17.12.2018 - 18:01 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Weihnachts-Kunst aus talentierten Händen

Die Krippenfreunde Tirschenreuth haben sich alten Krippen verschrieben. Sie sichern deren Erhalt und Verbleib in Tirschenreuth. Zudem nehmen sie auch selbst das Werkzeug in die Hand und schnitzen das ganze Jahr über an Maria, Josef und Co.

Manchmal schnitzen die Krippenfreunde Tirschenreuth auch bei öffentlichen Veranstaltungen, dann kann man ihnen über die Schultern schauen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Es ist Weihnachten – und viele Familien holen die Familienkrippen vom Dachboden und stellen sie unter dem Christbaum auf. Nach Weihnachten werden die kleinen Wunderwerke aus geschnitztem Holz wieder weggepackt. In Tirschenreuth aber gibt es eine Gruppe von Leuten, die Weihnachten nie „wegpacken“: Die Krippenfreunde Tirschenreuth arbeiten das ganze Jahr über an ihren wunderschönen Landschaftskrippen.

Immer am Dienstagabend treffen sich die Männer und Frauen im Schnitzraum am St. Peter, um weiter an Maria, Josef, dem Jesus-Kindlein oder einem Schäfchen zu arbeiten. Dann zieht wieder dieser angenehm würzige Geruch von frischem Holz durch die St.-Peter-Flure. Lindenholz ist das grobe Material, aus dem die Krippenfreunde ihre aufwendig gefertigten Figuren entstehen lassen. Der Großteil davon bekommt später einen Platz in den großen Landschaftskrippen. Das hat Tradition: Bei fast allen Krippenfreunden haben bereits die Väter und Großväter, oftmals die Urgroßväter, diesem schönen Hobby gefrönt. Viele Krippen sind wertvolle Erbstücke, werden sorgsam aufbewahrt und immer wieder erweitert.

Krippenfreunde-Vorsitzender Hans Lindner erzählt gerne von dieser Tradition. Er selbst, sagt er, habe spät mit dem Hobby begonnen. Erst seit sechs Jahren schnitze er – und die Leidenschaft habe ihn schnell gepackt. Aber die wahren Profis seien seine Freunde, fügt er bescheiden an: „Ich bin noch in der Lernphase.“

Der 78-jährige Hans Schiedeck stammt aus einer Familie, in der die Krippentradition eine lange Historie hat. Schon als Kind hat Schiedeck gemeinsam mit seinem Großvater Eduard geschnitzt, der ihn diese hohe Kunst der Holzbearbeitung gelehrt habe.

Die Schnitzergruppe gebe es seit 2003, erzählt Hans Lindner weiter. Sehr zur Freude der zwölf Männer und Frauen gibt es auch wieder Nachwuchs: Tim Sommer hat sein Talent vom Vater, der ebenfalls dazugehört. Der elfjährige Bub hat für die aktuelle große Krippenausstellung fleißig mitgeholfen und viele schöne Figuren geschnitzt. Vater Christian Sommer schnitzt nicht nur Figürliches. Er hat sich mit einer außergewöhnlichen Variante der Schnitzerei beschäftigt und fertigt seither auch aus einem einzigen Holzstück die berühmten „Krampus- Masken“ für die Knechte des Nikolaus.

Da sich die Gruppe nur einmal in der Woche treffen kann, gehen die Mitglieder ihrem Hobby natürlich auch daheim nach. „Besonders in der kalten Jahreszeit“, sagt Vorsitzender Lindner, der dieses Kunsthandwerk für Winterfreizeit-Beschäftigungen nur anpreisen kann. In der Gruppe, meint er weiter, könne man sich dann immer untereinander austauschen. „Jeder hat seine Besonderheiten beim Schnitzen und seinen individuellen Stil.“

Zwar in der Minderzahl, punkten die zwei Frauen in der Gruppe mit hohem Talent. Karolina Stindl hat für die aktuelle Sonderausstellung im Museumsquartier ein Krippen-Relief geschnitzt, eine Meisterleistung. Wer Elisabeth Kahl bei der Arbeit zuschaut, der staunt nur noch über diese winzigen Miniaturen, die sie mit ruhiger Hand schafft. Dabei hat alles, was beim Schnitzen entsteht, nicht nur für die Kunsthandwerker persönlichen Wert.

Mit ihrem Hobby lassen die Schnitzer die alte Tradition der Tirschenreuther Landschaftskrippen weiter wachsen und bewahren sie vor dem Vergessen.

Nachwuchstalent Tim Sommer hat bereits viele tolle Figuren geschnitzt.
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