02.09.2018 - 11:48 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuther Rathausschatz heimgekehrt

Norbert Schuller (l.) und Mirko Streich (r.) konnten sich nicht nur über einen seltenen Hausaltar freuen. Elisabeth Vasold (2.v.l.) und Dr. Manfred Vasold (2.v.r.) schenkten der Stadt auch eine bibliophile Kostbarkeit: ein Exemplar das in den 1930-er Jahren in der Tirschenreuther Druckerei Kohl hergestellten Buches „Geschichte der Stadt Tirschenreuth“ des Autoren Johann Brunner.
von Externer BeitragProfil

Viele Jahrzehnte war der Hausaltar im Besitz der Familie des leitenden Stadt-Beamten Georg Heldmann. Gemeinsam mit ihrem Mann übergab Enkelin Elisabeth Vasold das Kleinod nun an Dritten Bürgermeister Norbert Schuller.

Rückblende: Vor 14 Tagen klingelte bei Pressereferent Mirko Streich das Telefon. Am anderen Ende meldete sich Elisabeth Vasold. Sie erzählte von einem alten Tirschenreuther Hausaltar, der sich bereits seit Generationen im Besitz ihrer Familie befinde. Der Altar habe einst ihrem Großvater Georg Heldmann gehört, der ab 1908 nicht nur über 50 Jahre im Rathaus tätig war - davon viele Jahre im gehobenen Dienst -, sondern seine Wohnräume auch in der ersten Etage des Rathauses hatte. Und in einem dieser Zimmer stand viele Jahre der Hausaltar der Familie - den sie nun gerne der Stadt Tirschenreuth schenken möchte.

Das Telefonat elektrisierte nicht nur Mirko Streich, sondern auch Stadtarchivarin Beate Heinrich. Sie organisierten ein Treffen mit Elisabeth Vasold und ihrem Mann, dem Historiker Dr. Manfred Vasold. Und schon wenige Tage später trafen beide im Rathaus ein. Was Dritter Bürgermeister Norbert Schuller, Mirko Streich und Beate Heinrich dann sahen, übertraf alle Erwartungen. Vor ihnen stand ein seltener und darüber hinaus sehr gut erhaltener, detailreich gestalteter Hausaltar mit einem Bildnis, das die beiden Rathausmitarbeiter sehr gut kannten. Es handelte sich dabei um das Wallfahrt-Motiv "Unsere liebe Frau von Tirschenreuth".

"Ein wahrer Schatz ist nun heimgekehrt. Im Namen der Stadt und des Ersten Bürgermeisters Franz Stahl, den ich während seiner Urlaubsabwesenheit vertrete, möchte ich Ihnen sehr herzlich für dieses Geschenk danken", so Norbert Schuller. Er zeigte dem Ehepaar Vasold auch die ehemaligen Wohnräume von Georg Heldmann, in denen dieser mit seiner Frau und neun Kindern lange lebte.

Viele Details und Geschichten aus dem Tirschenreuther Rathaus kannte Elisabeth Vasold, selbst im oberpfälzischen Auerbach aufgewachsen, noch aus den Erzählungen ihrer Mutter Kreszenzia "Zenzi", der 1903 in Tirschenreuth geborenen jüngsten Tochter von Georg Heldmann. So habe ihr diese berichtet, dass die Feuerwehr im Rathaus die Löschschläuche gelagert habe. Die Mutter und ihre acht Geschwister hätten immer mithelfen müssen, diese aufzurollen. Auch erinnerte sie sich an eine geheimnisvolle Truhe, die nur im Kriegsfall geöffnet werden durfte. Leider habe ihr Vater dies zwei Mal tun müssen - zu Beginn des Ersten und des Zweiten Weltkriegs. In der Truhe befanden sich nach Angaben von Elisabeth Vasold eine Uniform, Anweisungen und Vorschriften.

Elisabeth und Manfred Vasold bekamen als Geschenk eine Kopie der ersten Stadtratssitzung-Mitschrift nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Laut Protokoll fand diese in der Rathaus-Wohnung von Georg Heldmann statt. Sichtlich gerührt nahmen sie die Kopie entgegen.

Der Tirschenreuther Kirchenmaler und Kunstrestaurator Mathias Krämer hat den Altar begutachtet. Er schätzt, dass der Schrein samt Bildnis um etwa 1750 entstanden ist, vielleicht sogar noch früher. Der alte Familienaltar soll nun bald auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Geplant ist, ihn in einer des nächsten Ausstellungen des Museumsquartiers zu zeigen. Dazu wird die Stadt das Ehepaar Vasold als Ehrengäste einladen.

Rathhausschatz

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