27.09.2019 - 10:27 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tritte gegen den Nebenbuhler

Dass er von der Ehefrau betrogen wurde, hat einen 45-jährigen Handwerker in Verzweiflung gestürzt. Er ließ sich zu Beschimpfungen des Nebenbuhlers hinreißen. Grobe Handgreiflichkeiten bestreitet er, doch eine Zeugenaussage belastet ihn.

Symbolbild.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Vor einer Firma im westlichen Landkreis spielte sich das Geschehen ab, das den 45-Jährigen und einen gleichaltrigen Freund auf die Anklagebank des Amtsgerichts Tirschenreuth brachte. Im März kam es eines späten Abends zum "Showdown": Die beiden aus Tschechien stammenden Männer holten ihre Ehefrauen von der Arbeit ab und trafen auf den Kollegen, mit dem eine der beiden ein Verhältnis hatte. Den am Boden Liegenden sollen sie gemeinsam gegen Kopf und Oberkörper getreten haben, was die Anklageschrift als gefährliche Körperverletzung wertete. Außerdem soll der gehörnte Ehemann seiner Gattin ins Gesicht geschlagen haben.

"Ich stand unter Schock und war sehr aufgeregt", übersetzte die Dolmetscherin die Aussage des Angeklagten, der zumindest die verbalen Ausraster zugab. Vom außerehelichen Verhältnis habe er am selben Tag erfahren. Eine SMS auf Tschechisch an den Nebenbuhler räumte er ein. "Verdammter deutscher Schimpanse", lautete die Nachricht, die der Empfänger selbst übersetzen musste. Außerdem bekam der Geschädigte ein Foto geschickt, das seine Affäre mit deren Enkeln beim Christbaum sitzend zeigte: "Um zu beweisen, wie glücklich meine Familie ist und damit er begreift, was er getan hat."

Nur geschubst habe der Angeklagte den Mann, der darauf zu Boden fiel. Fußtritte bestritt der 45-Jährige ebenso wie Tätlichkeiten gegenüber seiner Frau: "Ich habe sie noch nie geschlagen." Der zweite Angeklagte, der den Freund begleitete, bestätigte diesen Ablauf. Er habe die beiden Kontrahenten nur auseinanderbringen wollen und sei selbst nicht tätlich geworden: "Es war nicht meine Frau und nicht meine Sache."

Wesentlich massiver ging es nach Darstellung des Geschädigten zu. Nachdem sein Auto einen platten Reifen hatte, ließ er sich von einem Bekannten nach Hause fahren, um ein Ersatzhandy für seine Freundin zu holen. Das alte Gerät habe deren Ehemann zerstört, ließ der 46-Jährige das Gericht wissen. Nach dem Aussteigen aus dem Auto sei er angesprochen worden: "Ich hab mich umgedreht und bin schon dagelegen." Dann sei er getreten worden - von wem, wisse er nicht, weil er seinen Kopf geschützt habe. Später sei ihm schwindlig geworden und der Arzt habe eine Schädelprellung festgestellt. Am nächsten Tag ging er jedoch wieder zur Arbeit.

Der Bekannte des Geschädigten bestätigte das Gerangel, Beschimpfungen wie "Dreckschwein" und dass beide Angeklagte auf den Mann eintraten. "Dann ist der eine zu seiner Frau und hat ihr eine gelangt", war er sich sicher. Doch die Ehefrau bestritt das vor Gericht vehement. Ihr Mann habe zwar gebrüllt und sie gegen die Hauswand geschubst, aber nicht geschlagen. Auch Fußtritte will sie nicht gesehen haben. Die Frau des zweiten Angeklagten, die ebenfalls unmittelbar dabei stand, machte von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch.

Die Polizei war fast zeitgleich am Ort des Geschehens. Rein zufällig hielt sich eine Streife in der Gegend auf und wurde vom Zeugen, der den Geschädigten gefahren hatte, zum Tatort gelotst. Ein Mann lag am Boden, die beiden Angeklagten beschimpften ihn und wirkten aggressiv, wie ein Beamter dem Gericht schilderte.

Zu einem Urteil kam es noch nicht. Weitere Zeugen, die bei einer polizeilichen Vernehmung in Wunsiedel dabei waren, werden geladen, um zu klären, ob der Hauptangeklagte die Tritte zugegeben hat oder nur jemand falsch übersetzt hat.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.