Glück ist laut – zumindest während der Fußball-WM. Schreien, Johlen, Trampeln, Singen. Gehören Sie auch zu denen, die bei jedem Spiel vor dem Bildschirm oder der großen Leinwand im Biergarten sitzen? Feiern Sie bei einem Sieg „Ihrer“ Mannschaft auch gerne mal mit anderen Fans weiter? Dann haben Sie sich vielleicht auch schon mal gefragt, was eigentlich dran ist, an diesem Sport, bei dem es eigentlich nur darum geht, das Runde in das Eckige zu bringen.
„Wie Shakespeares Hamlet oder Lessings Minna von Barnhelm ausgehen, weiß ich. Wie aber das nächste Derby zwischen Rapid und Austria ausgeht, weiß ich nicht. Der ästhetische wie dramaturgische Vorsprung des Hanappi-Stadions vor dem Burgtheater ist kategorial!“ So beschrieb der Wiener Literaturwissenschaftler Wendelin Schmidt-Dengler seine Begeisterung für diesen Sport. Die Zeiten, in denen Intellektuelle wie Marcel Reich-Ranicki den Fußball gerne mal als „rohe Volksbelustigung“ abtaten, scheinen vorbei zu sein. Längst stehen auch studierte Köpfe zu ihrer neuen Leidenschaft, dem Fußball.
Aber woher kommt sie denn bloß, diese Faszination für das Geschehen auf dem Rasen? Eine Studie an der Uni Gießen während und nach der Europameisterschaft 2016 sollte die Frage beantworten, warum Fußball schauen glücklich macht.
„Wir finden relativ starke Effekte bei all denen, die sich für Fußball interessieren, die sich mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft identifizieren“, sagt Sportwissenschaftler Professor Dr. Michael Mutz. „Viele Menschen berichten von intensiven und positiven Emotionen, die in gewisser Weise im Kontrast zur Gleichförmigkeit des Alltags stehen.“
Ein weiterer Grund für das Fußballglück: Soziale Bedürfnisse nach Gemeinschaft und Geselligkeit werden befriedigt, weil man Fußball oft zusammen mit anderen schaut. „Wenn die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich spielt, kann man nicht zuletzt seinen eigenen Selbstwert stärken, wenn man sich mit dem deutschen Team identifiziert“, so Mutz. „In der Gemeinschaft ist das Erlebnis noch intensiver.“ Vielleicht ist es aber auch das augenblicksartige Einswerden mit der Welt, das selige Versinken im Hier und Jetzt, warum uns Fußball glücklich macht.
Wann schaffen wir es denn sonst schon noch, mal alles andere um uns herum zu vergessen? Sich nicht über die Zukunft Sorgen zu machen – um das Bankkonto, die Kündigungswelle in der Firma, die Probleme in der Familie oder den zu hohen Blutdruck? Deswegen: Freuen Sie sich ruhig schon wieder auf das nächste Spiel – mit ganz viel Fußballglück! (ewa)













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