31.05.2019 - 15:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Stiefvater vor Gericht

Ein 26-Jähriger soll im Juni 2018 seine zwei Stiefkinder geschlagen haben. Der Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth streitet dies ab.

Symbolbild
von Martin Maier Kontakt Profil

Der Fall landete nun vor dem Amtsgericht Tirschenreuth. Die Anklage wirft dem 26-Jährigen vor, seiner damals achtjährigen Stieftochter zu Hause mit der Faust ins Gesicht und sie anschließend mit dem Kopf gegen den Boden geschlagen zu haben. Die Folgen seien eine Gehirnerschütterung und ein Einriss im Oberlippenbändchen gewesen. Das Mädchen musste einen Tag später nach Aufforderung durch das Jugendamt in der Kinderklinik in Weiden stationär behandelt werden.

Außerdem soll der junge Mann seinem damals siebenjährigen Stiefsohn mit der flachen Hand eine Backpfeife verpasst, ihn am Hals gepackt und gegen den Kleiderschrank gedrückt haben. Dadurch habe der Bub Schwellungen und Rötungen im Gesicht erlitten. Staatsanwältin Natalie Wolf warf dem Angeklagten daher vor, die Kinder körperlich misshandelt zu haben.

Eigentlich wollte Richter Thomas Weiß den Kindern die Aussage vor Gericht ersparen. "Sie sind sehr jung. Für das Mädchen und den Buben ist es sehr belastend, wenn sie über diese unschönen Sache vor Gericht aussagen müssen", schlug er ein Rechtsgespräch vor. In diesem stellten der Richter und die Staatsanwaltschaft eine empfindliche Geldstrafe und den Verzicht auf eine Freiheitsstrafe in Aussicht. Allerdings gab Verteidigerin Ilka Lang-Seifert bekannt, dass ihr Mandant kein Geständnis ablegen könne. Vielmehr verlas der 26-Jährige, der mittlerweile von seiner Frau getrennt lebt, seine Sicht auf den besagten Tag.

Als er in das Zimmer im ersten Stock kam, seien die Kinder auf dem Fensterbrett gestanden. Sie hätten dort bei offenem Fenster gespielt und Papierblätter nach draußen geworfen. Daher habe er sich angeschlichen und die beiden heruntergerissen. Dabei fiel der Bub auf den Hintern und das Mädchen landet mit dem Gesicht auf dem Boden. "Ich habe sie danach sofort verarztet. Sie hat auch keine weiteren Schmerzen geäußert", so der 26-Jährige. Eine damalige Freundin (16) der Mutter ("Wir sind jetzt nicht mehr befreundet. Es ist viel passiert.") erklärte, dass sie an dem besagten Tag die blutige und geschwollene Lippe des Mädchens gesehen habe. Die Kleine habe ihr von Schlägen durch den Stiefvater berichtet. Zudem habe der Junge ein blaues Auge und eine rote Wange gehabt. Bei der Polizei hatte die 16-Jährige angegeben, dass ihr die Kinder gesagt hätten, dass der Papa sie von der Fensterbank gezogen und danach das Mädchen geschlagen habe. Eine weitere Freundin (18) erzählte eine ähnliche Version.

Die 27-jährige Mutter machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Schließlich befragte der Richter unter Ausschluss des Angeklagten und der Öffentlichkeit die Kinder. Wie Weiß berichtete, hatten sie angegeben, dass der Papa sie vom Fensterbrett gezogen habe. Danach habe das Mädchen gespien und ihre Lippe sei aufgeplatzt gewesen. Der Junge gab an, dass der 26-Jährige ihn danach auf den Boden und gegen den Schrank gedrückt habe.

Da die Verteidigerin noch eine Reihe weiterer Zeugen beantragt hatte, unterbrach Richter Weiß die Verhandlung. Bei der Fortsetzung am Freitag, 7. Juni, um 8.30 Uhr, sollen unter anderem eine Ärztin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) des Klinikums Weiden, zwei Polizisten und eine Familienhelferin aussagen.

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