23.12.2018 - 17:12 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Was in der Weihnachtskrippe nicht fehlen sollte

Die Geburt Christi ist der Mittelpunkt in jeder Weihnachtskrippe. Doch darf auch der Hirte mit seinen Schafen nicht fehlen. Schafzucht wurde früher auch um Tirschenreuth sehr intensiv betrieben.

Bildausschnitt aus der Hauskrippe von Robert Eisenmann. Der Hirte zieht mit seiner Herde zur Krippe im Stall. Im Hintergrund die frühere Inselstadt Tirschenreuth.

Ein Jahr haben sich die kleinen Krippenfiguren in ihren Pappschachteln ausruhen dürfen. Nun treten sie wieder in Aktion und erfreuen über mehrere Wochen Jung und Alt gleichermaßen. Ob kunstvoll geschnitzt oder aus Plastik geformt, erinnern sie uns an das, was Weihnachten eigentlich ausmacht, an die Geburt Jesu.

Auf richtigen Weg führen

Was in einer Krippe neben der Heiligen Familie nicht fehlen sollte, sind Schafe und der dazugehörende Hirte. Er verkörpert im Gegensatz zu den Heiligen Drei Königen den armen Mann, der seine Herde auf den richtigen Weg führt und sie zusammenhält. Deshalb wird in der Kirche der Hirtenbrief verlesen und wir hören vom Gleichnis des guten Hirten und seinen Lämmern.

Trotz allem zählte der Berufsstand der Hirten einmal eher zu den unehrenhaften, wie der des Totengräbers oder Abdeckers. Berufsbedingt waren Hirten auch selten in der Kirche anzutreffen, was ihnen von den strenggläubigen Dorfbewohnern übel genommen wurde.

Die Schafzucht wurde einmal rund um Tirschenreuth sehr intensiv betrieben. Die Schäfer waren die Wolllieferanten für die zahlreichen Weber in der Stadt. Bereits 1840 betrieb ein Hugo Müller an der Sägmühle eine mechanische Wollspinnerei, die mit dem Wasser der Waldnaab angetrieben wurde. Als 1892 Ignaz Mehler eine moderne Tuchfabrik in der Bahnhofstraße errichtete, konnten nun hochwertige Stoffe hergestellt werden. Die bessere Wollqualität, die dafür erforderlich war, wurde auf der neuen Eisenbahnlinie Wiesau-Tirschenreuth problemlos angeliefert. Damit war das Ende der Schafzucht in unserer Gegend besiegelt. Im 19. Jahrhundert gab es in Tirschenreuth noch zwei städtische Hirthäuser. In dem kleineren Haus am Graben, Ecke Franz-Böhm-Gasse, wohnte der Schweinehirt oder "Saihirt". Seine Aufgabe bestand darin, die Schweine in die nahe gelegenen Eichenwälder zu treiben und sie dort in einem Pferch zu beaufsichtigen. Ein bevorzugter Ort war der "Eicherlgarten" bei Klenau. Das Beaufsichtigen der Gänse oblag den Mädchen, während die Buben Ziegen hüteten. Am Ende der Ringstraße in Richtung Lerchenfeld steht heute noch ein stattliches Wohnhaus, das den älteren Tirschenreuthern als "Hirthaus" bekannt ist. Hier war der Kuhhirte mit seiner Familie zu Hause. Im Gegensatz zum "Saihaider" war er ein geachteter Mann, der sich bestens mit der Tiermedizin auskannte und nicht selten von Tierärzten um Rat gefragt wurde.

Eintönige Melodie

Mit seinem zwei Meter langen Hirthorn signalisierte er den Viehbesitzern, dass sie ihre Kühe auf die Straße treiben sollten. Dabei blies er immer die gleiche, eintönige Melodie, was ihm den Namen "Dudl-Dudl" einbrachte. Dann zog er mit der Herde über die Schmellerstraße, die damals "Huthergasse" hieß, zu den saftigen Wiesen an der Waldnaab. Der Hirte verstand es vortrefflich, die Tiere mit einer meterlangen Riemenpeitsche zusammenzuhalten. Sein treuer Hund unterstützte ihn dabei.

Nicht fehlen durfte der "Stodbumml", der sich jedes Mal am selben Haus-Eck den Kopf rieb und dann behaglich brummend mit der Herde weitertrottete. Heute sind Hirten nur noch selten in unserer Gegend anzutreffen und auch der Abschiedsgruß "Behüt dich Gott" geriet in Vergessenheit. Dabei gibt es keine herzlicheren Worte, die man jemandem wünschen kann.

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