Im Gefüge der Kliniken Nordoberpfalz (KNO) spielt der Standort Tirschenreuth weiter eine wichtige Rolle, betonten die Verantwortlichen bei der Vorstellung der großen Umstrukturierung 2023. Chirurgie, Intensivstation, Gynäkologie/Geburtshilfe und Notaufnahme wurden nach Weiden verlegt. Das Stiftländer Haus soll dafür zum KNO-Zentrum für ambulante Operationen und Altersmedizin werden.
Die OPs laufen vielversprechend an, auch die Innere Abteilung mit Schwerpunkt Akutgeriatrie (40 Betten) ist dem Vernehmen nach gut belegt. Der Betrieb einer geriatrischen Reha mit rund 80 Betten in der Kreisstadt wird aber wohl erst 2027 möglich sein.
Wie bereitet man den Umzug nach Tirschenreuth vor? Oberpfalz-Medien erhielt Einblick in die Umbaupläne, die seit Dezember im Kreisbauamt zur Prüfung vorliegen und mit denen sich der Tirschenreuther Bauausschuss am Montag, 10. Februar, befasst. Die KNO stehe nicht unter absolutem Zeitdruck, aber der Start soll so bald wie möglich sein, betonte Vorstand Michael Hoffmann: "Irgendwann im Laufe des Jahres 2025." Die Bauzeit wird mit 18 Monaten angegeben. "Wenn's gut läuft", so Technikleiter Bastian Pausewang.
Auch zu den Kosten der Sanierung gibt es nun konkrete Zahlen. Mit 17,9 Millionen Euro bezifferten die KNO-Vertreter die Maßnahme, die sich auf den Ost- und Westflügel konzentriert. Gerechnet wird mit einer Förderung für ländliche Krankenhäuser in einer Größenordnung von 2,5 Millionen Euro.
OP-Bereich und MVZ unangetastet
Am Ende sollen alle Geschosse in Benutzung sein, wobei in den oberen Stockwerken noch nicht alles verplant ist. Es gibt noch freie Mietflächen. Dort sei alles möglich, "was thematisch zu uns passt", sagte Stephan Schumacher, der Direktor für die KNO-Einrichtungen in Tirschenreuth, Erbendorf und Kemnath. Unangetastet bleiben in der gesamten Umbauzeit die Bereiche für OP, Diagnostik und Notfallambulanz. Auch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) nebenan ist nicht tangiert.
Geplant war eigentlich, die geriatrische Reha schon 2025 nach Tirschenreuth zu verlagern. Nun gehen in der Steinwaldklinik Erbendorf nicht vor Ende 2026 die Lichter aus. "Wir sind dort weiter zertifiziert, der Weiterbetrieb ist kein Problem", versicherte Schumacher. Zwar sei die Reha-Klinik gut ausgelastet, doch die räumlichen Voraussetzungen entsprächen mit vielen Mehrbettzimmern nicht mehr modernen Maßstäben. Teilweise müssten sich vier Patienten eine Nasszelle teilen.
Hauptsächlich Zweibettzimmer
In Tirschenreuth sind hauptsächlich Zweibettzimmer geplant, dazu einige Einzel- und wenige Dreibettzimmer. Im Wesentlichen, so Technikleiter Pausewang, werden die Nasszellen modernisiert, barrierefrei für Rollstühle mit unterfahrbaren Waschbecken gestaltet. Für den Reha-Betrieb im Krankenhaus werden die nicht mehr für stationäre Patienten gebrauchten Zimmer im ersten und zweiten Obergeschoss saniert.
Das Besondere: Entgegen der ursprünglichen Planung wird nicht nur der Ostflügel umgebaut, sondern auch der Westflügel. "Unser Anliegen war immer, dass das ganze Haus saniert wird", betonte Landrat Roland Grillmeier. Er freute sich, dass nach dem Umbau die Nutzung des gesamten Komplexes für Gesundheitszwecke möglich ist. Der Erhalt des Krankenhaus-Standorts sei wichtig für die Versorgung des ländlichen Raums. "Die bisherigen Praxen bleiben", unterstrich Grillmeier mit Blick auf die Fach- und Hausärzte, die hier angesiedelt sind.
