22.05.2020 - 13:48 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Sonnenaufgang am Grand Canyon

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Nach der Ausbildung ab in die große weite Welt: Die 25-jährige Simone Zettl war fünf Monate allein auf drei Kontinenten unterwegs.

Wenn eine eine Reise tut, dann hat sie viel zu erzählen: Simone Zettl kann wirklich viel erzählen von ihren fünf Monaten allein draußen in der Welt. Sie sagt, das sollte sich jeder einmal gönnen und spricht von einer tollen Erfahrung fürs ganze Leben.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Ich war noch niemals in New York." Diesen Gedanken hatte nicht nur Entertainer Udo Jürgens. Auch Simone Zettl hatte New York für eine Reise im Visier. Eines schönen Abends im Mai 2019 verkündete die 25-jährige Erzieherin ihrer Familie ihre baldige, fünfmonatige Abwesenheit. Ihr Entschluss stand fest: Nach Abschluss ihrer Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin wollte sie die Welt kennenlernen. "Ich habe die Reise ganz normal über ein Reisebüro gebucht", erzählt Simone Zettl. Das habe ihr später viel Stress erspart. Am 4. September startet Simone Zettl zu ihrem Abenteuer, landet nach neun Stunden Flug in New York. Amerika sei ihr Traumland, sagt Simone, die große Erwartungen besonders an New York hatte. Aber es waren die Naturwunder, die sie mehr beeindrucken sollten.

Städte-Sammlerin

Die Bahn ist zur Freude der reiselustigen jungen Frau pünktlich, die Zugreise ein landschaftlicher Genuss. In Detroit kommt Simone bei einer dort lebenden Tirschenreutherin unter. Ein Luxus. Danach schläft Simone meist in Hostel-Gemeinschaftsräumen. "Richtig leise war es nie. Der eine kam, der andere ging. Aber ich hatte Glück mit den Zimmernachbarn", erzählt sie. Simone Zettl ist eine Städte-Sammlerin: New York, Detroit, Chicago, St. Louis, Memphis, New Orleans, Las Vegas, Los Angeles: Via Facebook dürfen die Freunde im Herbst ihre beneidenswerte Sammlerleidenschaft mitverfolgen.

Am Haus von Elvis

In Memphis ist ein Besuch im Haus von Elvis Presley ein Muss, in New Orleans beklatscht Simone den lockeren Lifestyle beim Jazz. Aus drei Tagen Los Angeles werden vierzehn. "Ob es einem in einem Land gefällt, steht und fällt mit den Menschen, die man kennenlernt", sagt sie. "Und überall trifft man Deutsche. Wirklich überall." Zum Grand Canyon begleitet sie eine neue Freundin. Bei Sonnenaufgang frühstücken die beiden Frauen auf einem schmalen Grat mit Blick auf eine endlos grandiose Landschaft und hinab in schwindelnde Tiefen. "Gigantisch", sagt Simone und ihre Augen bekommen diesen Glanz, der mehr als Worte sagt. Dabei sind solche "Gratwanderungen" durchaus gefährlich. Regelmäßig sollen im Grand Canyon Touristen abstürzen - beim Selfie. Ende Oktober reist die junge Frau für einen Besuch zu einer Freundin nach Kanada, danach geht es im November "kurz einmal" zurück in Richtung Heimat, zu Proben für die "Tirschenreuther Passion", wo Simone als Darstellerin mitwirkt. Sie bleibt nicht lange. Ihre Familie muss Weihnachten und Silvester auf sie verzichten. Simone Zettl fliegt zuerst auf die Insel Maui, danach feiert sie Weihnachten auf Hawaii und hat Heimweh. "Man hängt mehr an den Gewohnheiten, als man denkt", sagt sie.

Ein Tag Verspätung

Silvester 2019 in Honolulu, wo sich auf der Straße die halbe Welt tummelt: "Wir feierten jede Stunde. Es waren so viele Leute da aus aller Herren Länder. Überall daheim war Silvester zu einer anderen Stunde." In Neuseeland will sie sich mit ihrer Schwester Christine treffen, die von München aus fliegt. Christine Zettl kommt in Oakland an, aber Simone sitzt auf den Fidschi-Inseln fest wegen einer Flugverspätung. Das Reisebüro bucht um, mit einem Tag Wartezeit. Das Wiedersehen der Geschwister ist umso herzlicher.

Die beiden erleben traumhafte Wochen in Neuseeland. Auf den Spuren der Schauplätze des Filmklassikers "Der Herr der Ringe" erleben die jungen Frauen Naturwunder in XXL-Größen. Mit dem Mietauto unterwegs wird der Schlafplatz immer erst ein paar Stunden vor Ankunft gebucht. "Das funktioniert auf der ganzen Welt", ist Simone eine Erfahrung reicher. Bis auf einmal, in New York. Da habe ihr ein Vermieter um 17 Uhr das Zimmer gekündigt. Über viele Telefonate nach Hause kam sie auch diesmal bei einer Frau aus Tirschenreuth unter. Auf dem Reiseplan steht dann Thailand. Inzwischen ist das Coronavirus in China ausgebrochen. In Thailand erlebt Simone, was heute Alltag ist. "In Bangkok liefen alle mit Mundschutz herum. Das war für mich utopisch", erzählt sie. Sie trifft Bekannte aus dem Bayerischen Wald.

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Waldsassen

Corona zwingt zum Abbruch

Es ist Ende Januar und die Familie drängt Simone, die Reise abzubrechen. Corona hat Deutschland erreicht. Simone landet eine Woche früher als geplant am 11. Februar in Frankfurt. Nach fünf Monaten rund um den Erdball hat Simone neue Lebenserfahrung gesammelt. Nicht immer sei es einfach für eine Alleinreisende, sagt sie und erzählt von einsamen Abenden.

Ihre gefährlichste Erfahrung: Der Atlantik ist nicht die Nordsee. "Ich bin ins Wasser und dachte, die Wellen machen mir nichts. Dann hat mich das Meer 300 Meter weit hinausgesogen. Die Wellen drückten mich unters Wasser. Ich dachte, ich ertrinke."

Simone Zettl rät noch zögerlichen Nachahmern, sich eine solche Reise zuzutrauen. "Allein reisen ist leichter, als man denkt."

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