29.10.2019 - 15:01 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wenn der Strom ausfällt

Was passiert eigentlich in der Region, wenn der Strom mal länger ausfällt? Dann gehen natürlich erst einmal die Lichter aus. Dass dies noch viel schlimmere Folgen haben kann, erfuhren die Bürgermeister in einer Versammlung.

Landrat Wolfgang Lippert kündigte in der Bürgermeisterdienstversammlung an,die Möglichkeit eines Stromausfalls auch einmal bei der Steinwaldgruppe, dem größten Wasserversorger der Region, anzusprechen.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Landrat Wolfgang Lippert fordert die Rathauschefs dazu auf, dieses Thema nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Um zu verdeutlichen, dass ein Stromausfall einen ganzen Rattenschwanz an Folgen nach sich ziehen kann, setzte er das Thema auf die Tagesordnung einer Bürgermeister-Dienstversammlung.

Kompetenter Gesprächspartner war im großen Sitzungssaal Professor Stephan Prechtl. Der Geschäftsführer von den Stadtwerken Amberg hat mit der Vilsstadt das Szenario eines Stromausfalls bereits durchgespielt und forderte die Kommunalpolitiker auf, in den eigenen Städten und Gemeinden Vorkehrungen für einen möglichen Blackout zu treffen. Der Ausfall von Licht, Tiefkühltruhe und Gefrierschrank sei zwar ärgerlich, aber nicht vergleichbar mit dem Szenario, wenn die Wasser- und Abwasseranlagen länger ausfielen.

Das Thema sei nicht so abwegig, wie viele meinten, so Prechtl. Ein "digitaler Schlag" könne heute vieles lahm legen. Und eine sichere kommunale Wasserversorgung sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Prechtl forderte die Bürgermeister auf, dieses Thema nicht aus den Augen zu verlieren. Denn nach der Wasserversorgung werde auch die Abwasserversorgung zusammenbrechen. Die Folgen, wenn keine Klospülung mehr funktioniere, könne sich jeder ausmalen. Landrat Lippert kündigte an, die Möglichkeit eines Stromausfalls auch einmal bei der Steinwaldgruppe, dem größten Wasserversorger der Region, anzusprechen. Die Bürgermeister forderte er auf, auch in den Rathäusern darüber zu diskutieren, was unternommen werden könne, um für einen Blackout vorzusorgen.

Ein Thema, das den Gemeinden bereits jetzt unter den Nägeln brennt, ist die Klärschlamm-Entsorgung. Professorin Diana Hehenberger-Risse von der Hochschule Landshut informierte über die geplante grenzüberschreitende Lösung des Problems mit der Ikom Stiftland. Sie dämpfte die Hoffnungen der Politiker auf eine schnelle eigene Lösung des Problems. Welche Anlage für die Städte und Gemeinden im Stiftland ideal sei, lasse sich wohl erst in fünf, sechs Jahren sagen.

Klar sei aber bereits, dass es sinnvoll sei, den Klärschlamm in der Region zu trocknen, da sonst unnötig viel Wasser durch die Gegend gekarrt werde. Sie empfahl den Kommunalpolitikern der Ikom Stiftland und der Steinwald-Allianz, hier gemeinsame Sache zu machen. Sie sprach sich dabei für eine Kooperation oder einen Verbund aller Kommunen im Landkreis aus.

Bei der Trocknung ist derzeit die Nutzung von einer oder mehreren Biogasanlagen im Landkreis, die dafür genügend Abwärme produzieren, im Gespräch. Landrat Lippert will als nächsten Schritt nun fundierte Zahlen über Biogasanlagen im Landkreis, mit denen die Kommunen zusammenarbeiten könnten. Als mögliche Standorte brachte die Professorin Tirschenreuth und Erbendorf ins Spiel. "Wir müssen da wirklich Gas geben", bat der Landrat, bei der Trocknung bald Nägel mit Köpfen zu machen.

Florian Rüth informierte die Runde über die Erweiterung der Richtlinie zur Förderung von Glasfaseranschlüssen und WLAN für öffentliche Schulen und Plankrankenhäuser. Seit Inkrafttreten der Richtlinie zum 1. Oktober 2019 läuft das Förderprogramm „Digitales Rathaus“. Gemeinden, Zusammenschlüsse von Gemeinden sowie Gemeindeverbände in Bayern können für die erstmalige Bereitstellung von Online-Diensten bis zu 20.000 Euro Förderung erhalten. Für alle Antragsteller steht der Förderhöchstbetrag unabhängig vom Zeitpunkt der Beantragung beim Vorliegen der Fördervoraussetzungen während der Laufzeit der Förderrichtlinie zur Verfügung. Außerdem fördert der Freistaat das Basisseminar „Grundkurs Digitallotse“ der Bayerischen Verwaltungsschule und übernimmt 80 Prozent der Seminargebühren für einen Mitarbeiter pro Gemeinde und pro Landkreis und pro Bezirk.

Einige Bürgermeister nutzten dieses Thema, um ihrem Unmut über die vielen Funklöcher im Landkreis Luft zu machen. "Bei uns gibt es einen weißen Fleck neben dem anderen. Die Gäste sagen, ihr wollt Bad Neualbenreuth werden und habt nicht einmal Mobilfunk", wetterte Bürgermeister Klaus Meyer. Er forderte dazu auf, sich dies nicht länger gefalle zu lassen und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um diese missliche Situation zu verbessern.

Dass zu viel Datenschutz nicht immer gut ist, brachte Landrat Lippert zur Sprache. Er berichtete von Beschwerden und Problemen nach der traditionellen Meisterehrung des Landkreises. Es werde immer schwieriger, die Leute zu erfassen und einzuladen. Von manchen Stellen bekomme der Landkreis aus Angst, gegen den Datenschutz zu verstoßen, nicht einmal mehr die Wohnorte und Adressen der neuen Meister mitgeteilt. Gleichzeitig gebe es Beschwerden von neuen Meistern, dass sie nicht eingeladen worden seien. "Aber wir können uns doch nicht aus datenschutzrechtlichen Gründen von dieser schönen und wichtigen Veranstaltung verabschieden. Das wäre fatal", meinte der Landrat. Er wolle den Empfang auf jeden Fall beibehalten. " Angedacht ist nun, zusätzlich zu Schreiben an die Berufsverbände auch einen Presseaufruf zu starten, damit sich Landkreisbürger, die den Meisterbrief erworben haben, auch selbst melden können.

 

 

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