05.12.2021 - 14:13 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Warteschlangen und Überstunden: Mit Testen und Impfen vierte Welle brechen

Die Situation ist ernst. Der Druck der Pandemie nimmt in der Gesellschaft, bei Entscheidungsträgern und Helfern zu. Ein Blick auf die Situation des Impfzentrums und der Testzentren im Landkreis Tirschenreuth.

An der Registrierung im Impfzentrum melden sich die Leute für ihre Erst-, Zweit- oder Drittimpfungen an.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Der Winter ist da. Die Temperaturen schwanken um die 0 Grad Celsius und die Corona-Pandemie läuft zur Hochform auf. Vor dem Impfzentrum in Waldsassen stehen die Leute Schlange, um ihre zuvor vereinbarten Impftermine wahrzunehmen. Mit steigenden Infektionszahlen und verstärkten Corona-Maßnahmen der Politik ist in den vergangenen Wochen die Nachfrage nach Erst-, Zweit- und Drittimpfungen auch im Landkreis Tirschenreuth enorm gestiegen.

Um diese Nachfrage decken zu können, hat das Impfzentrum umgebaut, stockt Personal auf, organisiert zusätzliche Impfungen. Trotzdem muss mit Wartezeiten von bis zu einer Stunde gerechnet werden. Die Verantwortlichen bitten um Verständnis. "Wir sind zufrieden mit unserer Entscheidung, dass wir das Impfzentrum im Oktober nicht geschlossen, sondern nur heruntergefahren haben", sagt Landrat Roland Grillmeier bei einem Pressetermin vor Ort. Deshalb sei es einfacher, jetzt die Kapazitäten wieder hochzufahren. "Wir hatten aber auch Schwierigkeiten in den letzten 14 Tagen", gibt er zu. "Wir bemühen uns, hier zu verbessern. Es gibt momentan nicht den Wunschtermin und Wunschimpfstoff", betont er.

Schlangestehen im Impfzentrum

Der Weg zur Impfung hat sich im Impfzentrum verändert. Über den ehemaligen Haupteingang des Krankenhauses geht es vorbei an Sicherheitspersonal. Dann heißt es weiter Schlangestehen. Bis zu 35 Menschen können im Impfzentrum warten, um zur Registrierung zu kommen. Dort prüfen Mitarbeiter Impfpass, Ausweis, vorherige Impfungen. Wer bereits seine Drittimpfung bekommt, sollte seinen gedruckten Nachweis der Zweitimpfung im Original dabei haben. Der Impfnachweis auf dem Smartphone alleine reiche nicht. "In dem Dokument sind Informationen zur Aufklärung und Registrierung erfasst. Ist das nicht vorhanden, muss die Registrierung erneut erfolgen, was mit Verzögerungen verbunden ist", erklärt BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl.

Von der Registrierung geht es zur ärztlichen Aufklärung, danach führt der Weg zu dem ehemaligen Nachwartebereich. Dort sind vier Impfkabinen aufgebaut. In einem separaten Bereich werden die Spritzen schon vorab mit Impfstoff aufgezogen, damit der Ablauf in den Kabinen schnell gehen kann. Für diese Tätigkeiten steht nun trotz Umbau weniger Platz zur Verfügung. Die früheren Räumlichkeiten können nicht mehr genutzt werden. "Die Kliniken haben sich entschlossen, diesen Bereich zu verkaufen und wir können darauf nicht mehr zugreifen", weiß Schedl. Beim Landrat, dem BRK und den Mitarbeitern des Impfzentrums laufen immer wieder Beschwerden oder gar Beleidigungen auf. Teilweise werden Mitarbeiter angeschrien. "Ich sage immer, dass wir uns vor nichts zu rechtfertigen haben. Einige nehmen das aber mit nach Hause", erklärt Schedl die Belastung für das Personal. Jedoch komme das nicht beim Großteil vor, sondern nur bei etwa fünf Prozent der Menschen.

