29.05.2020 - 10:53 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

In Tirschenreuth kein Freibadspaß im Corona-Sommer

Es ist eine "Premiere" auf die alle gerne verzichtet hätten: Erstmals in der Geschichte des Freibades bleibt die beliebte Freizeiteinrichtung für eine komplette Saison geschlossen.

Noch fehlt das Wasser im Nichtschwimmerbecken. Dort dürfen heuer aber nur die TSC-Schwimmer zum Training ins Wasser. Für die Allgemeinheit bleibt das Freibad in dieser Saison geschlossen.

Der Tirschenreuther Stadtrat hatte sich seine Entscheidung in seiner Sitzung am Donnerstag nicht leicht gemacht. Doch mit Blick auf die Sicherheit der Besucher und auch angesichts der enormen Auflagen, die ein Betrieb in Corona-Zeiten mit sich gebracht hätte, entschloss sich das Gremium mehrheitlich für diesen Schritt.

Weniger Attraktivität

Entscheidend war wohl auch, dass es nicht sicher ist, ob die Stadtwerke als Betreiber die umfassenden Auflagen eines Hygienekonzeptes überhaupt realisieren können. Abstandskontrollen, die notwendigen Desinfektionsgeräte oder auch die Organisation eines Sicherheitsdienstes stellen hohe Hürden da. Zudem hätten Beschränkungen, wie etwa die Sperre der große Rutsche oder des Sprungturms die Attraktivität des Badevergnügens stark eingeschränkt. "Einen Freibadspaß, wie wir ihn kennen, hätte es nicht gegeben", verdeutlichte Bürgermeister Franz Stahl. Wirtschaftliche Gründe seien eher nebensächlich gewesen. Einen kleinen "Lichtblick" konnte der Stadtrat immerhin dem Schwimm-Club bieten. Die Mitglieder dürfen für Trainingszwecke das Nichtschwimmerbecken nutzen. Dafür hatte der Verein ein entsprechendes Hygiene- und Sicherheitskonzept ausgearbeitet.

Die Erlaubnis soll auch die sportliche Leistungsfähigkeit der Mitglieder erhalten. Einstimmig sprach sich das Gremium für die Unterstützung der Schwimmer aus. In der Diskussion folgten die Mitglieder eher der eigenen Einschätzung und stimmten quer durch die Fraktionen für oder gegen eine Öffnung in diesem Sommer. Stahl verdeutlichte, dass Ministerpräsident Markus Söder zwar die Öffnung der Freibäder ab dem 8. Juni angekündigt hätte, die konkreten Ausführungsbestimmungen aber noch ausstehen würden. Bestimmt würde aber auch für den allgemeinen Betrieb ein Hygiene- und Sicherheitskonzept gefordert.

Die Frage der Freibad-Öffnung beschäftigt die Kommunen im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth

Langer "Vorlauf"

Bei der Umsetzung der Auflagen kalkulierte Stadtwerke-Chef Thomas Kraus mit mindestens vier Wochen. "Wir müssen uns heute entscheiden", blickt Stahl auf den Fahrplan. Am Ende stimmten 11 Räte und der Bürgermeister gegen 9 Befürworter einer Öffnung (ausführlicher Bericht folgt).

Kommentar:

Die richtige Wahl

Der Stadtrat hat es sich am Donnerstag nicht leicht gemacht. Viele Faktoren hat er bei seiner Entscheidung für die Schließung des Freibades für diese Saison berücksichtigt. Den wirtschaftlichen Druck hat sich das Gremium dabei nicht auferlegt. Im Vordergrund der Diskussion stand deutlich die Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung. In dieser außergewöhnlichen Zeit ist diese Haltung die richtige Wahl. Zumal die Risiken noch nicht aus der Welt sind. Und wem die Gesundheit ein ebenso wertvolles Gut ist, der wird die Entscheidung akzeptieren. Auf „Nummer Sicher gehen“ wird unsere Freizeitgestaltung auch nach den schlimmsten Tagen der Corona-Pandemie noch längere Zeit begleiten – und uns weiter einiges abverlangen. Es ist aber notwendig, damit sich der Schrecken nicht endlos hinzieht.

Werner Schirmer

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