20.01.2020 - 19:20 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tennet-Bürgerforum in Tirschenreuth: "Wir wollen kämpfen bis aufs Blut"

Um 15 Uhr sollte das Bürgerforum von Tennet zum eingeleiteten Plannungsfeststellungsverfahren des Süd-Ost-Links losgehen. Viele Besucher kamen früher und löcherten die anwesenden Tennet-Fachkräfte mit Fragen.

Landwirt Herbert Wölfl (links) zeigt beim Tennet-Bürgerforum im Seenario auf dem Touchscreen-Bildschirm, welche seiner Grundstücke von der Erdverkabelung des Süd-Ost-Links betroffen sind.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

"Wo genau wird die Erdverkabelung entlang laufen?" oder "Ist es nicht möglich die A 93 in die Planungen mehr einzubinden?", wollten die betroffenen Eigentümer beim Tennet Besucherforum im "Seenario" Tirschenreuth wissen. Über sechs Bildschirme und verschiedene Schautafeln konnten sich die Anwesenden über den Verlauf des Süd-Ost-Links informieren. "Inzwischen verläuft die Diskussion sachlicher", findet Pressesprecher Markus Lieberknecht. Durch den aktuellen Stand des Verfahrens könne der Netzbetreiber nun konkret sagen, welche Grundstücke und Flächen betroffen seien.

Vor allem Landwirte fühlen sich zu wenig in die Entscheidungen einbezogen. "Wir haben kein Mitspracherecht", sagt Herbert Wölfl aus Lohnsitz. "Mich erwischt es vor Ort am meisten", betont er. So gelte es unter anderem die Erderwärmung, die durch die Kabel verursacht werde, zu berücksichtigen. "Wenn die Sommer trocken sind, führt das zu weniger Wachstum auf den Flächen, da auch der Boden austrocknet." Mehrmals habe er versucht auf Tennet zuzugehen, der Netzbetreiber habe abgeblockt. "Das verstehe ich nicht. Wir sind bereit zu reden."

Der Tirschenreuther Stadtrat Konrad Zant (CSU) erklärt: "Wir wollen kämpfen bis aufs Blut. Diese Entscheidungen betreffen unsere ganze Stadtentwicklung." So würden sich betroffene Flurstücke zwischen Lohnsitz und Tirschenreuth als künftige Baugrundstücke eignen. Sobald das Verfahren vorbei ist, wolle die Stadt Tirschenreuth klagen. Zwei Landwirte aus Pilmersreuth an der Straße meinten: "Eigentlich ist es nur eine Proforma-Veranstaltung." Schließlich sei schon alles geplant. Eine Erdverkabelung wäre ihrer Ansicht nach an der A 93 besser gewesen. Aber: "Um etwas zu erfahren, muss man herkommen. Dann lässt sich zumindest im Kleinen noch etwas ändern." Ebenfalls sei für sie unklar, welche Auswirkungen der Süd-Ost-Link auf Natur und Umwelt habe.

Auch der Kreisausschuss Tirschenreuth diskutierte am Montagnachmittag den Trassenverlauf und den Verfahrensstand des Süd-Ost-Links. Die Kommunalpolitiker aller Fraktionen waren enttäuscht von der Vorgehensweise bei diesem einschneidenden Vorhaben. Landrat Wolfgang Lippert meinte: "Ich persönlich weiß nicht, ob die Trasse notwendig ist. Aber was ich weiß ist, dass ich eine solche Ignoranz und Arroganz, wie sie die Bundesnetzagentur hier an den Tag legt, selten erlebt habe." Der Landkreis wird schriftlich Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger auffordern, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Möglichkeiten einer Trasse entlang der Autobahn geprüft wird. Ansonsten, dies wurde in der Debatte deutlich, wird der Landkreis den Klageweg beschreiten.

Der Landkreis Wunsiedel hat am Montag gemeinsam mit dem Bund Naturschutz in Bayern und dem Landesverband Bayern der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine geschlossen Klage gegen den Süd-Ost-Link beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht. Nach einer Pressemitteilung des Landratsamts äußerte sich Landrat Karl Döhler: "Die geplante Trasse würde das Fichtelgebirge aus unserer Sicht in unzumutbarer Weise schädigen. Wir wollen auch den Stromkunden Mehrkosten ersparen, die dann entstehen würden, wenn beispielsweise erst am Ende des jetzt folgenden dreijährigen Planfeststellungsverfahrens ein Gericht die Planung kippen wird. Einer unser Hauptkritikpunkte ist, dass ein Trassenverlauf entlang der A 93 viel zu wenig untersucht worden ist."

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