Moderna für Personen über 30

Seit vergangener Woche wird an Personen über 30 Jahre vor allem der Impfstoff von Moderna verimpft. "Aktuell scheitert es nicht an Impfstoff. Ich hoffe zumindest, dass wir unsere Bestellungen bekommen", sagt Schedl. Er habe mitbekommen, dass es wegen der Rationierung von Biontech-Impfstoff schon in anderen Impfzentren in Bayern zu Ausschreitungen gekommen sei. In Waldsassen war das bisher nicht der Fall. "Mitarbeiter geben den Menschen in der Warteschlange einen Zettel, der sie darüber informiert, dass mit Moderna geimpft wird." Aufgrund der Information könne sich jeder selbst entscheiden, ob er bleibt oder wieder fährt. "Wir hatten nicht den Eindruck, dass es Probleme gab", so Schedl.

"Im August hatten wir schon darum gebeten, die Impfzentren nicht abzubauen", sagt Schedl. Nun musste es aufgrund politischer Aussagen und öffentlichem Druck schnell gehen. "Dem standzuhalten, ist schwierig", betont Schedl. Entsprechend wurde um weitere Mitarbeiter geworben, Personal wird aufgestockt. "Viele machen das als Nebenjob", erklärt Schedl. Die Abläufe müssen neu strukturiert werden. Vor vier Wochen gab es noch die politische Vorgabe, nicht mehr als 348 Impfungen in der Woche zu machen. "Diese Zahl hatten wir vor zwei Wochen täglich." Seit Montag vorvergangener Woche gibt es 580 Impfungen am Tag. "Das vorhandene Personal schiebt Überstunden. Wir sind froh, dass das alles so möglich ist."

Hausarztpraxen unterstützen

Jedoch ist Schedl zuversichtlich, dass sich die Abläufe einspielen, sobald mehr Personal zur Verfügung steht. "Dann können wir eventuell die Öffnungszeiten wieder verlängern. Wir müssen das aber davon abhängig machen, was bis dahin realisierbar ist." Auch Hausarztpraxen im Landkreis bieten zusätzliche Impfangebote an, was den Ablauf unterstütze. Die Ampel-Koalition hat vor, weitere Fachärzte und Apotheker mit ins Boot zu holen. Dr. Mathias Kalkum, ärztlicher Leiter des Impfzentrums, erklärt: "Grundsätzlich ist das möglich. Im Augenblick wäre ich aber froh, wenn wir nicht von außen gebremst würden und Hausärzte, die noch überlegen, auch bei den Impfungen mitmachen." Holger Schedl ist skeptisch: "Es wird realisierbar sein. Es gibt aber gerade auf dem Land wenige, die das neben dem Tagesgeschäft schaffen."

Tests haben sich vervierfacht

Michaela Treml, Teamleiterin der Testzentren des BRK-Kreisverbands, informierte ebenfalls über die Situation. "In der Zeit zwischen dem 1. November bis heute hat sich die Zahl der Tests vervierfacht", erklärt sie. Auch hier kommt es zu Warteschlangen. Hier werden keine Termine vergeben. Ungeimpfte Arbeitnehmer müssen sich täglich testen. Auch Geimpfte, die bestimmte Freizeitaktivitäten machen wollen, brauchen Tests. Zuvor müsse sich jeder registrieren, erklärt Holger Schedl. Das klappe beim Großteil. "Jeder Nicht-Registrierte kostet im Ablauf massiv Zeit." Es gelte zu beachten, dass die Registrierung für PCR-Tests und Schnelltests auf zwei unterschiedlichen Online-Plattformen durchzuführen ist.

Pro Woche stehe jedem Bürger ein kostenloser Schnelltest zu. "Mindestens", sagt Treml. " Wir können nicht prüfen, wenn jemand schon einmal einen Test gemacht hat." PCR-Tests auf eigenen Wunsch sind weiter kostenpflichtig. Roland Grillmeier erklärt: "Das Gesundheitsamt verfolgt nicht mehr alle Kontakte. Nur das familiäre Umfeld wird informiert." Doch jeder, der Kontakt zu einem positiven Coronafall hatte, solle sich beim Gesundheitsamt melden. Dort bekomme jeder eine Bescheinigung für den PCR-Test.

Im Landkreis Tirschenreuth hat die Impfbereitschaft zugenommen

Tirschenreuth

 

 

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