07.06.2019 - 16:09 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

SPD fehlen Emotion und Schwung

Auch bei den SPD-Funktionären aus dem Landkreis Tirschenreuth herrscht Uneinigkeit über den Verbleib oder den Ausstieg aus der Großen Koalition. Oberpfalz-Medien hat nachgefragt.

Nach dem Rücktritt von SPD-Chefin Andrea Nahles ist ein Trio die Interimslösung. Kommissarisch führen Manuela Schleswig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel die Partei. Förderungen nach dem Austritt aus der Großen Koalition werden laut. Die SPD-Funktionäre im Landkreis Tirschenreuth sind sich darüber uneinig.
von Lena Schulze Kontakt Profil

(szl) Der Rücktritt von Andrea Nahles ist keine Lösung für die SPD-Funktionäre aus dem Landkreis Tirschenreuth. Vor allem, weil sich kein Nachfolger aufdrängt. Beim Ausstieg aus der Großen Koalition gehen die Meinungen auseinander. Oberpfalz-Medien befragte Sozialdemokraten zum Tief ihrer Partei.

SPD-Kreisvorsitzende Brigitte Scharf aus Erbendorf sagt: "Ein sofortiger Rücktritt ist nicht immer die Lösung." Andrea Nahles sei sicher nicht alleine Schuld an den schlechten Wahlergebnissen. "Innerhalb von einem Jahr kann man gar keine Partei kaputt machen." Sie wüsste keinen Kandidaten, der auf Nahles als Parteivorsitzender folgen könnte. Von ihrer Partei erwartet Scharf nun Konsequenzen.

"Wir dürfen unser Rückgrat nicht verlieren", auch wenn dies bedeute, aus der Großen Koalition auszusteigen. Sie ist strikt gegen eine thematische Umorientierung. "Jede Partei hat ihre speziellen Interessen. Wir sind das soziale Gewissen. Das ist doch nicht verkehrt", blickt die Sozialdemokratin auch auf den Höhenflug der Grünen. Der Schwerpunkt Umwelt- und Klimaschutz habe alle anderen Themen überrollt. "Die SPD hat eine bemerkenswerte Vergangenheit, lassen wir uns jetzt nicht die Zukunft nehmen", gibt sich die Kreisvorsitzende kämpferisch.

"Die Situation ist derzeit ziemlich verfahren", beurteilt Krummennaabs Bürgermeister Uli Roth. "Es tut sich niemand hervor und es drängt sich für mich auch niemand auf, der die SPD an vorderster Front vertreten könnte." Der Genosse denkt, dass Nahles zum einen viel Pech hatte und zum anderen kaputt geschrieben wurde. Der Bürgermeister sei zwar Befürworter der Großen Koalition, allerdings ist er der Meinung die GroKo nicht erst im späten Herbst auf den Prüfstand zu stellen. "Das muss jetzt auf der Stelle passieren."

"Unser Image ist äußerst angestaubt. Die Parteispitze predigt schon lange, wir müssen jünger und weiblicher werden. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen", sagt Roth. Mit den Programminhalten ist er zufrieden. "Wir müssen sie mit mehr Schmackes unters Volk bringen", wünscht sich Roth mehr Schwung und Dynamik.

Rainer Fischer, ehemaliger SPD-Kreisvorsitzender aus Waldsassen, hielt die zurückgetretene Parteivorsitzende zwar nicht für die Topbesetzung, "aber die Art, wie man mit ihr umgegangen ist, ist schlimm". Von der GroKo hielt der Waldsassener, der 17 Jahre Kreisvorsitzender war, nicht viel. Zuletzt war er allerdings für die schwarz-rote Regierung. "Wo sind die Alternativen?" Die Partei müsse dies nun kritisch prüfen. "Wir haben eine riesige Aufgabe vor uns." Neues Personal sei nicht die Lösung aber Grundvoraussetzung.

Er sieht in der Herausforderung auch eine Chance: "Vielleicht ist das ein heilsamer Schock und man findet unter Druck eine bessere Lösung", hofft Fischer. Langfristig müsse sich die Partei seiner Meinung nach neu orientieren. Dass die Wähler kontinuierlich von der SPD abwandern, tue dem Sozialdemokraten in der Seele weh. "Der Hype der Grünen ist absolut ungünstig für unsere Partei." Der Sinkflug sei auch das Ergebnis der Agenda 2010-Politik, die Fischer für falsch hält. Und: "Wir haben häufig nicht die richtigen Schlüsse gezogen." Vom Verdruss der Menschen habe vor allem die AfD profitiert. "Wir müssen das Vertrauen der Menschen wieder gewinnen. Das wird nicht sofort in den nächsten sechs Wochen passieren." Immenreuths SPD-Ortsvorsitzender und Kreisrat Alfred Schuster hätte sich Manuela Schwesig an die Parteispitze gewünscht, "aber die hat abgewunken." Dass die Grünen die Sozialdemokraten langfristig ablösen, glaubt er nicht: "Ob das so stabil bleibt? Sie schwimmen auf einer Welle." Die Grünen könnten gut emotionalisieren, das fehle der SPD gerade. "Durch dieses Tal müssen wir durch."

Info:

Die SPD und die Kartoffel

SPD-Kreisvorsitzende Brigitte Scharf gibt sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien kämpferisch: „Ich gebe nicht auf!“ Zur Verdeutlichung erklärt sie die Gemeinsamkeit zwischen SPD und Kartoffeln: „Die SPD und die Kartoffel gibt es schon solange man denken kann. Wegen beiden gibt es keine Not. Und die SPD und die Kartoffel sprießen in dunkelster Finsternis.“

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