16.01.2019 - 12:25 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuther als Feuerwehrmann in Saudi-Arabien

Was für Roman Schenk seit acht Jahren normaler Alltag ist, klingt für andere wie ein Abenteuer: Der 46-jährige Tirschenreuther ist Berufsfeuerwehrmann in Riad, Hauptstadt des Königreichs Saudi-Arabien.

Roman Schenk ist für den Energiekonzern „Engie“ auf Achse.
von Ulla Britta BaumerProfil

Geboren im Karlsbad (Karlovy Vary), hat es Schenk vor gut 25 Jahren ins Stiftland verschlagen. „Warum, weiß ich nicht mehr genau“, sagt er. Dann erinnert sich der gebürtige Tscheche aber trotzdem noch: „Meine Frau arbeitete im Jugendheim Waldsassen.“ Renata Schenk verzeiht ihrem Ehemann diese kleine Gedächtnislücke lachend.

Roman Schenk fand einen Job in Hardeck am Adamhof in der Gastronomie. Wenig später wurde er Verkäufer im Möbelhaus Gleißner in der Kreisstadt. Das Paar bekam zwei Kinder, einen Buben und ein Mädchen. Renata Schenk pachtete das Tirschenreuther Cafè und Restaurant „Wohnorama“.

Jobangebot kommt im Urlaub

Ihr Mann engagierte sich bei der Feuerwehr Tirschenreuth und beim Roten Kreuz im Rettungsdienst. Eine ganz normale Stiftländer Familie, sollte man meinen. Wenn da nicht dieser Urlaub in Dubai gewesen wäre. „Renata wollte eines Abends früher ins Bett. Ich blieb an der Hotelbar sitzen“, erzählt der 46-Jährige. Beim Smalltalk mit Einheimischen kam das Gespräch auf die Feuerwehr. Schenk erzählte von seinem Hobby und bekam prompt das Angebot, in Saudi-Arabien als Berufsfeuerwehrmann zu arbeiten.

Das habe zuerst eine lange Entscheidungsphase ausgelöst, so Schenk. „Da muss die Familie dahinterstehen. Sonst geht das nicht.“ Die kleinen Kinder brauchten den Vater und seine Frau sollte keinesfalls ihr Restaurant aufgeben müssen. Die Großmütter wurden eingebunden und sagten ihre Hilfe zu. Natürlich sei er nicht sicher gewesen, ob er die Anforderungen erfüllen könnte, berichtet der 46-Jährige weiter.

Karriere in Saudi-Arabien

Der gebürtige Karlsbader Roman Schenk (Vierter von links) ist Chef einer Feuerwehrwache beim weltweit tätigen Energiekonzern „Engie“.

Auf seine offizielle Bewerbung kam eine Zusage: Roman Schenk hatte einen neuen Arbeitsplatz in Riad in Saudi-Arabien. Die Familie blieb in Tirschenreuth. Die ersten eineinhalb Jahre wurde er als normaler Berufsfeuerwehrmann eingesetzt. Danach übernahm er die Leitung der Feuerwehrwache beim weltweit tätigen Energiekonzern „Engie“, dessen Mutterkonzern in Paris ist und der unter anderem auch in der Nähe von Schwandorf ein Kraftwerk betreibt.

Seither arbeitet Schenk unter der gleißenden arabischen Sonne mitten in der Wüste bei 55 Grad im Sommer. „Man versucht, die Hitze zu vermeiden“, gesteht er, dass er sich an solche Temperaturen nie gewöhnen werde. Im Winter sei es erträglicher, „mit nur bis 30 Grad“. Als Chef von 25 Mitarbeitern, die aus aller Welt kommen, ist Schenks Arbeitsplatz international angesiedelt. Der gebürtige Tscheche ist Chef einer Truppe von Feuerwehrmännern, die aus Saudi-Arabien, Indien, Pakistan, den Philippinen und Südafrika stammen.

420 Einsätze in 8 Jahren

Aufmerksam schaut Roman Schenk (rechts) zu, ob bei der Übung alles richtig gemacht wird.

