08.07.2020 - 16:43 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Videobotschaften und Dönergutscheine

So feierlich wie möglich, so sicher wie nötig: Die Abschlussfeiern der Schulen im Landkreis Tirschenreuth müssen coronabedingt anders verlaufen als sonst. Doch die Rektoren sagen: "Unsere Schüler haben einen würdigen Abschluss verdient."

Kunstlehrerin Alena-Sarah Kneidl (rechts) hat für die Abschlussschüler ein besonderes Geschenk: Alle 18 Entlassschüler der Mittelschule Waldsassen bekommen zu ihrem Abschlusszeugnis dieses Kunstwerk, handgezeichnet von Kneidl. Sie wollen den Schülern etwas Besonderes mitgeben, sagt Rektorin Claudia Strobel-Dietrich (links)
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Mundschutz, Desinfektionsmittel, Abstand halten und teilweise keine Eltern, die Beifall klatschen: Die Abschlussfeiern der Schulen werden in diesem Jahr wegen der Corona-Einschränkungen deutlich anders verlaufen als in den Jahren davor. Bis Anfang dieser Woche waren maximal 50 Personen in einem Raum erlaubt. Am Dienstag wurde die Zahl in Innenräumen auf 100 Personen erhöht, viele Schulen haben aber ihre Einladungen bereits verschickt.

Ein Kunstwerk für jeden Schüler

So turbulent, wie dieses Schuljahr zeitweise verlaufen ist, so endet es auch vielerorts. Abgesagt hat die Feier keine weiterführende Schulen im Landkreis. "Die Schulzeit prägt und begleitet einen immer, manche hatten es nicht so leicht. Wir wollen den Schülern trotz der aktuellen Lage etwas Gutes tun", sagt Claudia Strobel-Dietrich, Rektorin der Mittelschule Waldsassen. 18 Schüler werden dort am Donnerstag, 23. Juli, ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Da die Schülerzahl recht klein ist, dürfen auch die Eltern anwesend sein, sagt die Rektorin. Die Lehrer werden in einem abgetrennten Bereich sitzen, und die Gästezahl wird deutlich kleiner ausfallen als sonst: Nur Bürgermeister Bernd Sommer und die beiden Stadtpfarrer Stefanie Schön und Thomas Vogl wurden zusätzlich eingeladen. Da Chorgesang wegen der Auflagen schwierig ist, wird ein Lehrer am Klavier spielen. Auch Büffets sind nicht gestattet - deshalb spendiert der Elternbeirat Döner-Gutscheine.

Kunstlehrerin Alena-Sarah Kneidl hat für jeden Schüler ein kleines Kunstwerk gemalt, das mit in der Zeugnis-Mappe liegen wird. "Wir wollen den Schülern etwas geben, das sie immer an ihre Schulzeit erinnern wird." Den Abschlussball habe die Mittelschule Waldsassen heuer absagen müssen. Ein paar Mädels hätten sich für die Abschlussfeier jetzt ihre Ballkleider umschneidern lassen, um sie wenigstens zur Zeugnisvergabe anziehen zu können.

Werden die Schulen dank Corona moderner?

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An der Stiftland-Realschule Waldsassen erhalten 55 Absolventen ihre Zeugnisse. Dazu soll es in der Turnhalle drei 45-minütige Veranstaltungen hintereinander geben, sagt Rektor Stephan Drexler. So könnten auch Eltern die Entlassfeier miterleben. "Sie haben einfach ein Recht darauf", sagt Drexler. Zwischendrin solle "immer gelüftet und desinfiziert" werden. Die Feier wird allerdings ohne Gäste stattfinden, weder Landrat noch Bürgermeister sind eingeladen. Beide werden sich aber mit Videobotschaften an die Schüler wenden.

Keine Eltern am Gymnasium

Albert Bauer, Rektor am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth, sagt: "Wir sind unseren Abiturienten eine feierliche Verabschiedung schuldig." 52 Schüler werden am Freitag, 17. Juli, ihre Zeugnisse im Mehrzweckraum erhalten. Bauer ist in Kontakt mit dem Landratsamt, um abzuklären, ob auch Eltern eingeladen werden können. "Die Regeln ändern sich schnell", weiß der Rektor. Bislang ging er davon aus, dass die Eltern die Schüler nicht begleiten dürfen. Seit Dienstag gelten neue Regeln. Auf jeden Fall werde "Maskenpflicht" herrschen, sagt er.

Bittere Stunde in Fockenfeld

Besonders bitter ist der Abschluss am St.-Josef-Gymnasium Fockenfeld: Dort wird es künftig keinen Schulbetrieb mehr geben. Das Gymnasium hat in seiner Zeit des Bestehens viele Priester, Bischöfe und Theologen hervorgebracht. Laut Schulleiter Friedhelm Czinczoll haben sich drei der sechs letzten Fockenfelder Schüler wieder für ein Theologiestudium entschieden. Die Schüler des Spätberufenengymnasiums erhalten am Samstag, 18. Juli, ihre Zeugnisse. Pater Friedhelm Czinczoll sagt: "Wir planen ein Programm wie sonst auch, aber äußerlich wird es natürlich anders aussehen." Denn auch dort werden die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln gelten, die Gästezahl ist begrenzt. Aktuell habe jeder Schüler drei Begleitpersonen angemeldet, sagt Czinczoll. Es gebe nicht die Absicht, viele Reden zu halten über das Ende des Schulbetriebes oder dieses groß zu würdigen. "Dazu müssten viel mehr Gäste kommen und das geht momentan einfach nicht".

Eine interne Feier wird die Mittelschule Wiesau am letzten Schultag, 24. Juli, abhalten. Die 34 Schüler bekommen im Beisein ihrer Lehrer die Zeugnisse und werden Luftballons, auf die sie Wünsche schreiben können, steigen lassen. Der Elternbeirat wird Getränkegutscheine verteilen. "Wir entlassen unsere Schüler nicht komplett ohne Feier", sagt Schulleiterin Andrea Schiml klar. "Das kann man nach neun Jahren Schule nicht machen."

Gesundheit geht vor

German Helgert ist Direktor an der Realschule Kemnath und sagt: "Es ist bitter, dass es so ablaufen muss, aber die Gesundheit steht an erster Stelle." Normalerweise hätte es einen Abschlussball gegeben, davor Tanzkurse - doch das alles habe coronabedingt ausfallen müssen. Am Donnerstag, 23. Juli, werden die 137 Absolventen im Sportheim unter Einhaltung der Hygieneregeln verabschiedet und die Jahrgangsbesten geehrt - im Stundenrhythmus, jede Klasse einzeln von 15 bis 20 Uhr. So könnten die Absolventen auch ihre Eltern mitbringen, sagt Helgert.

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