25.05.2021 - 08:43 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Touristen-Ansturm im Landkreis Tirschenreuth

Endlich wieder Urlaub: Am Freitag, 21. Mai, hat die Reisewelle in Richtung Stiftland und Steinwald begonnen. Viele Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze und Ferienhöfe waren sofort ausgebucht.

Markus und Simone Krohe mit Sohn Leopold sind happy, endlich wieder Urlaub auf dem Gowerlhof in Rothenbürg machen zu dürfen. Die Münchener Familie hat eine der geräumigen Hütten gebucht und verbringt die gesamten Pfingstferien hier.
von Ulla Britta BaumerProfil

Die sinkende Inzidenz macht es möglich: Nach der monatelangen Zwangspause wegen Corona dürfen seit 21. Mai im Landkreis Tirschenreuth wieder Touristen übernachten. Diese Lockerung hat sofort zu einem Ansturm von Anfragen und Anreisen geführt.

"Ausgebucht!" Harald Waidhas, Betreiber von Kur- und Wellnesscamping am Sibyllenbad in Bad Neualbenreuth, hat ein breites Lächeln im Gesicht. "Ich hätte den Platz viermal vollgekriegt." Noch vor einer Woche sah alles völlig anders aus. Der Campingplatz war leer gefegt, kein Kinderlachen, kein Grillgeruch, kein emsiges Treiben zwischen Wohnmobilen und Zelten. Dann kam die Meldung: Urlaub erlaubt.

Ein wenig kurzfristig sei das gewesen mit nur zwei Tagen Vorlaufzeit, sagt Waidhas. An der Rezeption in Platzermühle stehen am Freitag die Feriengäste an. Draußen parken drei Wohnmobile, die reinwollen, das Telefon steht nicht mehr still. "Wir treffen uns seit einigen Jahren hier mit unseren Freunden aus Ingolstadt. Da hat jeder die Hälfte Anfahrzeit", erzählt Oliver Spehr, der sich gerade mit seiner Frau an der Rezeption anmeldet.

Sieben magere Monate

Alfons Schnurrer, Vorsitzender des Tourismusvereins Bad Neualbenreuth, schaut kurz vorbei, ob alles gut läuft. Zwar sei auf seinem Bauernhof noch nicht der große Boom losgebrochen. Aber auch bei ihm seien die ersten Gäste wieder da, sagt Schnurrer. Er habe die Zeit für Renovierungsarbeiten genutzt, berichtet er von den sieben mageren Monaten, die sehr schwer gewesen seien. Seufzend berichten Waidhas und Schnurrer von Bergen an Auflagen und Verordnungen, die seit der Ankündigung der Öffnung per E-Mail im Stundentakt angerollt seien.

"Ich hätte den Platz viermal vollgekriegt."

Campingplatz-Betreiber Harald Waidhas

"Wir waren vorbereitet, natürlich. Aber dann musste alles schnell gehen. Das war ganz schön Stress", so Schnurrer. Unter anderem sind die Bettenanbieter nun dafür verantwortlich, dass Gäste alle 48 Stunden einen Coronatest abliefern. Schnurrer ist froh, wenn in dieser Woche in Bad Neualbenreuth eine Teststation eröffnet wird. "Wir dürfen die Ergebnisse kontrollieren. Selbsttests müssen in unserem Beisein durchgeführt werden." Aber für alle sei ein offizielles Testzentrum einfacher.

Im Landschloss Ernestgrün öffnet eine strahlende Geschäftsführerin das Eingangsportal. "Die ersten Gäste sind angekommen", verkündet Veronika Beckmann. Leider habe das schlechte Wetter viele Urlauber dann doch wieder abgehalten. Auch sie kann ein Lied singen von der Flut der Auflagen, die erst durchgearbeitet werden mussten. Draußen auf der Terrasse begrüßt Beckmann herzlich Norbert und Bianca Sindzinski. Das Ehepaar aus Görlitz, 57 und 44 Jahre alt, feiert 17. Hochzeitstag.

"Wir fahren immer über Pfingsten weg", erzählt Norbert Sindzinski. In Bad Neualbenreuth seien sie gelandet, weil das zuerst gebuchte Hotel in Weiden seine Gastronomie nicht geöffnet habe. "Das wussten wir vorher nicht. Dann haben wir heute noch kurzfristig umgebucht." Die Görlitzer haben sich viel vorgenommen, trotz des zunächst wenig einladenden Wetters. Besichtigungen und Wandern stehen auf dem Kurzurlauber-Programm. Auf Ausflügler für die Außengastronomie hofft auch Veronika Beckmann. "Für die Gäste ist die Küche sowieso offen. Dann können zusätzliche Leute zum Essen auch kommen", sagt sie.

Kein Bett mehr frei

Als wäre es nie anders gewesen, herrscht am Samstag in Rothenbürg bei Tirschenreuth auf den Ferienhöfen reger Tourismus. Der Gowerlhof der Familie Zeitler hat kein Bett mehr frei. Christian und Franziska Zeitler, die den Ferienhof in dritter Generation führen, jubeln über Vollbelegung. Ein Großteil ihrer Gäste habe bereits im Herbst 2020 gebucht, sagt Franziska Zeitler.

In diesen Tagen angereist sind Urlauber aus ganz Deutschland, darunter die Familien Witte aus Karlsruhe und Krohe aus München. Karsten Witte ist Angler und Stammgast auf dem Gowerlhof. Mitgekommen sind seine Frau und die Schwiegermutter. Gleich nach der Ankunft hat Witte, inzwischen Mitglied im Fischereiverein Tirschenreuth, nach den Fischen im Liebensteiner Stausee geschaut. "Wir buchen immer zwei Jahre im Voraus", lacht der Urlauber auf die Frage, wie er es geschafft hat, bei derart viel Buchungsandrang eine Zusage bekommen zu haben. Er sei auch im Lockdownjahr 2020 dreimal hier gewesen, fügt er an. "Zuerst im Juni, als wir wieder durften. Dann sind wir im Sommer und im Herbst noch einmal gekommen. Gleich danach war wieder Schluss für sieben Monate."

Von dieser düsteren Zeit ohne Urlauber können die Zeitlers ein Lied singen. "Es war so still hier. Gott sei Dank ist das vorbei", sagt Franziska Zeitler. Die erforderlichen Auflagen müsse man halt hinnehmen: Hauptsache, endlich wieder offen. Markus, Simone und der elfjährige Leopold Krohe sind aus München angereist und haben eine der Ferienhütten belegt. Wie Witte ist Markus Krohe Angler und mit der Familie zum vierten Mal hier. Beide Familien bleiben gleich 14 Tage.

Wandern mit dem Pferd

Auf dem Ferienhof Schabner, ebenfalls in Rothenbürg, ist gerade eine Wanderreitergruppe vom Ausflug zurückgekommen. Gabi Griesinger aus Bayreuth reibt ihr Pferd ab. "Morgen geht es weiter nach Floß. Da übernachten wir dann, reiten aber später zurück", erzählt sie. Auch die Bayreutherin kommt bei ihren Reitwandertouren öfter in Rothenbürg vorbei und freut sich auf "endlich wieder Urlaub" in ihrer Ferienidylle.

Viele Fragen beschäftigen Vermieter und Gäste bei der Wiedereröffnung

Falkenberg

 

 

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