03.03.2021 - 13:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Das Zwischenzeugnis bekommen zuerst die Eltern

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Mit Corona ist alles anders: Der Ausgabetag fürs Zwischenzeugnis wurde um drei Wochen verschoben. An den Schulen im Kreis Tirschenreuth gibt es unterschiedliche Varianten der Verteilung.

Alles ist vorbereitet: Die Sekretärinnen Sandra Pongratz und Silvia Gegenfurtner (von links) tüten die gut 500 Zwischenzeugnisse ein, um sie per Post den Schülern nach Hause zu schicken. Oberstudiendirektor Albert Bauer hilft gerne mit.
von Ulla Britta BaumerProfil

Draußen klingelt der Postbote und bringt das Zeugnis des Sprösslings vorbei: Was vor einem Jahr undenkbar war, ist nun Realität. Drei Wochen später als zu normalen Zeiten, am 5. März, wird es dennoch ernst. Wegen Corona wurde der Zeitpunkt der Zeugnisausgabe nach vorne verlegt. Ausfallen wird der "Giftzettel" deshalb aber heuer trotzdem nicht. Nur das Prozedere ändert sich durchgehend. Wie, das entscheidet jede Schule für sich.

Oberstudiendirektor Albert Bauer vom Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth hat auf einer Postzustellung bestanden. Zwar ist das mit Zusatzarbeit verbunden. Die Sekretärinnen druckten die Adressen von über 500 Gymnasiasten aus und mussten die Zeugnisse dann eintüten. Aber der Mehraufwand ist dem Schulleiter das wert. Schließlich sei ein Zeugnistag immer etwas Besonderes, sagt er.

Keine bösen Überraschungen

Mit der Postzustellung wolle er den Familien ein wenig Normalität erhalten. Das Gymnasium hätte auch den digitalen Weg zur Notenübersicht-Übermittlung wählen können. Zur Notenermittlung sagt Bauer, dass ja bis Weihnachten die Möglichkeit bestanden habe, normal Schulaufgaben und Exen zu schreiben. „Und auch im Distanzunterricht gab es weiterhin mündliche Noten.“ Damit habe mancher Schüler auch sein Gesamtergebnis verbessern können.

Kein Zeugnis gibt es für die Oberstufe Q12. Die Q11 wird später bedient. Zur Situation, dass diesmal die Eltern die Zeugnisse vielleicht an der Haustüre zuerst in Händen halten, meint Bauer: "Da sollte es keine bösen Überraschungen geben. Eltern und Schüler wissen, was sie erwartet.“

Auch Sportnoten

In der Realschule im Stiftland Waldsassen bekommen die Schüler statt eines Zeugnisses einen digitalen Notenauszug. Davon ausgenommen sind die 9. und 10. Jahrgangsstufen. „Sie brauchen das Zeugnis für Bewerbungen oder Übertritte in andere Bildungseinrichtungen“, erklärt Schulleiter Stephan Drexler. Auch in der Realschule wurden im Distanzunterricht mündliche Noten vergeben, die in das Ergebnis einflossen. „Schwache Schüler konnten sich zum Beispiel mit einem Referat verbessern“, erklärt der Rektor.

Trotz Distanz könnten alle Unterrichtsfächer gut bedient werden, sogar Sportnoten seien möglich: „Die Lehrer machen mit den Schülern unter anderem Workouts.“ Die Realschule halte sich an die allgemeinen Empfehlungen, wonach den Schülern in der gegebenen Situation keine Nachteile entstehen dürften. Zum Datenschutz erklärt Drexler, dass ein geschütztes System mit verschlüsselten Daten für die Übertragung des Notenspiegels an die Familien angewandt werde.

Keine Lernentwicklungsgespräche

In der Marien-Grundschule Tirschenreuth gibt es für die ersten drei Klassen keine Lernentwicklungsgespräche. Aufgrund des Infektionsgeschehens haben Elternbeirat und Lehrer beschlossen, in diesem Schuljahr wieder Zwischenzeugnisse zu verfassen. Schulleiterin Gabriele Grünwald und ihre Kollegen bedauern das sehr. In den Lernentwicklungsgesprächen werde im direkten Kontakt mit den Kindern über Stärken und Schwächen im Beisein der Eltern gesprochen. Lehrer und Schulkind überlegten dann gemeinsam, in welchem Bereich und wie sich das Kind bis zum Ende des Schuljahres verbessern könne.

„Die 4. Klassen haben im Januar schon ihre Zwischenberichte erhalten. Am 7. Mai bekommen sie die Übertrittzeugnisse. Ich bin gespannt, wie es aufgrund der hohen Inzidenzzahlen weitergeht, da ja im Distanzunterricht keine schriftlichen Leistungsnachweise erbracht werden können", sagt Grünwald. In der Marien-Grundschule erhalten die Eltern das Zwischenzeugnis am 5. März, wenn sie wie immer am Freitag vorbeikommen, um die Arbeiten der Kinder abzugeben und die neuen Wochenaufgaben mitzunehmen. Das Abholen der Unterlagen erfolgt im Foyer kontaktlos und unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Besonders schwierig empfindet Grünwald in der derzeitigen Situation das Fehlen des persönlichen Kontakts zu den Kindern. „Der beste Distanzunterricht ersetzt niemals den normalen Unterricht.“ Die Rektorin lobt ihre Lehrer sehr für den Einsatz unter erschwerten Bedingungen.

Kreative Lehrer

„Wir sind ein kompletter M-Zug. Die Schüler machen den Qualifizierenden Abschluss und bereiten sich dann auf die Mittlere Reife vor“, erklärt Andrea Schiml, Leiterin der Mittelschule Wiesau. Als kleine Schule mit 85 Jugendlichen sei bisher alles, auch die Zeugnisausgabe, gut überschaubar geblieben. Die Zwischenzeugnisse werden per Post zugestellt, hat man in Wiesau beschlossen. Andrea Schiml ist dankbar für ihre kreativen Kollegen, die alle Möglichkeiten des Distanzunterrichts gut ausschöpften. Jeden Freitag führt sie eine Online-Lehrerkonferenz. „Dabei kommen auch die Zeugnisnoten zur Sprache.“

Das Hauptaugenmerk der Schulleiterin gilt aktuell außer dem PC-Bildschirm dem Telefonhörer in ihrem Büro. „Gibt es Klärungsbedarf zu einer Sache oder wie jetzt zu den Noten, rufen die Lehrer, Eltern oder Schüler bei mir an.“ Schiml ist momentan mit der Sekretärin weitgehend die ganze Zeit über allein im Schulhaus. Dennoch gibt sie sich zufrieden mit der Situation. „Insgesamt läuft jetzt alles besser als im Frühjahr 2020“, betont sie. Die Anfangsschwierigkeiten beim Distanzunterricht seien jetzt weitgehend ausgeräumt.

Schulen im Kreis Tirschenreuth bleiben zu

Tirschenreuth
Rektorin Andrea Schiml von der Mittelschule Wiesau schreibt die Zeugnisse wie gewohnt am PC. Verteilt an die Schüler werden sie aber nicht persönlich. Die Familien bekommen die Zwischenergebnisse per Post zugestellt. "Bei 85 Schülern ist der Arbeitsaufwand überschaubar", sagt die Rektorin.
Mit einer lustigen "Eselsbrücke" am Beispiel einer 1,50 Meter großen Schülerin hat die Mittelschule Wiesau den Schülern gezeigt, was 1,5 Meter Abstand sind. Auf Abstand muss jetzt Rektorin Andrea Schiml auch bei der Zeugnisverteilung gehen, was sie natürlich bedauert.

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