1919 zog Ellen Ammann als erste Frau in den Bayerischen Landtag ein, eine Sensation. Und sie war die Gründerin des Katholischen Frauenbundes. Dieser hochengagierten Vorreiterin für Frauenrechte, die kein Blatt vor den Mund nahm, widmet der katholische Frauenbund eine Ausstellung.
Frauenrechtlerin
Olga Luft, Vorsitzende des Frauenbundes, hat die Präsentation nach Tirschenreuth in den Pfarrsaal gebracht und zum Kaffeekränzchen eingeladen. "Wir können hier sitzen und es uns gut gehen lassen", begrüßte Luft etwa 50 anwesende Frauen. Dies sei nicht selbstverständlich gewesen zu Ammanns Zeiten. "Damals war es unmöglich für eine Frau, ohne Mann wegzugehen."
Olga Luft stellte die Frauenrechtlerin vor: Als Ellen Aurora Sundström im schwedischen Stockholm 1870 geboren, heiratete sie 1890 Dr. Ottmar Ammann und zog nach München. Als Mitbegründerin des Marianischen Mädchenschutzvereins machte sie 1895 erstmals auf sich aufmerksam, wie auf die erste katholische Bahnhofsmission in München 1897. Sie gründete die "Soziale und Caritative Frauenschule", heute die "Katholische Stiftungsfachhochschule München". 1911 folgte die Gründung des Deutschen Frauenbundes, Landesverband Bayern. Kurz darauf, schon 1914, sei der Frauenbund Tirschenreuth gegründet worden.
Heimlich wählen
Ellen Ammann war das nicht genug: 1919 zog die sechsfache Mutter als erste Abgeordnete für die Bayerische Volkspartei in den Bayerischen Landtag ein. Olga Luft erzählte am Beispiel ihrer Großmutter, wie schwer es damals war mitzureden. "Als vor 100 Jahren das Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde, musste meine Oma heimlich gehen!" Und es gebe sogar heute noch Ehemänner, die sie in ihrer Funktion als "Wahlhelferin" aus den Wahlkabinen ihrer Frauen wegziehen müsse, so Luft. Regionaldekan Georg Flierl dankte Luft für die Ausstellung. Er sah diese auch als Aufruf zum Mitreden. "Die Ausbeutung von Menschen ist ja bis heute nicht ausgestorben, massiv und weltweit." Flierl erinnerte auch an andere Ungerechtigkeiten am Beispiel der überteuerten Mieten in München. Man dürfe den sozialen Wohnungsbau nicht aus den Augen verlieren. "Leider ist die Trägheit in Wirtschaft, Politik und Kirche gleich groß, wenn Geld in die Hand genommen werden muss", so Flierl. Er wünschte sich mehr mutige Leute wie Ellen Ammann, welche die Dinge öffentlich anprangern.
Flierl erinnerte an Ammanns Einsatz, 1923 Hitlers Putschversuch zu vereiteln. Damals wie heute dürfe man politische Kräfte nicht unterschätzen in ihrer Aggressivität, sprach Flierl die rechte Szene an. Weiter meinte er, einige unserer Politikerinnen würden beim Thema Schwangerschaftsabbruch extrem aggressiv auftreten, um ungestört in dieser Ideologie weitermachen zu können. "Das ist auch ein Krieg." In 50 Jahren seien in Deutschland über eine Million Kinder abgetrieben worden. "Hier wird versucht, andere Meinungen mundtot zu machen." Vom Tun der Ellen Ammann könnte sich jeder ein paar Scheiben abschneiden.
Morgen Frühstückstreff
Nach diesem Plädoyer für mehr Mut zum Mitreden am Beispiel Ellen Ammann zogen die FB-Frauen den Hut vor dem Foto der engagierten Münchnerin. Weiter geht die Wanderausstellung am Dienstag um 9 Uhr mit einem öffentlichen Frühstückstreff im Pfarrsaal. An diesem Tag endet die Präsentation auch.











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