Erst wird Ostflügel saniert
Der Brandschutz, vor Jahren in einem ersten Schritt bereits angepasst, soll mit der jetzt eingereichten Planung vollendet werden. "In die Statik wird nicht eingegriffen, die Baustruktur bleibt erhalten", erklärte Pausewang.
Zur Schonung der Patienten und der Mitarbeiter geht die Sanierung in zwei Bauabschnitten über die Bühne. Zunächst ist der Ostflügel dran, die dortigen Arztpraxen werden ausgelagert. Die Akutgeriatrie ist derzeit im gesamten Erdgeschoss der beiden Flügel angesiedelt. Das soll nach der Sanierung auch so bleiben. Für den Umbau zieht zunächst der Ostteil der Abteilung in den ersten Stock im Westflügel.
Nachdem alle neuen Versorgungsstränge im Ostflügel eingebaut und die Zimmer modernisiert sind, zieht die Akutgeriatrie dort vorübergehend auf zwei Stockwerken ein. Die Physiotherapie aus dem Untergeschoss wechselt ebenfalls nach gegenüber in den dritten Stock. Dann ist der Westflügel bis auf die Arztpraxen, die unangetastet weiterbetrieben werden, für den Umbau bereit.
Im letzten Schritt kehrt die Physiotherapie zurück ins untere Stockwerk und die Akutgeriatrie ins Erdgeschoss. Darüber zieht auf zwei Etagen über die gesamte Breite die Reha-Klinik ein. Im dritten und vierten Obergeschoss sind aktuell noch Flächen für Mieter wie Kurzzeitpflege, Physiotherapie und andere Praxen frei.
Der Eingangsbereich des Krankenhauses wird nicht groß verändert. "Wir planen dort eine Cafeteria, die den Namen auch verdient, nicht nur eine Ansammlung von Automaten", versprach der KNO-Vorstand.
Die Baukosten sind auch mit der Projektausweitung auf zwei Flügel entsprechend gestiegen, räumte Michael Hoffmann ein. "Eine erste Einschätzung über den Daumen fällt immer niedriger aus. Je konkreter die Planung, desto höher die Preise." An der Fassade des Krankenhauses ändert sich übrigens nichts – außer einer gründlichen Reinigung von schwarzen Algenablagerungen.
Krankenhaus-Regionalplan
Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl war froh, dass die Sanierung in Angriff genommen wird. Die Stadt sei indirekt über enorme Beiträge zur Kreisumlage an der Finanzierung beteiligt. "Die Bevölkerung sollte dankbar sein, dass es noch kommunale Krankenhausträger gibt", unterstrich Stahl.
Landrat Grillmeier beklagte, dass viele gesetzgeberische Details noch immer ungelöst seien. Krankenhausfinanzierung dürfe nicht Sache der überlasteten Kommunen sein. Auch die Landesplanung sei im Rückstand. "Wir gehen es mit einer Regionalplanung jetzt an", verwies er auf Gespräche mit den Landkreisen Wunsiedel und Amberg-Sulzbach. "Die Frage ist, wer macht was? Wo kann welche Einrichtung zukunftsfähig betrieben werden?" So wie bisher, so der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende der KNO, könne es nirgendwo bleiben.
Baugeschichte des Krankenhauses Tirschenreuth
- 1952/53: Neubau an der St.-Peter-Straße
- 1964: Erweiterungsbau
- 1970: Aufstockung Altbau
- 1985: Anlage Großparkplatz
- 1987/88: Umbau Bäderabteilung
- 1990: Flachdachsanierung Bettenhaus West und alter Funktionstrakt
- 1993: Erweiterung und Sanierung OP-Bereich und Funktionstrakt mit Diagnostik
- 1995/96: Umbau Büros 3.Obergeschoss, Brandschutztüren
- 1998/99: Sanierung Bettenhaus West mit Eingangsbereich
- 2001/03: Sanierung Bettenhaus Ost
- 2013/14: Sanierung und Erweiterung Intensivstation, Neubau Ärztehaus
- 2018/20: Erweiterung OP-Säle und Zentrale Notaufnahme
- 2020/22: Brandschutzsanierung Priorität 1


















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