12.02.2019 - 16:46 Uhr
Oberpfalz

Den Tod und das Leid Christi vor Augen

Die eher seltenen Fastenkrippen haben in den vergangen Jahren eine Renaissance erfahren. Sie werden in der Zeit vor Ostern ausgestellt und zeigen Szenen vom Abendmahl bis zur Kreuzigung Jesu.

Die Fastenkrippen werden in der Osterzeit ausgestellt und zeigen Szenen vom Abendmahl bis zur Kreuzigung.
von Rainer ChristophProfil

Lebensfreude und Frömmigkeit schlossen sich im religiösen Leben der Katholiken der Barockzeit nicht aus. Die Reformation hatte zuvor den Zweifel an der "allein selig machenden" Botschaft der Kirche geschürt. Das Gefühl der Geborgenheit im Schoße der Kirche war elementar gefährdet, das zeigt zum Beispiel die Geschichte der Nonne Katharina von Bora und späteren Ehefrau Martin Luthers.

In der Gegenreformation musste also gehandelt werden. Dem Jesuitenorden kam dabei eine tragende Rolle zu. Um den Zweiflern das kirchlich-katholische Leben wieder schmackhaft zu machen, musste sich der "Orden Jesu" etwas einfallen lassen. Dies gelang vor allem über die emotionale Schiene. Bildhafte Darstellungen von biblischen Szenen und Heiligengeschichten halfen in den Nöten des Diesseits und lösten vor allem im süddeutschen Raum eine neue Art der Frömmigkeit aus.

Paradies oder Hölle?

Für den Seelenfrieden der Menschen wurden gültige Glaubensbotschaften verkündet. Dabei ging es vor allem um das Thema Leben im Paradies oder ewige Höllenqualen. Die Lösung war ein Katechismus mit gültigen Glaubenswahrheiten für alle, die sich der Umsetzung der Gegenreformation verschrieben hatten. Bindend vorgeschrieben waren die Teilnahme an Gottesdiensten und religiösen Festen. Das nutzten vor allem der großen Prediger, wie Abraham a Santa Clara (1644 bis 1709). Witzig und wortgewaltig waren seine Predigten, noch heute sind sie mit Faszination zu lesen.

Da damals die Kunst des Lesens und Schreibens noch nicht allgemein verbreitet war, wurde - wie beim Weihnachtsgeschehen - die Passion Christi über bildhafte Darstellungen erzählt. Die Menschen sollten die Geschehnisse um Tod und Auferstehung plastisch vor Augen haben, wenn sie schon nicht lesen konnten.

Die Mahnung der Vergänglichkeit zeigte sich in Knochenwappen (zum Beispiel im Wappen der Schwarzenbergs in Sedlec bei Kuttenberg) oder Totentanz-Darstellungen wie in der Totentanz-Kapelle in Wondreb (Landkreis Tirschenreuth). Auch eine spielerische Gestaltung der Heilsgeschichte verbreitete sich in den Ländern der katholischen Christenheit. In der Karwoche wurden Heilige Gräber aufgestellt, am Karfreitag Grabwache gehalten. Vor allem in der Barockzeit wurden solche Heiligen Gräber sehr prachtvoll ausgestattet. Besonders das Geschehen am Palmsonntag und der Karwoche waren Motive für theatralische Aufführungen von Pfarrern, Ministranten, aber auch Bruderschaften. Begleitend wurden Kulissen-Landschaften errichtet. Szenische Ölberg-Andachten mit den schlafenden Figuren der Jünger, Christusfigur und einem tröstendem Engel gehörten zum Oster-Ritual.

Besondere Andacht

Der älteste Nachweis einer besonderen Andacht der Passion Christi steht in einer Handwerkerurkunde der Tuchmacher in Weiden. Sie stifteten bereits 1515 eine Vesper "Unseres lieben Herren Angst" in St. Michael. Sie fand jeden Donnerstag am Abend unter Glockenläuten statt. Vier Schüler in Chorröcken, Pfarrer, Vikar und Schulmeister sangen wechselweise Passions-Antiphonen (Wechselgesang). Gleiches spielte sich um 1695 in Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) ab. Ölberg-Darstellungen findet man in unserer Region unter anderem in Tirschenreuth an der Südseite der Pfarrkirche, in Pleystein mit der Kreuzberganlage, in Waldsassen mit der Ölberg-Kapelle am Kloster, in Beidl mit der Ölbergkapelle mit ihren überlebensgroßen Steinfiguren, oder in St. Emmeram in Regensburg.

