Tirschenreuth
26.04.2024 - 11:51 Uhr
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Träume werden wahr: Zauberhafte Märcheninszenierung im Kettelerhaus Tirschenreuth

Zehn Jugendliche und ein Erwachsener aus dem Jugendtheater des Modernen Theaters Tirschenreuth zeigten bei dem auf der Bühne umgesetzten DDR-Hörspiel „Der Traumzauberbaum“ semiprofessionelles Schauspiel. Das rührte auch zu Tränen.

Wenn ein Theaterstück besonders die Gemüter berührt, rollen gern auch unter dem Publikum ein paar Tränen. Bei der Inszenierung des "Traumzauberbaumes" lag es an genau diesem Zauber, den nicht der Baum allein, obwohl zauberhaft dargestellt, auslöste. Auch Autorin Monika Ehrhardt Lakomy wischte heimlich in den Augen, wenn sie auch Tränen im Nachhinein lächelnd verneinte. Was sie sich auch immer aus dem Auge gewischt hat - die Rührung über diese Inszenierung auf der Bühne des Kettelerhauses kann die 77-jährige Berlinerin nicht verleugnen.

Monika Ehrhardt Lakomy reiste extra aus Berlin an, um das Jugendtheater des Modernen Theaters Tirschenreuth (MTT) bei der Bühnenfassung ihres Hörspiels mitzuerleben. "Es ist das erste Mal, dass ich das Stück für eine öffentliche Bühne freigegeben habe", erklärt sie. Geschrieben hat die Berliner Tänzerin und Künstlerin den "Traumzauberbaum" im Alter von 30 Jahren mithilfe ihres Mannes, eines bekannten DDR-Musikers. Das Stück hat es weit gebracht: Seit der Wende wird es an unzähligen Schultheatern aufgeführt und hat es sogar in einer Übersetzung bis nach Spanien geschafft.

Kindheitserinnerung

Daran erinnerte sich auch Janka Hannemann-Mathes, die mit Christina Trenner das Jugendtheater gegründet hat. Janka Hannemann-Mathes stammt aus Dresden und "Der Traumzauberbaum" gehört zu ihren liebsten Kindheitserinnerungen. Sie schlug das Hörspiel im Herbst 2023 für eine Inszenierung vor und das Jugendtheater war begeistert. Nach einer ersten, kleineren Theaterdarbietung der Jugend des MTT im Atelier von Künstlerin Desislava Dimitrova 2023 machten die jungen Leute mit ihren Jugendtheaterleiterinnen diesmal richtig großes Theater - und wie. Beinahe darf behauptet werden, der "Traumzauberbaum" steht der Inszenierung der großen Tirschenreuther Passion in nichts nach. Zwar ist das Ensemble mit nur elf Darstellerinnen und Darstellern wesentlich kleiner. Aber wer die Mitwirkenden hinter den Kulissen mitzählt, kommt rasch auf gut 100.

Es fehlt an diesem Premierenabend an nichts, was eine große Bühne ausmacht, begonnen vom elfköpfigen Ensemble, das sich äußerst selbstsicher, geradezu semiprofessionell auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bewegt bis zur selbst gebauten zauberhaften Märchenbühne und der ins kleinste Detail ausgeklügelten Licht- und Tontechnik. Die gut 500 Zuschauer erlebten ein Theaterspektakel vom Feinsten.

Action reiht sich an Action: Im Saal des Kettelerhauses donnert und blitzt es, der Nebel verschleiert erdige Waldgestalten und am Ende schwebt ein goldenes Blatt des Traumzauberbaumes über die Köpfe der Zuschauer hinweg.

Gesprochene Liedtexte

Die Autorin aus Berlin ist äußerst angetan von der Art der Inszenierung.: "Der Traumzauberbaum" ist ein Kindermusical oder Hörspiel mit vielen Liedern. Da die zehn Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 13 Jahren nicht durchwegs singen können, entschied sich die Regie im Vorfeld dafür, die Liedtexte zu sprechen. "Das klingt wie Poesie, meine Lieder werden hier als Gedichte vorgetragen", schwärmt die Urheberin davon, eine solche Darstellung ihres Werks noch nie erlebt zu haben.

Im "Traumzauberbaum" dreht sich alles um die Waldgeister Moosmutzel (Magdalena Rubner) und Waldwuffel (Maximilian Kraus) sowie den sprechenden Baum. Die Geister lernen in 22 Szenen, dass es eine Logik und Ordnung in der Welt gibt, und dass jeder von Menschen ausgesprochene Wunsch, der sich erfüllt, Auswirkungen hat. Eindrucksvoll nimmt der bunte "Traumzauberbaum" den größten Platz auf der Bühne ein. Er hat eine Stimme: Stefan Reiter als der einzige erwachsene Darsteller spielt den Traumzauberbaum, als sei er tatsächlich verzaubert.

Was Bühnenbild, Licht- und Tontechnik und Kostüm angeht, kann die Ver- und Bewunderung für das Geleistete nicht groß genug sein. Nichts haben die Akteure und Akteurinnen hinter der Bühne dem Zufall überlassen, ausgesprochen harmonisch geht das Schauspiel in Symbiose mit Requisite, Bühnenbild und Kostüm einher. In diesem Theaterstück stecken Hunderte von ehrenamtlichen Arbeitsstunden.

Liebenswert und individuell

Einen oder eine einzelne der zehn jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspieler extra zu loben, wäre ungerecht. In den 22 kleinen Szenen leistet jeder seinen Part auf seine Spielweise, was dem Gesamtwerk einen liebenswert-individuellen Aspekt verleiht. Die netten lauten, närrischen oder bösen Waldgeister um den Traumzauberbaum schaffen es, ihr Publikum eine Stunde lang in ihren Bann zu ziehen. Die zwischen den Zeilen liegenden Botschaften an das zwischenmenschliche Leben für und mit der Natur und der Mutter Erde können nicht überhört werden.

Einziger Wermutstropfen: "Der Traumzauberbaum" wird leider nur noch einmal am Samstag, 4. Mai, um 17 Uhr öffentlich auf der Kettelerhaus-Bühne aufgeführt. Die gute Nachricht: Es gibt am Donnerstag und Freitag, 2. und 3. Mai, Aufführungen für Schulklassen. Noch keine verbindliche Nachricht gibt es über den weiteren Verbleib des Traumzauberbaums. Wo er nach den Aufführungen, sobald er seine Schuldigkeit getan hat, seinen Altersruhesitz bekommt, wird im Verein noch besprochen. Am Ende steht ein sichtlich erleichtertes junges Ensemble auf der Bühne und lässt sich von einem sichtlich dankbaren Publikum mit stehenden Ovationen feiern.

Hintergrund:

"Der Traumzauberbaum": Inszenierung des MTT

  • Darsteller und Darstellerinnen: Alexandra Markowski, Amelie Wernick, Magdalena Rubner, Lilly Birkner, Paulina Wild, David Schmidt, Ferdinand Vogl, Maximilian Kraus, Nico Fenzl, Vinzenz Heyd und Stefan Reiter
  • Jugendtheater Tirschenreuth: zehn Jugendliche im Alter von 10 bis 13 Jahren; jedes Jahr wird eine große Aufführung geprobt und aufgeführt; Proben und Vorbereitungen für den "Traumzauberbaum" begannen im Oktober 2023
  • Regie und Jugendtheaterleitung: Janka Hannemann-Mathes und Christina Trenner
  • Aufführung: Samstag, 4. Mai, um 17 Uhr auf der Kettelerhaus-Bühne, Eintritt ist frei, das Jugendtheater freut sich über Spenden
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