28.08.2020 - 12:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Zwei digitale Vorbilder aus dem Landkreis Tirschenreuth

Der digitale Wandel schreitet Stück für Stück voran. Zwei Unternehmen aus dem Landkreis meistern diesen Prozess besonders gut. Sie wurden vom bayerischen Wirtschaftsministerium und "ibi Research" als digitale Champions auserkoren.

Stephanie Vetter (rechts) und ihre Kollegin Jessica Lutterbach zeigen wie einfach es ist, über das Tablet, das Smartphone oder den Computer einen Beratungstermin bei Interliving Gleißner zu vereinbaren.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Digitale Konzepte spielen für den Einzelhandel schon lange eine wichtige Rolle, durch die Corona-Pandemie gewinnen sie weiter an Aufwind. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben häufig Schwierigkeiten, mit großen Wettbewerbern mitzuhalten. Oft fehlen finanzielle, personelle oder zeitliche Ressourcen, um digitale Lösungen umzusetzen.

Im Rahmen des Projektes "Digitale Champions im bayerischen Einzelhandel" hat das Institut "ibi Research" an der Universität Regensburg gezielt Digitalisierungs-Strategien und Erfolgsfaktoren kleiner und mittelständischer Einzelhändler untersucht. Gefördert wurde die Studie, die über 100 Seiten umfasst, durch das Bayerische Wirtschaftsministerium. Im Rahmen des Projektes wurde ein Gutachten erstellt, indem einzelne Projekte analysiert wurden. Des Weiteren wurde über Herausforderungen berichtet und es wurden Gemeinsamkeiten und Erfolgsfaktoren herausgearbeitet. Neun bayerische Unternehmen wurden dabei als Vorbilder - sogenannte "Digitale Champions" - identifiziert, darunter sind zwei Unternehmen aus der Oberpfalz, und diese kommen aus dem Landkreis Tirschenreuth: Interliving Gleißner (Tirschenreuth) sowie Leogra Trading - Your Fashion Place (Bad Neualbenreuth).

"Leute wollen ein Erlebnis"

Das Möbelhaus Gleißner, das rund 110 Mitarbeiter hat, machte vor mehreren Jahren eine umfassende Analyse, um die richtigen Digitalisierungs-Projekte für das eigene Unternehmen zu finden. Dabei gewannen die Verantwortlichen die Erkenntnis, dass vor allem die fachliche und persönliche Kompetenz der Mitarbeiter mit dem Angebot vor Ort entscheidend für die Kaufentscheidung ist. Der Fokus wurde dann auf die Breite des Angebots und das Erlebnis vor Ort gelegt.

Geschäftsführender Gesellschafter Jörg Kulzer stellte sich die Frage: "Was bietet Gleißner an, damit die Leute nach Tirschenreuth fahren?" Die Antwort: "Die Leute wollen ein Erlebnis." Um sich gegenüber der wachsenden Online-Konkurrenz durchsetzen zu können, wurde ab 2016 umfangreich in die Digitalisierung investiert.

Zentrale Cloud für Medien-Inhalte

Mit dem Umbau des Möbelhauses sollte auch eine integrierte Kommunikation festgelegt werden. Das bedeutet, über alle Medien sollte eine einheitliche Kommunikation in Wort und Bild möglich sein. Die Medien-Inhalte werden über eine zentrale Cloud gesteuert. Um die Arbeitsprozesse zu erleichtern, können die Inhalte online wie offline genutzt werden.

Zudem wurden digitale Bezahlmöglichkeiten geschaffen. So kann der Kunde auch über Apple Pay bezahlen. Soziale Medien spielen eine wichtige Rolle: Gleißner arbeitet hier zum Beispiel mit der Medienagentur "Spectrum" zusammen. Diese erstellt professionelle Erklärvideos, die in einer Mediathek auf der Webseite oder auf Youtube abrufbar sind.

Reiner Onlinehändler

Zudem hat die Studie die Leogra Trading GmbH als einen digitalen Champion auserkoren. Das Unternehmen aus Bad Neualbenreuth, das Büros und Lagerräume in Mitterteich betreibt, ist seit 2008 reiner Onlinehändler. Aktuell sind dort zehn Mitarbeiter beschäftigt. Zu den Aufgaben gehören das Anlegen, Verwalten und Pflegen von Produkten aus den Bereichen Textilien, Schuhe, Drogerie und Accessoires. Ebenfalls hat Leogra Online- und Internetdienstleistungen im Angebot.

Es ist interessant darüber nachzudenken, ob man nicht eine eigene IT etablieren möchte.

Daniel Müller, Geschäftsführer Leogra Trading GmbH

Daniel Müller, Geschäftsführer Leogra Trading GmbH

"Es ist interessant, darüber nachzudenken, ob man nicht eine eigene IT etablieren möchte", sagt Geschäftsführer Daniel Müller laut Pressemitteilung. Das Unternehmen ist auf Online-Marktplätzen wie Amazon, Ebay und Zalando vertreten. Die Waren werden neben im eigenen Online-Shop "Yourfashionplace", aber auch auf Rakuten oder bei Real verkauft.

Das Unternehmen hat ein Warenwirtschaftssystem, das inzwischen vollumfänglich Einkauf, Buchhaltung und Verkauf vernetzt. Mit einem branchenspezifischen ERP-System können alle möglichen Prozesse zentral angesteuert werden. Ein weiterer Meilenstein war zudem die Digitalisierung mit Hilfe einer Lagersoftware. Seither können Artikel über einen Code mit mobilen Geräten identifiziert und versandfertig im System automatisiert geführt werden.

Die Entwicklung von "Yourfashionplace"

Mitterteich

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