Tirschenreuth
21.04.2023 - 10:43 Uhr
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Über 40 Jahre mit Millionen jongliert: Stadtkämmerer August Trißl geht in Rente

In über 40 Jahren in der Stadtverwaltung hat August Trißl viel erlebt. Nun geht der Stadtkämmerer in den Ruhestand. Er spricht über die wichtigsten Projekte in den vergangenen Jahrzehnten und die finanzielle Situation der Stadt.

Nach 44 Dienstjahren in der Kämmerei der Stadt Tirschenreuth, davon 24 Jahre als Stadtkämmerer, verabschiedet sich August Trißl in den Ruhestand. Während dieser Zeit begleitete er viele Millionenprojekte in der Stadt, eines der letzten ist unter anderem der Umbau des Brauereiturms zum DAV-Kletterzentrum. Bild: szl
Nach 44 Dienstjahren in der Kämmerei der Stadt Tirschenreuth, davon 24 Jahre als Stadtkämmerer, verabschiedet sich August Trißl in den Ruhestand. Während dieser Zeit begleitete er viele Millionenprojekte in der Stadt, eines der letzten ist unter anderem der Umbau des Brauereiturms zum DAV-Kletterzentrum.

Seit Jahren vermeldet die Kreisstadt jährlich einen neuen Rekordhaushalt. Stadtkämmerer August Trißl kennt die Zahlen ganz genau. "Bis jetzt hab' ich 25 Haushalte erarbeitet", sagt der 64-Jährige. Ende April geht er in den Ruhestand und blickt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien auf seine Karriere zurück.

Als der Tirschenreuther 1997 in der Finanzverwaltung anfing, hatte die Stadt ein Haushaltsvolumen von umgerechnet 17,1 Millionen Euro. 2015 lag der Etat schon bei 31,2 Millionen Euro und steigerte sich weiter bis auf knapp 47,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr. "Die Beträge sind brutal nach oben gegangen." Das sei vor allem den Investitionen geschuldet. Denn: "Die Baumaßnahmen sind exorbitant mehr geworden", sagt Trißl. Wie sich das Stadtbild in den über 40 Jahren, in denen Trißl in der Stadtverwaltung arbeitete, entwickeln würde, das hätte er sich unmöglich vorstellen können.

Schlüsselprojekt Marktplatz

Auch die Arbeit in der Stadtverwaltung selbst veränderte sich seit den 1980er Jahren enorm. Das Klappern der Schreibmaschinen oder das Rattern der Rechenmaschine ist heutzutage nicht mehr in der Kämmerei zu hören. Mitte der 1990er Jahre kam das Internet. "Das war ein Riesenumbruch, vom Papier ins Digitale", blickt der 64-Jährige zurück, der eigentlich Fan von Papier ist.

Als bedeutsamste Weichenstellung in seiner Amtszeit nennt er die Industrieerschließung Wagnerholz 2001 und die Marktplatzsanierung 2007. Besonders Hamm sei hinsichtlich der Gewerbesteuer wichtig. "Und der Marktplatz war ein absolutes Schlüsselprojekt. Ohne die Sanierung hätte es die Gartenschau nie gegeben", ist er sich sicher. Dieses Projekt lag ihm als Stadtkämmerer besonders am Herzen. Insgesamt kostete das Vorhaben 16,3 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte - 8,4 Millionen Euro - finanzierte die Stadt.

Trißl erinnert sich, dass bei den ersten Großprojekten noch viel Überzeugungsarbeit nötig war - sowohl bei Stadtratsmitgliedern als auch in der Bevölkerung. "Ihr machts die Stadt bankrott, so viele Millionen! Wer soll das bezahlen?", wurde Trißl nach Gottesdiensten angesprochen. "Sicherlich ging das nur mit Darlehen. Aber wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir investieren", lautet die Devise des Stadtkämmerers.

Viele Projekte in der Pipeline

Trotz enormer Investitionen konnte gleichzeitig der Schuldenstand von knapp 19 Millionen Euro in 2012 auf zuletzt 5,3 Millionen Euro gesenkt werden. Wie geht das? "Haufenweise staatliche Hilfe", verweist Trißl auf die Stabilisierungshilfen. Erstmals erhielt die Stadt die Zuzahlung im Jahr 2013. In neun Jahren bis 2022 erhielt die Kreisstadt über 16 Millionen Euro. Eine Zahl, die dem Kämmerer besonders im Gedächtnis geblieben ist. Er gesteht, dass ihm angesichts der Millionen und der Anzahl der Projekte schon mal schwindelig wurde. Bauhof, Waldnaabpark, Luitpold-Theater, DAV-Kletterzentrum, Rathaus II. "Wir haben so viele Vorhaben in der Pipeline, dass man sich manchmal schon fragt: Wie ziehen wir das alles durch?" Sei vor Jahrzehnten noch Überzeugungsarbeit gefragt gewesen, müsse man heute manchmal eher bremsen. Andererseits: "Wir haben einen Bürgermeister, der Gas gibt, und einen Stadtrat, der mitzieht. Nicht zu vergessen eine Verwaltung, die das bewerkstelligen kann."

Vom Grenzschutz in die Kämmerei

Dass er in der Kämmerei landete, ist nicht verwunderlich. Zahlen haben ihm schon immer zugesagt. Trotzdem wählte er auf der Internatsschule in Amberg, dem Erasmus-Gymnasium, zunächst den sprachlichen Zweig. "Das war ein Fehler. Das Mathematische ist mir damals schon leichter gefallen." Das Abitur machte er nicht, nach der elften Klasse ging er vom Gymnasium ab. Im September 1978 startete er seine berufliche Laufbahn beim Bundesgrenzschutz. Als Polizeihauptwachtmeister war er auch überregional im Einsatz, in Stuttgart und Gorleben. Trißl wechselte 1981 als Assistenten-Anwärter in die Stadtverwaltung. "Ich war damals schon verheiratet, wollte heimatnaher arbeiten", begründet er diesen Schritt, der nicht ohne Seitenhiebe blieb. "Vom Bundesgrenzschutz als 'Schreibtischlocher' ins Büro, Angelscheine abstempeln", sagt er und lacht. Aber das Verwaltungsrechtliche interessierte ihn. Besonders der Ausbildungsschwerpunkt in der Kämmerei machte ihm Spaß. "Der Job als Stadtkämmerer hat mich damals schon gereizt." Im September 1997 erhielt er den Stellvertreter-Posten, seit 1999 war er Stadtkämmerer und war Chef der Finanzen. "Das hört der Bürgermeister zwar nicht gern, aber die Kämmerei ist das Herzstück der Verwaltung", sagt Trißl schmunzelnd. Denn: "Es geht immer ums Geld."

Finanzielle Herausforderungen

Besonders in den nächsten Jahren. Da kommen auf die Stadt mit der Freibadsanierung (12,5 Millionen Euro) und der Erweiterung der Mittelschule (33 Millionen Euro) Projekte mit hohem Finanzbedarf zu. Hier sieht Trißl die Herausforderungen für die nächsten Jahre. "Da kann ich mir nicht vorstellen, dass es ohne Neuverschuldung funktioniert."

Auch angesichts der Krisen, die die vergangenen Jahre prägten, ist Trißl froh, in den Ruhestand zu gehen. Er betont, dass er seinen Posten aber an einen kompetenten Nachfolger weitergibt. Seit Anfang des Jahres baut der 64-Jährige Urlaub ab und bekommt schon einen Vorgeschmack auf das Rentner-Dasein. Was er vermisst, ist die Teamarbeit. Was ihm nicht fehlen wird, ist die Schnelligkeit in seinem Job. "Jeder Tag war anders, man hat nie genau gewusst, was einen erwartet, wer anruft oder was sich spontan ergibt." Andererseits wäre eine monotone Tätigkeit auch nichts für ihn gewesen, sagt Trißl.

Auf ihn warten jetzt Arbeiten rund um Haus und Garten. "Beschäftigungen hab ich genügend", spricht er auch sein Ehrenamt als Kirchenpfleger an. Damit er früher die Zahlen, die ihm im Kopf herumschwirrten, loswurde, ging Trißl gerne Rad fahren oder wandern in den Bergen. Das wird er auch im Ruhestand noch machen.

Hintergrund:

Zur Person

  • Geboren: 17. März 1959, aufgewachsen in Pilmersreuth an der Straße
  • Schule: Erasmus-Gymnasium in Amberg, Internat
  • Ausbildung: Polizeihauptwachtmeister beim Bundesgrenzschutz
  • Beruf: Betriebswirt
  • Privat: verheiratet, zwei Söhne
  • Wohnort: Tirschenreuth
  • Engagement: Kirchenpfleger, DAV-Sektion Karlsbad, Rechnungsprüfer der CSU
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