09.09.2020 - 13:24 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Vier afrikanische Schwestern in Tirschenreuth

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Vor wenigen Wochen ist eine weitere Ordensschwester aus Uganda im Kloster in Tirschenreuth eingezogen. Damit sind es vier Afrikanerinnen, die als Krankenschwestern in der Kreisstadt wertvolle Dienste leisten.

Pfarrgemeinderatssprecherin Edith Schön (links) und Kaplan Daniel Fenk freuen sich, dass mit den Ordenschwestern Rose, Elisabeth, Theopista und Justine (von links) das Tirschenreuther Kloster wieder tatkräftige Bewohnerinnen bekommen hat.
von Ulla Britta BaumerProfil

Momentan gibt es vier Ordensschwester aus Uganda in Tirschenreuth. Das fröhliche Lachen der Afrikanerinnen ist ansteckend. Es begleitet eine Stunde lang das Interview. Dabei können zwei der Ordensschwestern noch nicht Deutsch sprechen. Aber die beiden lernen täglich Neues in der für sie neuen Sprache dazu, während ihre beiden Mitschwestern längst der schweren deutschen Sprache mächtig sind. Die Schwestern Rose und Theopista lernen Deutsch in der Volkshochschule. Schwester Justine arbeitet als Krankenschwester im Schichtdienst im Kreiskrankenhaus Tirschenreuth und die Neue im Bunde, Schwester Elisabeth, hat einen Arbeitsplatz beim Elisabethenverein bekommen.

Der Einfachheit halber lassen sich die Ordensschwestern mit den Vornamen ansprechen, was Kaplan Daniel Fenk nur begrüßt. "Ich glaube, ich kann mir die afrikanischen Namen nicht merken", gibt er ehrlich zu. Sein Bekenntnis wird mit einem lautstarken Lachen begleitet.

Kleine Ordensgemeinschaft

Justine, Rose und Theopista wohnen schon seit September 2019 im Kloster. Eine Neubelebung des Gebäudes war Wunsch von Regionaldekan Georg Flierl. Das ehemalige Kloster der Mallersdorfer Schwestern sollte nicht länger leerstehen. Flierls Ruf wurde erhört. Die kleine Ordensgemeinschaft "The Sisters of Immaculate Heart of Mary Reparatrix Ggogonya" ("Ordensgemeinschaft der unbefleckten Herzen Maria von der Sühne") schickte im vergangenen Jahr drei ihrer Mitglieder aus Uganda.

Vor einem Monat kam Elisabeth aus Frankfurt dazu. Sie und Justine sind seit einigen Jahren in Deutschland. Ihre Hauptberufung im Orden sei es, als Krankenschwestern zu wirken, erzählen sie. "Und jede Schwester muss jeden Tag mindestens eine Stunde beten", betont Justine als den Grundgedanken des Ordens, der bisher nicht sehr groß ist. Bisher seien nur 16 Ordensfrauen in Deutschland: in Münster, Geisenheim, Tirschenreuth und Straubing.

Manchmal muss ich weinen, wenn ich daran denke, was in der Heimat Schlimmes geschieht.

Schwester Elisabeth

Sie und ihre Mitschwestern seien nach Tirschenreuth gesendet worden, erklärt Justine. Elisabeth fügt an, alle seien zum Gehorsam verpflichtet, was nicht hinterfragt werde. "Werden wir von heute auf morgen anderswo hingeschickt, gehen wir dort hin." Dass es in Tirschenreuth gleich ein ganzes Kloster geworden sei, habe aber keine vorher ahnen können, lachen sie über diesen Glücksfall.

"Wir lieben die Tirschenreuther. Sie sind alle sehr nett zu uns", schwärmen die Ordensschwestern aus dem fernen Kontinent. Die "Ewige Anbetung" in der Stadtpfarrkirche, wo seit 34 Jahren täglich durchgehend in der Seitenkapelle gebetet wird, findet die volle Bewunderung der gläubigen Frauen. "So etwas haben wir noch nie erlebt."

Alle zwei Jahre in die Heimat

Ihren Beruf als Krankenschwestern haben die vier Afrikanerinnen in ihrer Heimat gelernt. Was sie in Deutschland damit verdienen, bekommt der Orden. Zu den gefühlten Unterschieden zwischen Uganda und Deutschland gibt es wiederum viel Gelächter. Elisabeth und Justine zählen auf: "Die Entfernung, die Kultur, das Wetter, das Leben, das Essen, das Leben." Aber sie hätten sich in Tirschenreuth vom ersten Tag an gleich wie Zuhause gefühlt. Alle zwei Jahre dürfen die Ordensschwestern die Heimat Uganda besuchen. Nur in diesem Jahr sei dies nicht möglich gewesen.

Dann erzählt sie vom Hunger in Uganda, von der schlimmen politischen Lage und davon, dass die Coronakrise vom Diktator benutzt werde, um das Volk noch mehr zu knechten. "Die Menschen hungern, die Mädchen werden vergewaltigt, es gibt zu wenig Wasser. Viele junge Familienväter begehen Suizid aus Scham, weil sie ihre Familien nicht mehr ernähren können." Wer gegen das Regime aufbegehre, werde ermordet. "Manchmal", fügt Elisabeth leise an, "muss ich weinen, wenn ich daran denke, was in der Heimat Schlimmes geschieht."

Spenden seien wenig hilfreich, außer man gebe sie an vertrauenswürdige Personen. "Alles andere kommt nicht an." Was für ein Glück, dass die vier Damen nun Spenden weiterreichen können. Und was tun vier Afrikanerinnen in ihrer Freizeit im Kloster? Wieder wird die Frage mit diesem herzlichen Lachen begleitet, das ansteckt. "Beten", lautet die erste Antwort. Es folgt Spazierengehen in der Stadt und Rad fahren. "Es wäre schön, wenn wir uns einer Radgruppe anschließen können", wünscht sich Justine. Um den Horizont zu erweitern, wollen die vier Schwestern bald auch Ausflüge machen. Dafür habe – bis auf einen Besuch des Grabs der Konnersreuther Resl – einfach die Zeit gefehlt.

Begrüßung der ersten drei Schwestern in Tirschenreuth

Tirschenreuth

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