18.08.2018 - 07:46 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Im Spiegel verliebt

„Manchmal deutsch, manchmal italienisch“, antworten Maria und Danilo Marzinotto gemeinsam auf die Frage, in welcher Sprache sie träumen oder denken. Das Ehepaar ist seit 1961 in Deutschland. Seit 50 Jahren betreiben sie die "Riviera".

Danilo und Maria Marzinotto betreiben seit 50 Jahren die Eisdiele und Pizzeria "Riviera" am unteren Marktplatz in Tirschenreuth.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

(tr) "Nach so langer Zeit kann man nicht mehr sagen, ich bin Italiener oder ich bin Deutscher. Das spielt auch keine Rolle. Wir sind Europäer, nur das zählt", sind sie sich einig. Auch so etwas wie Heimweh kennen die beiden 83-Jährigen, die seit 1968 das Eiscafé "Riviera" am Unteren Marktplatz betreiben, nicht. "Als Venezianer bist du es gewohnt, durch die Welt zu reisen und dich überall zurecht zu finden", sagt Danilo. "Venezianer sind Weltbürger."

Palermo und Rom

Danilo stammt aus dem kleinen Ort Cinto Caomaggiore in der Provinz Veneto, ziemlich genau jeweils 65 Kilometer zwischen Venedig und Triest gelegen. Dort wuchs er als Sohn des Schreiners Mario Marzinotto und dessen Ehefrau Carmella Nardioli, auf und absolvierte die Grundschule. Sein weiterer schulischer Werdegang führte ihn nach Portogruaro, etwa vier Kilometer von seinem Heimatort entfernt. Mit dem Fahrrad, oder bei ganz schlechtem Wetter, mit dem Bus pendelte er fünf Jahre zwischen Realschule und Heimatort.

Es folgten weitere drei Jahre in Portogruaro in einer Schule für Gastronomieberufe. Danach leistete Danilo seinen 18-monatigen Grundwehrdienst als Marinesoldat in Palermo, der Landeshauptstadt Rom und in Venedig ab.

Maria Marzinotto ist geboren und aufgewachsen in Monte Cassino bei Rom. Ihre Eltern, Vincenzo Santasi und Minchela Maria, betrieben eine kleine Landwirtschaft in den Bergen. Nach der Schule lernte Maria Schneiderin. Kennen und lieben gelernt haben sich Maria und Danilo ganz woanders. Beide hatte es nach London verschlagen. Marias ganze Familie war damals dort, weil die Heimat nach dem Krieg keine Existenz bot. Danilos Tante, Mafalda Nardioli, lebte ebenfalls in London. Sie kannte einen Koch, der in der deutschen Botschaft arbeitete und der verschaffte Danilo dort einen Job als Küchenhelfer. "Man nannte mich damals den Kitchen Man." Anfang 20 war Danilo damals. Er lernte Englisch und jobbte auch in Londoner Restaurants.

Maria arbeitete zu der Zeit im St. Thomas Hospital als Krankenschwester. Am Themse-Ufer gab es ein kleines, aber feines italienisches Café, wo praktisch ausschließlich Italiener verkehrten. "Da waren große Spiegel an den Wänden", erinnert sich Maria. Darin sei ihr Danilo zum ersten Mal aufgefallen. Übrigens auch umgekehrt, denn ihre gespiegelten Blicke kreuzten sich immer öfter. Na ja und irgendwann haben sie sich unsterblich ineinander verliebt. "Und das sind wir heute immer noch", erklären sie mit einem Augenzwinkern.

Zwei Jahre blieb Danilo in der englischen Hauptstadt, bevor er ein Jahr in der Schweiz im Kanton Appenzell in diversen Restaurants kellnerte. Maria sah er in dieser Zeit kaum. Aber es gab ja Fotos und die Post, so dass die Verliebten stets Kontakt hielten - analoges "Skypen" quasi.

26 Euro Rente

1961 eröffnete Velerio Marzinotto, der Bruder von Danilo, das erste italienische Eiscafé der Region, das Café Roma in Mitterteich. Er bot damals den Familienmitgliedern an, mit einzusteigen. Italienische Familien halten zusammen. Keiner fackelte lange und alle reisten sie in die Porzellinerstadt. Das Eiscafé lief im Sommer gut. "Aber im Winter war es langweilig und ich suchte mir Arbeit", erzählt Maria. Bei der Firma Tischler, heute Hatico, wurde sie fündig und arbeitete als Schneiderin. "Aus dieser Tätigkeit erhalte ich heute eine Rente von 26 Euro monatlich", lacht Maria.

Als der Bruder nach Beuel bei Bonn ging und dort das Ristorante "Tivoli" eröffnete, das heute bereits in der vierten Generation geführt wird, übernahmen 1963 Maria und Danilo das bestehende Eiscafé Riviera in der Badstraße in Tirschenreuth. Drei Tage nahmen sie sich Zeit, reisten nach Italien, heirateten im Heimatort von Danilo und sofort ging es wieder zurück nach Tirschenreuth zur Eröffnung ihrer Eisdiele. Als 1968 das ehemalige Café Maier mit Konditorei schloss, richteten Maria und Danilo dort die neue "Riviera" ein.

Jung geblieben

Das ist genau 50 Jahre her. 2000 als Marias Schwester Silvana Satasi verstarb, überlegten die Marzinottos, ob sie zurück nach Italien gehen sollten. Aber da waren noch die Neffen Ricardo und Dominic Neitz, die heute gemeinsam die beiden Eiscafés "La Strada" in Tirschenreuth und Windischeschenbach führen. Jetzt ist eine Rückkehr kein Thema mehr. "So lange wir gesund sind, machen wir weiter." Die "Riviera" ist ein echtes Kult-Objekt, in dem schon immer mehrere Generationen verkehrten. "Wir sind mit den vielen jungen Leuten, die zu uns kommen, selbst jung geblieben", sagt Danilo. "Das hier ist unsere Existenz, unser Leben."

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