. Man sei noch meilenweit von einer Entspannung entfernt, so Dombrowsky.

Lehner und die insgesamt 360 Mitarbeiter hoffen auf eine spürbare Erleichterung durch die nunmehr geltenden Besucherregelungen. Selbst ein kurzer Besuch, um beispielsweise etwas vorbeizubringen, sei zur logistischen Herausforderung geworden, sagt der Pressesprecher. Er bittet Verwandte und Besucher weiterhin um Verständnis. „Während wir einigen Angehörigen die Notwendigkeiten immer wieder neu erklären mussten, sprechen uns andere ihre Dankbarkeit aus für das, was wir hier für die lieben Verwandten leisten“, erlebt Lehner ein tägliches Wechselbad an Emotionen, die auch von außen hereinkommen.

Hohe Impfbereitschaft

Das Spannungsfeld zwischen Zuversicht und hoher Belastung sei immer noch sehr hoch. "Ich warte auf den Tag, an dem unsere Türen wieder weit offen stehen", sagt Heimleiterin Eveline Gerstl-Seidl vom Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Marien in Erbendorf. Nachdem die erste Welle ihr Heim voll erwischt habe, sei die Impfbereitschaft sehr hoch gewesen mit 85 Prozent der Bewohner und 70 Prozent des Personals. "Und es kommen ja immer welche nach." Umso mehr hebe sich auch die Stimmung im Heim.

"Es wird wieder gelacht."

Leiterin Eveline Gerstl-Seidl vom Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Marien in Erbendorf

Immerhin kämen täglich wieder bis 15 Besucher, wenn auch einzeln und nach wie vor mit Negativtest. Dafür habe man extra eine Testmöglichkeit eingerichtet. "Ab Mai bieten wir einmal die Woche einen Testtag an." Sie bedankt sich bei allen anderen Teststationen, die nun zusätzlich eingerichtet worden seien im Landkreis. "Das erleichtert unsere Arbeit sehr. Die Besucher können jetzt rasch zu einem Test gehen."

In kleinen Gruppen könne wieder gemeinsamer Alltag wie Gymnastik ermöglicht werden. Gerstl-Seidl wünscht sich sehnlich nun auch Lockerungen von oberster Stelle für die Seniorenheime. Trotz der hohen Impfquoten seien die bisher ausgeblieben. Aber sie sieht natürlich weiterhin die Notwendigkeit zur Vorsicht. Wenigstens sei nach den langen Tagen mit fehlenden Sozialkontakten wieder Leben im Haus. "Und es wird wieder gelacht."

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Tirschenreuth
Einige der Heimbewohner im Haus Ziegelanger kamen auch gern eine Weile nach draußen und hörten den Kindern beim Singen zu. Und vielleicht gibt es im Sommer sogar in den BRK-Heimen wieder Freiluft-Konzerte für die Bewohner.

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