Mit der Zeit hat sich Schenks Arbeitsumfeld enorm erweitert. Er wurde zum Leiter der dortigen Rettungswache, bildet seine Leute selbst aus und kümmert sich um die Materialbeschaffung. Zudem muss er regelmäßig mit seinen Männern Übungen durchführen und ihm untersteht der Fuhrpark. Außerdem überwacht der 46-Jährige mit seinem Team Arbeiten an einem Kraftwerk und leistet technische Unterstützung mit Spezialwerkzeugen.

Längst geht sein Job weit über die „normale“ Tätigkeit eines Feuerwehrmannes hinaus. Das ist nicht ungefährlich. In den 8 Jahren seiner Tätigkeit habe es 420 Einsätze gegeben, davon 3 Großbrände. „Einmal hat ein Öllager Feuer gefangen,“ erzählt Schenk von seiner ungewöhnlichen Arbeit, die seiner Frau stets Sorgen macht. Sie würde sich gerne den Arbeitsplatz ihres Mannes anschauen, kann ihn in Saudi-Arabien aber nicht besuchen. Die laut Renata Schenk fremdartige Kultur den Frauen gegenüber lasse das nicht zu, begründet dies das Ehepaar.

Hausaufgabenhilfe per Skype

Wenn Roman Schenk auf Heimaturlaub ist, hilft er seiner Frau Renate im Café und Restaurant "Wohnorama". Und er unternimmt viel mit seinen beiden Kindern.

Aber es gibt zum Glück moderne Kommunikationsmittel. „Gott sei Dank“, so Schenk, der täglich daheim anruft. „Ich habe über Skype sogar schon mit den Kindern Hausaufgaben gemacht“, berichtet er vom etwas anderen Alltag, der aber bestens funktioniere. Seine Kinder (18 und 17) sind aus dem „Gröbsten“ heraus und hätten sich an die Abwesenheit des Vaters gewöhnt. „Im Grunde ist das nicht schlechter“, meint Schenk zur Fern-Ehe. Alle drei Monate dürfe er heim und widme sich drei Wochen lang ausschließlich der Familie. „Das habe ich vorher nicht so intensiv getan.“ Zum Ausgleich gönnen sich die Schenks ab und zu eine Auszeit mit einer Reise. Beispielsweise schaute der 46-Jährige mit seiner Renata zu Weihnachten ein paar Tage nach London.

Und was macht ein Feuerwehrmann in Riad am Feierabend? „Manchmal fahre ich mit dem Jeep in die Wüste, mache ein Feuer und setze mich daneben“, erzählt Schenk von einer Freizeitbeschäftigung, die ebenso abenteuerlich klingt wie sein Job. Zudem habe er zum Zeitvertreib Golf spielen gelernt.

„Aber ich vermisse halt unser kühles, bayerisches Bier.“

Von den Saudis sagt er, dass er diese als Kollegen schätze und viele Klischees über die Araber einfach nicht wahr seien. „Saudi-Arabien ist ein junges Land, in vielen Dingen modern und offen wie wir.“ Noch zehn Jahre möchte Schenk bleiben. Dann könne er sich einen Wechsel im Konzern vorstellen. Nicht Deutschland. Nein, das schwebe ihm nicht vor. Aber näher an der Heimat und bei der Familie.

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er auf die Frage, was ihn an seinem Job reize. Und was vermisst man in der Wüste? Da muss der Auswanderer aus Berufsgründen nicht überlegen. Er nennt zuerst die Familie und meint dann, das absolute Alkoholverbot bei den Saudis habe gewiss auch seine Vorteile. „Aber ich vermisse halt unser kühles, bayerisches Bier.“

Roman Schenk (hinten, links) und seine Truppe stellen sich vor dem Feuerwehrauto zum Gruppenfoto auf.
Roman Schenk (links) schult regelmäßig seine Truppe.
Um auf die Einsätze vorbereitet zu sein, wird viel geübt.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.