Der große Sitzungssaal im historischen Rathaus war voll. Über 50 Zuhörer, darunter ehemalige Stadträte, Familie der neuen Stadträte und Mitarbeiter der Stadt, verfolgten die erste Sitzung des neu zusammengesetzten Gremiums der aktuellen Wahlperiode.
Bürgermeister Hans-Peter Schärl dankte eingangs für das Vertrauen bei der Wahl und beglückwünschte auch die Stadträte. Ziel sei eine nachhaltige und bürgernahe Politik, wichtig seien dem neuen Rathauschef Transparenz und ein konstruktiver Dialog. Mit Kontinuität und Stabilität soll es weiter klare Entscheidungen für Tirschenreuth geben, es sollen aber auch neue Impulse gesetzt werden, sagte Schärl ans Gremium gewandt. Los ging es gleich mit einer ersten Neuerung: Die Einladung an die Stadträte zur Sitzung erfolgte erstmals ausschließlich digital.
Bürgermeisterkette verschwunden
Dann ging es an die Vereidigung des neuen Bürgermeisters. Diese Aufgabe obliegt dem ältesten Stadtrat. "Jetzt wirst du geoutet", sagte Schärl mit einem Lachen. Franz Häring (CSU) ist zwar ebenfalls neu im Gremium, "aber im Alter hat mich keiner überholt", sagte der 65-Jährige. Er vereidigte Schärl als neuen Bürgermeister. Die Bürgermeisterkette übergab der Vorgänger im Amt, Franz Stahl. Er wünschte Schärl starke Nerven und glückliche Entscheidungen.
"Zur Amtskette gab es heute gleich eine besondere Geschichte", verriet Schärl. "Die Kette war nämlich nicht da, wo sie sein sollte." Der neue Bürgermeister hatte sie in einen Schrank in sein Büro gelegt. Doch dort war sie nicht, als er sie Montagmittag zur Vorbereitung der Sitzung hervorholen wollte. Auch seine Mitarbeiter im Vorzimmer suchten mit. "Ich wurde schon richtig nervös!" Erst als eine Mitarbeiterin aus der Pause zurückkam, folgte die Aufklärung. "Die Amtskette war nur in einem anderen Büro", sagte Schärl erleichtert.
Nächster Tagesordnungspunkt war die Vereidigung der neuen Stadtratsmitglieder. "Das sind eine ganze Menge", erklärte Schärl. Insgesamt 14 von 20 Stadträten, also drei Viertel des Gremiums, sind neu im Amt. Der neue Bürgermeister vereidigte Sebastian Rosnitschek, Franz Häring, Christian Schmidt, Beate Friedl und Markus Mayer (alle CSU), Michael Dörfler, Manfred Zölch, Melanie Gmeiner, Thomas Kurzeck sowie Andreas Schuller (alle Freie Wähler), Luca Frank und Frederik Frank (beide Bündnis90/Die Grünen), Jonas Prauschke (SPD) und Annie Schraml (Die Linke).
Zwei junge Stellvertreter
Der neue Stadtrat entschied, zwei Bürgermeister-Stellvertreter beizubehalten. Paulus Mehler (CSU) schlug für das Amt des Zweiten Bürgermeisters Sebastian Rosnitschek vor. Die CSU ist mit neun Sitzen die stärkste Fraktion, die Freien Wähler haben sieben Mandate. "Dieses Kräfteverhältnis sollte bei der Stellvertreterfrage berücksichtigt werden", fand Jürgen Steinhauser (Freie Wähler). Manfred Zölch (FW) brachte seinen Fraktionskollegen Steinhauser ins Rennen für das Amt des Stellvertreters. Da sich die CSU so daran gestoßen habe, dass der künftige Bürgermeister nicht im Kreistag sei, schlage die Fraktion den amtierenden Kreisrat Steinhauser vor. Die Freien Wähler konnten nicht verstehen, dass die CSU ihren Bürgermeisterkandidaten Harald Siegert nicht als Zweiten Bürgermeister zur Wahl stellte – zumal auch Siegert in den Kreistag gewählt wurde. "Harald Siegert würden wir als Zweiten Bürgermeister unterstützen", sagte Zölch.
Mehler erwiderte, dass die Stadt Tirschenreuth ein starkes Mandat im Kreistag habe. "Es ist rührend, wie sich die Freien Wähler um CSU-Belange kümmern." Sie müssten allerdings die Entscheidung respektieren. "Wir haben einstimmig beschlossen, Sebastian Rosnitschenk für diese Position vorzuschlagen." Der 30-Jährige wurde anschließend auch mit einer Mehrheit von zwölf Stimmen zum Zweiten Bürgermeister gewählt.
Für die Wahl zum Amt des Dritten Bürgermeisters schickte die CSU keinen weiteren Kandidaten ins Rennen. Andreas Schuller schlug für die Freien Wähler erneut Steinhauser – "im Sinne des Wahlergebnisses" – für diesen Posten vor. Frederik Frank (Bündnis 90/Die Grünen) nannte Jonas Prauschke (SPD) für die Fraktionsgemeinschaft als Kandidaten für das Amt des dritten Stellvertreters. "Dann wären alle Fraktionen im Bürgermeisteramt vertreten", sagte Frank. Der 32-jährige Prauschke wurde dann mit einer Mehrheit von ebenfalls zwölf Stimmen zum Dritten Bürgermeister gewählt.
Und auch die Fraktionssprecher wurden bekannt gegeben. Dies sind Paulus Mehler (CSU), Jürgen Steinhauser (FW) und Frederik Frank für die Fraktionsgemeinschaft Bündnis 90/Die Grünen/SPD. Anschließend wurde Schärl zum Standesbeamten bestellt.
Stadtrat wie ein Chor
Zu Beginn der Sitzung sprach Stadtpfarrer Georg Flierl. Für ihn sei es bereits das fünfte Mal, bei einer konstituierenden Sitzung den Segen zu sprechen. Er wünschte dem Gremium viele gute Ideen und die Besonnenheit, auch andere Meinugen ernst zu nehmen. Für seine kurzfristig verhinderte Kollegin Mareike Krämer verlas er ihre Grußworte. Sie verglich den Stadtrat mit einem Chor: Entscheidend sei nicht, wer am lautesten singt, sondern dass sich alle im gleichen Takt wiederfinden. Für die kommende Wahlperiode wünschte Krämer leidenschaftliche aber faire Diskussionen.















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