09.09.2018 - 13:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Silphie als neue Energiepflanze

Die Durchwachsene Silphie ist in unserer Region noch nicht sehr bekannt. Die landwirtschaftliche Nutzpflanze ist eine mögliche Alternative zum Mais.

Ingo Klinkowski (links) gibt Tipps zum Anbau der Durchwachsenen Silphie.
von Externer BeitragProfil

(exb) Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Tirschenreuth und der Maschinenring Tirschenreuth luden daher zum Informationsabend "Durchwachsene Silphie" nach Großensterz ein. Rund 20 Landwirte nahmen das Angebot an. " Ziel war es, den Landwirten eine mögliche Alternative zum Maisanbau aufzuzeigen und die Besonderheiten dieser Kultur näher zu bringen", schreibt die AELF in einer Pressemitteilung.

Theo Dietz aus Großensterz ist der Betriebsleiter eines Demobetriebes für Boden- und Gewässerschutz. Er und sein Sohn Johannes haben bereits vor einiger Zeit - und somit als Erste im Landkreis - ein Versuchsfeld mit Durchwachsener Silphie angelegt. Dies schauten sich die Teilnehmer an.

Vorteile gegenüber Silomais

Ingo Klinkowski von der N.L. Chrestensen, Erfurter Samen- und Pflanzenzucht GmbH stellte die Kultur vor. Die Eignung dieser ausdauernden Pflanze als landwirtschaftliche Nutzpflanze ist laut dem Referenten erst vor einiger Zeit entdeckt worden. Sie könne mit einigen Vorteilen im Vergleich zum Silomais aufwarten.

Dabei verwies er darauf, dass nach einer einmaligen Ansaat und einem oder zwei Entwicklungsjahren die Pflanze jährlich und langjährig stabile Trockenmasseerträge, die nur etwa 10 bis 15 Prozent unter denen von Silomais liegen, liefere. Außerdem bilde die Becherpflanze, wie sie auch genannt wird, viele Blüten aus und blühe über einen langen Zeitraum. Dies wirke sich positiv auf die Entwicklung von Insektenpopulationen aus. Vor allem Bienen seien für diesen neuen Pollen- und Nektarlieferanten dankbar.

In erosionsgefährdeten Lagen biete die Durchwachsene Silphie den Vorteil, dass nach der Aussaat über mehrere Jahre keine Bodenbearbeitung mehr erfolgen müsse. "Nach der Ernte mittels Feldhäcksler verbleibt der Rest der Pflanze auf der Fläche und stirbt über den Winter oberflächig ab", erklärte Klinkowski. Somit sei die Bodenoberfläche stets mit Mulchmaterial bedeckt und die Bodenerosion bei Starkregenereignissen im Frühjahr könne stark reduziert werden.

"All das macht die Silphie interessant für Betriebe, die viel Mais anbauen". so der Referent. Dies dürften in erster Linie Biogasbetriebe sein. Zwar lasse sich die Silphie in gewissem Umfang auch als Silage an Nutztiere verfüttern, den größten Nutzen dürfte sie aber als Energiepflanze haben. Nach der Feldführung folgte noch ein Fachvortrag im Gasthaus Finkenstich in Themenreuth. Dort stellte Klinkowski die Kultur ausführlich vor.

Große Sorgfalt nötig

Es sei gelungen, die Samen der Durchwachsenen Silphie so aufzubereiten, dass eine flächige Aussaat mit praxisüblicher Technik auf landwirtschaftlichen Flächen erfolgen kann. Davor musste jede Einzelpflanze vorgezogen und als Setzling gesteckt werden. Dieses Pflanzgut sei sehr teuer und es seien zusätzlich hohe Kosten für den Einsatz von teurer Spezialtechnik auf den Anbauer zugekommen. Diese Nachteile seien nun ausgeräumt.

Der Referent erläuterte zudem, was der Landwirt bei einer flächigen Ansaat der Durchwachsenen Silphie zu beachten hat. Die Pflanze sei zu Beginn ihrer Entwicklung sehr empfindlich, deshalb müsse der Bauer große Sorgfalt bei der Saatbettbereitung und beim Pflanzenschutz walten lassen. "Wenn nach zwei bis drei Jahren ein starker und unkrautfreier Bestand etabliert ist, reduziert sich der Arbeitsaufwand um ein Vielfaches", so Klinkowski. Die einzigen Arbeiten seien dann nur noch Düngen und Ernten.

Zusammenfassend könne die Durchwachsene Silphie beim Gewässer- und Erosionsschutz sowie bei der Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln helfen. Zudem biete sie die Möglichkeit, die Kulturlandschaft mit einer neuen Art zu bereichern. All diese Vorteile könnten die höheren Saatgutkosten und den geringeren Ertrag im Vergleich zum Silomais durchaus ausgleichen. Kleinstrukturierte oder hängige Flächen würden sich anbieten, um erste Erfahrungen mit dem Anbau von Durchwachsener Silphie zu sammeln. Zudem könne sie auch als Ökologische Vorrangfläche für das Greening mit dem Faktor 0,7 angerechnet werden.

Ingo Klinkowski (links) gibt den Landwirten Tipps zum Anbau der Durchwachsenen Silphie.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp