14.06.2020 - 14:08 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Waldsassener Gründer entwickeln digitale Speisekarten: Virusfrei vorbestellen

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Christian und Stefan Pappenberger sind junge Gründer aus Waldsassen und entwickeln digitale Speisekarten, abrufbar auf dem Handy. Es ist ein weiterer Schritt in Sachen Digitalisierung - und Entlastung für Wirte und Gäste in Coronazeiten.

Auch das Restaurant La Vita in Weiden nutzt die Web-App Menuvice von Christian und Stefan Pappenberger.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Die Hygieneregeln in Restaurants sind aufwendig in Zeiten der Corona-Pandemie. Abstand ist das oberste Gebot, dazu gilt eine Maskenpflicht beim Personal, Desinfektionsmöglichkeiten müssen gegeben sein - und nach jedem Gast ist die gründliche Reinigung der Speisekarten Pflicht. "Die müssen laminiert und nach jeder Nutzung desinfiziert werden", sagt Christian Pappenberger (24). "Das ist ein Riesen-Zeitaufwand für das Personal, zusätzlich zu den anderen Aufgaben."

Keine Sorgen wegen Hygiene

Abhilfe schaffen soll die Web-App "Menuvice", die Pappenberger selbst programmiert hat. Mit Hilfe eines QR-Codes sollen die Nutzer die Speisekarte auf ihrem Handy anschauen können, auch ohne die App herunterladen zu müssen. "Weder die Gäste müssen sich dann Sorgen machen zwecks Hygiene, noch die Mitarbeiter - jeder benutzt sein eigenes Handy." Die Wirte können das Design und die Fotos bestimmen, spontane Menü-Änderungen können schnell eingebaut werden. So würden sich auch Druckkosten minimieren.

Es gab auch Rückschläge

Ganz wegfallen sollen Handspeisekarten nicht, damit auch weniger Technikaffine oder Ältere ohne Smartphone ihr Essen bestellen können. Das Konzept scheint sich in Coronazeiten zu bewähren: Mittlerweile nutzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz circa zehn Gaststätten die Web-App - unter anderem La Vita in Weiden und das Restaurant Alfa in Waldsassen. Größere TV-Sender wurden auf "Menuvice" aufmerksam.

Die Idee zu "Menuvice" hatten die Brüder, die an der Universität Greifswald BWL studieren, aber schon lange vor Corona. Nämlich 2016, als Christian Pappenberger für ein Auslandssemester in Prag war. Der Kühlschrank sei "mal wieder" leer gewesen, also sei er eines Abends in ein Restaurant gegangen. "Die Speisekarten waren nur auf Tschechisch, nicht mal auf Englisch", erinnert er sich. Also verständigte sich Pappenberger kurzerhand mit der Bedienung über Bilder von den Gerichten, die das Restaurant online gestellt hatte. "Das hat super geklappt" - und war die Geburtsstunde von "Menuvice".

Weder die Gäste müssen sich dann Sorgen machen zwecks Hygiene noch die Mitarbeiter – jeder benutzt sein eigenes Handy.

Christian Pappenberger

Pappenberger testete viel herum, war mit Gastronomen im Austausch und gewann mit "Menuvice" schließlich den Ideenwettbewerb seiner Uni im Jahr 2018. Eine kleine Erfolgsgeschichte, könnte man meinen. "Aber es gab auch Rückschläge", gibt er offen im Gespräch zu. Denn nachdem ein erster Probelauf in Norddeutschland sehr erfolgreich angenommen wurde, wurde es allmählich schwieriger, neue Gastronomen zu gewinnen.

"Die 40-Euro-Gebühr im Monat war wohl zu abschreckend, nachdem die Web-App im Probelauf noch kostenlos war." Und einige Wirte wollten grundsätzlich keine Handys in ihren Restaurants. Das war 2019 - und "Menuvice" lag erstmal wieder auf Eis, wie Pappenberger sagt. Nun aber, in Coronazeiten, sei "Menuvice" wieder attraktiv geworden. "Da sieht man", sagt er, "dass man am Ball bleiben muss und nie aufgeben darf".

Pappenberger ist kein Neuling in der Gründerszene. Der 24-jährige Waldsassener hat bereits mit 15 Jahren ein eigenes Gewerbe für App-Entwicklung angemeldet und damit einige Projekte umgesetzt. Während seines Studiums arbeitete er sechs Monate lang für den Bezahldienst Amazon Pay in München und Mailand, drei Monate zog es ihn ins Silicon Valley.

In der Heimat fest verwurzelt

Vor allem dieser Aufenthalt war prägend für den Jungunternehmer. "Die Denkweise ist dort ganz anders", sagt er. Scheitern werde nicht als Manko gesehen, sondern als Chance, sich zu verbessern - und als Anreiz, denselben Fehler nicht noch einmal zu machen. "Das hat mir sehr viel gebracht für meine Sichtweise und meine Projekte."

Auch Bruder Stefan bringt Erfahrung mit: Mit 18 Jahren habe er via Amazon ein Gewerbe eröffnet. Für ihn geht es bald für ein Auslandssemester nach Schweden, wo er sich mehr der Musik widmen möchte. Obwohl beide das Fernweh plagt, wie sie zugeben, zieht es sie immer wieder zurück in die Heimat nach Waldsassen. "Ich kann mir auch gut vorstellen, hier unternehmerisch tätig zu werden", sagt Christian Pappenberger.

Einen Höhenflug haben die Brüder trotz der bisherigen Stationen in ihrem Leben aber nicht. Sie wollen im Hintergrund bleiben, bezeichnen sich als introvertiert. "Es geht uns darum, Probleme zu lösen und nicht darum, im Mittelpunkt zu stehen."

Die Brüder lieben Veränderungen, wollen anpacken. "Manchmal geht es auch schief - dann muss man einfach weitermachen", sagt Christian Pappenberger. Und das wollen die beiden auch vermitteln: "Man kann alles schaffen, wenn man es einfach angeht und loslegt."

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