18.10.2021 - 17:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wunder von Tirschenreuth: Ein Landkreis trotzt der vierten Welle

Ein Landkreis als gallisches Dorf. Während der Rest des Freistaats zunehmend vom Virus besetzt wird, bleibt der Kreis Tirschenreuth bislang verschont. Welcher Zaubertrank den Tirschenreuthern dabei hilft, ist aber nicht ganz klar.

Musterlandkreis Tirschenreuth. Der Landkreis weist nicht nur in Bayern die besten Werte auf.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Der Landkreis Tirschenreuth macht erneut Schlagzeilen mit seinen Corona-Fallzahlen. Während der Kreis ganz im Norden der Oberpfalz zum Jahresanfang aber über Wochen die höchsten Werte in Bayern und Deutschland aufwies, findet er sich nun an der anderen Seite der Tabelle wieder. Am Montag bedeuteten 11,16 Fälle je 100 000 Einwohner in sieben Tagen den zweitniedrigsten Wert in ganz Deutschland. Nur der hessische Werra-Meißner-Kreis wies einen minimal besseren Wert von genau 10 aus.

Die Tirschenreuther Inzidenz ist dabei umso bemerkenswerter, als die Werte in den umliegenden Gebieten zuletzt stark angestiegen sind. Bayernweit kletterte die Inzidenz innerhalb einer Woche von 93 auf 113, in der Oberpfalz sogar von 86 auf 130. Zeitgleich ging der Wert im Kreis Tirschenreuth von 31 auf 11 zurück.

Warum sich der Landkreis aber so gut hält, darüber können auch die Verantwortlichen im Landratsamt nur spekulieren. "Der sehr niedrige Inzidenzwert ist zunächst natürlich für uns sehr erfreulich. Eine genaue Ursache bzw. eine Erklärung dafür können wir jedoch nicht benennen", erklärte Sprecher Walter Brucker auf Nachfrage. Brucker verwies zudem darauf, dass die Zahl der Testungen im Landkreis zuletzt rückläufig war.

Dies dürfte aber vor allem daran liegen, dass Tirschenreuth seit längerem unter dem Inzidenzwert von 35 liegt, weshalb für Gastronomie und Kulturveranstaltungen die 3G-Regel nicht verbindlich ist: Wer ungeimpft ist und nicht als Genesen gilt, muss also keinen Test machen, wenn er zum Beispiel in ein Café will. Der Landkreis ist derzeit der einzige in Bayern, in dem dies so gilt. Allerdings hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass weniger Tests mittelfristig eher zu steigender Inzidenz führen, weil Infektionen später erkannt werden und sich leichter verbreiten können.

Auffällig an den Tirschenreuther Werten ist vor allem, dass es in der vergangenen Woche keine Fälle bei Kindern im Grundschulalter gegeben hat. In den Nachbarkreisen gehört die Gruppe der 5- bis 14-Jährigen zu den Treibern der Pandemie. Hier lässt sich die geringere Zahl auch nicht mit sinkender Testzahl begründen: Bei Schülerinnen und Schülern finden "wie vorgeschrieben regelmäßige Tests nach wie vor statt", bestätigt Walter Brucker.

Warum das Virus die Schulen im Kreis Tirschenreuth aber verschont, bleibt ebenfalls rätselhaft, selbst für die Experten am Gesundheitsamt in Tirschenreuth. Auch dort bleibe den Mitarbeitern nichts übrig, als sich über die Verschnaufpause zu freuen und weiter konsequent die Hausaufgaben zu machen. Walter Brucker: "Es wird hier weiterhin auf eine konsequente Kontaktnachverfolgung gesetzt."

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