06.04.2020 - 14:34 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Vorbildliches Verhalten in der Krise

Eine Hälfte der Belegschaft arbeitet im Rathaus, die andere im Home Office: So hält Bürgermeister Franz Stahl seinen Rathausbetrieb Aufrecht. Zwar ist das Gebäude geschlossen. Aber jeder Bürger darf weiterhin sein Anliegen vorbringen.

Immer auf gebührenden Abstand trifft sich Bürgermeister Franz Stahl für ein Amtsgespräch mit Rebecca Müller, der stellvertretenden. Leiterin der Hauptverwaltung. Am großen Besuchertisch in Stahls Büro kann man sich gut auseinanderrücken.
von Ulla Britta BaumerProfil

Vor dem Rathaus steht lediglich ein einziges Auto. Seit der Coronakrise und der damit verbundenen Ausgangseinschränkung wird hier weniger geparkt. Eine ausführliche Hinweistafel am Rathausportal weist darauf hin, dass im Rathaus persönlich niemand erwünscht ist. Was nicht heißt, dass die gesamte Verwaltung stillgelegt wurde. "Hinter den Kulissen" ist alles beim Alten, soweit möglich. Sogar mit dem Bürgermeister darf man noch sprechen, per Telefon. "Gerade jetzt müssen wir da sein", betont Bürgermeister Franz Stahl ausdrücklich, dass hier wie gewohnt gearbeitet wird.

Viel Respekt

Zu seiner Neuwahl seufzt er ein bisschen. Gleich danach war alles anders. Welcher Bürgermeister wünscht sich schon eine Pandemie als Einstieg in die nächste Wahlperiode. "Da sind die Gefühle natürlich zweigeteilt", sagt Stahl, zwischen Freude und Entsetzen. Erste Aufgabe war es, das Rathaus abzuschotten wegen der Ansteckungsgefahr. Gleichzeitig war der Anspruch zu erfüllen, eine offene Kommune zu bleiben und den Verwaltungsbetrieb am Laufen zu halten. Ein Spagat, der eine neue, fast schon für eine Behörde futuristische Arbeitsweise erfordert. Mit dem eingeführten Home-Office hat's auf Anhieb funktioniert und der Chef ist stolz auf die erfolgreiche Maßnahme. "Ich ziehe den Hut vor allen, von Ärzten bis Feuerwehr", sagt er. "Und auch vor meinen Leuten. Das verdient höchsten Respekt." Im Rathaus sind 150 Mitarbeiter beschäftigt. Jetzt sind 75 davon täglich in ihren Büros, 75 arbeiten im Wechsel im Home-Office.

Auch der Bürgermeister hält sich dran. Seit ein paar Tagen telefoniert er wieder von seinem Rathaussessel aus. "Das tut gut, wieder am Schreibtisch zu sitzen", gibt er zu, auch wenn er Zuhause für jeden Bürger erreichbar ist. Vorbildlich nennt er das Verhalten der Tirschenreuther, die absolutes Verständnis für die Lage der Stadtverwaltung haben. Streng "abgeriegelt" ist das Rathaus selbst. Im Eingangsbereich wurde bei Bedarf ein Sichtschutz für die Mitarbeiter installiert für etwaige Gäste mit Termin oder den Paketboten.

Im Haus selbst ist es quasi um die Hälfe ruhiger. Die Kollegen verständigen sich über die verfügbaren Medien von Daheim ins Büro und umgekehrt. Es sei eine Vertrauensbasis, sagt Stahl. Einzig den Urlaub hat der Amtschef streichen müssen. Aber keiner habe Nachteile, so Stahl. Übrige Urlaubstage aus 2019 könnten übertragen werden. Mit dieser neuen Logistik wird auch in Zeiten einer Pandemie ein verwaltungstechnischer Nachteil für die Bürger auf null gesetzt. "Wir haben absolute Versorgungssicherheit, ob beim Wasser und Strom oder im Kindergarten", versichert Stahl. Wobei sich die Inanspruchnahme des Sonderbetreuungsprogramms im Kindergarten in Grenzen halte. "Es werden höchsten täglich ein bis drei Kinder gebracht."

Ferienausschuss tagt

Hochzeiten gibt es aktuell keine. Zwar sei es nach wie vor möglich. Aber da nur das Brautpaar ins Standesamt darf, wolle sich im April niemand trauen. Erst im Mai sei wieder eine Hochzeit eingetragen, schaut Stahl nach. Alles andere laufe gut weiter, auch Bauanträge seien wie gewohnt möglich. Für den Stadtrat wurde im Einvernehmen mit selbigen ein "Ferienausschuss" beschlossen. "Ich weiß, das klingt ein wenig komisch", sagt Stahl. Aber es erfülle seinen Zweck. Am 8. April trifft sich der "Ferienausschuss", im großen Sitzungssaal. Auf dem Programm stehen für acht Stadträte und den Bürgermeister der Haushaltsplan und der Wirtschaftsplan der Stadtwerke. Sehr wichtig nimmt es Stahl, dass die politischen Strukturen einer Stadt trotz der Krise unbedingt normal weiterlaufen. Eine derart gute Nachricht kann er aber leider nicht für den Freibadbetrieb versprechen. Stahl hat wenig Hoffnung auf eine Öffnung vor Pfingsten. Und auch dieses Datum nennt er nur unter "Bauchschmerzen". Denn sicher sein könne man sich momentan mit nichts.

Bürgerservice

Der Nofi-Lauf, bereits abgesagt, kann verschoben werden. Nicht aber das Bürgerfest am 14. Juni. "Wenn wir absagen müssen, gibt es deshalb nächstes Jahr keinen Ersatz. Der zweijährige Turnus wird dennoch eingehalten", so Stahl. Als neuen Bürgerservice verweist er auf die Homepage, wo Vereine, Läden und Gewerbetreibende nun ihren Lieferservice bei Bedarf bekanntgeben. "Das hat eingeschlagen", freut sich der Amtschef, dass es in seinem Haus trotz Corona in jeder Hinsicht gut weiterläuft.

Keiner parkt vor dem Rathaus. Ein seltenes Bild, das seit der Ausgangsbeschränkungen in Tirschenreuth aber langsam zum Alltag wird.
Mit einem Hinweisschild am Eingangsportal des Rathauses wird darauf hingewiesen, dsas keiner mehr reindarf. Ausnahmen sind Bürger, die Termine abgesprochen haben oder Paketboten, aber sie müssen klingeln.
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