Folter und Tod

Den Fastenkrippen fehlt die Fröhlichkeit der Weihnachtskrippen. Dem Betrachter wird nicht warm ums Herz, es duftet weder nach "Wacholderstauden" oder Moos. Nirgends findet sich ein Jesukindlein im Stall - was sonst zu einer Krippe dazugehört. Fastenkrippen, die man auch Osterkrippen nennt, und zur Fastenzeit aufstellt, sind anders als Weihnachtskrippen mit Engeln und Hirten, Ochs und Esel. Stattdessen zeigen sie Angst, Folter, Verzweiflung und Tod - letztlich aber die Botschaft der alles überwindenden Macht der Auferstehung Christi. In der Gestaltung sind die Fastenkrippen ausnahmslos im orientalischen Raum angesiedelt. Dazu gehört ein sogenannter Krippenberg, also eine Landschaft, in die das Leidensgeschehen platziert wird, und ein Hintergrund - alles den Originalschauplätzen nachempfunden.

Die eher seltenen Fastenkrippen haben in den vergangen Jahren eine große Renaissance erfahren. Sie werden in der Osterzeit ausgestellt und zeigen Szenen vom Abendmahl bis zur Kreuzigung. Auch diese Art der Krippen dienten nicht nur der häuslichen Andacht, sondern vor allem der religiösen Unterweisung. Kulturgeschichtlich gelten Fastenkrippen als Nachfolger der mittelalterlichen Osterspiele, die vielfach vor den Portalen der Kirchen in Italien oder Spanien mit großem Aufwand aufgeführt wurden oder heute noch in Form von Passionsspielen - wie in Oberammergau, Tirschenreuth oder Kemnath - stattfinden.

Tirschenreuther Schnitzer

Bekannt sind Fastenkrippen besonders im Alpenraum Österreichs. Die Tirschenreuther Schnitzer griffen diese Idee vor einigen Jahren auf. Einige Mitglieder des Vereins sind im Besitz selbst gefertigter Passionskrippen. Anlässlich der fünften "Tirschenreuther Passion" im Jahr 2015 wurden sie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Passionskrippe der Familie Leonhard Kühn beispielsweise sind 23 Szenen mit etwa 70 Figuren, geschnitzt vom Pilsener Bildhauer Jaroslav Sekyra, aufgebaut.

Alljährlich steht sie in der Fastenzeit in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Die Darstellungen der Fastenkrippen gehen unter die Haut und sollen den Gläubigen die Tragweite diese einmaligen und unwiederholbaren Ereignisses bewusstmachen. (cr)

Der gegeißelte Heiland:

Wer heute den höchst gelegenen Grenzübergang der Oberpfalz, auf den Steinberg bei Bärnau, ansteuert, dessen Fahrt verläuft parallel zu einer mit großen Laubbäumen bewachsenen Allee, die zur Wallfahrtskirche „Der gegeißelte Heiland“ führt. Unter den mächtigen Bäumen findet man in Granit gehauene Säulen der 14 Kreuzwegstationen.

Auf den Bildern die Erinnerungen an das Leiden Christi: Ölberg, Gefangennahme, der Weg nach Golgatha, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme. Nicht selten liegen hier oben in März und April noch Schneereste, die an Verwehungen durch den „Böhmischen“ erinnern, dazwischen regt sich schon das zarte Grün des nahenden Frühlings. Die Schritte führen von der ersten Station bis hinauf zur Kirche, mit ihrem Schrein, in dem das Gnadenbild „Christus an der Martersäule“, einem Nachbild der berühmten Wieskirche bei Steingaden, steht. Die Schritte sind an den Kartagen verhaltener. Betrachtend und betend gehen die Menschen an den Bild-Tabernakeln der „Mahnsäulen“ vorbei. Rund 200 Jahre dürfte der Kreuzweg alt sein.

Gebetet wird er nicht nur in der Fastenzeit oder am Vormittag des Karfreitags. Seit den sechziger Jahren wurde alljährlich vor Beginn des Steinbergfestes im Juli am Samstagabend der Kreuzweg gebetet, erst dann wurde das Fest offiziell eröffnet. (cr)

Alljährlich steht in der Friedhofskirche in Bärnau das Heilige Grab. Nicht selten halten Ministranten kniend davor Wache.
Unter den mächtigen Bäumen findet man in Granit gehauene Säulen der 14 Kreuzwegstationen. Der Weg führt zur Wallfahrtskirche "Der gegeißelte Heiland".
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