04.02.2020 - 09:27 Uhr
TrabitzOberpfalz

Gelebte Integration in Trabitz vor der Kamera

In Trabitz herrscht zwischen Zuwanderern und Einheimischen ein offenes und freundschaftliches Verhältnis. Das hatte sogar das Bayerische Fernsehen mitbekommen – und würdigte das gute Miteinander besonders.

Stolz trägt die "Fankurve" der Spielvereinigung Trabitz im Fernsehstudio ihr Banner zur Schau, das der Förderkreis des Sportvereins gesponsert hat. Links im Bild "Blickpunkt Sport"-Moderator Markus Othmer. Auch das Sportmagazin könnte heuer Jubiläum feiern: Vor 45 Jahren wurde die erste Sendung ausgestrahlt.
von Bernhard PiegsaProfil

"Kann sein, ihr seid traurig, dass man euch ausgerechnet in dieses Dorf Trabitz geschickt hat. Aber vielleicht werdet ihr noch trauriger sein, wenn ihr irgendwann von hier fort müsst." Mit diesen Worten hatte Peter Dzierza von der Spielvereinigung Trabitz im Frühjahr 2016 die ersten überraschend in die Gemeinde eingewiesenen Flüchtlinge begrüßt. Vier Jahre später begrüßt die Gemeinde ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks.

Es will darüber berichten, wie die Flüchtlinge in dem 1300-Seelen-Ort tatsächlich ein neues Zuhause gefunden haben - und sportliche Erfolge feiern. Vor allem Shafi Husseini kann dies aus eigener Erfahrung bestätigen. Der 22-jährige Afghane und Kicker der Spielvereinigung erzählt vor der Kamera, wie freundlich er und die anderen Geflüchteten in Trabitz aufgenommen und betreut wurden.

Bürger und Verein für Shafi

Besonders lobt er, mit wie viel Herzblut sich die "große Familie" der Spielvereinigung und etlicher weiterer engagierter Bürger für ihn eingesetzt hatten, als ihm im vergangenen Jahr die Abschiebung drohte (wir berichteten: www.onetz.de/2915546). Dank einer "Ausbildungsduldung" darf Shafi Husseini, der seine vier "Oberpfälzer Jahre" bereits zum Erwerb der Mittleren Reife genutzt hat, nun eine Berufsausbildung in Deutschland beginnen.

Ihre Genugtuung über diesen "Siegtreffer" besonderer Art und über das offene und freundschaftliche Verhältnis zwischen Zuwanderern und Einheimischen bekundeten auch Bürgermeisterin Carmen Pepiuk und Fußball-Co-Trainer Stefan Geppert.

Letzterer würdigte obendrein die zehn ausländischen Mitglieder seines Spielerkaders als "Leistungsträger": "Der Verein, die Dorfgemeinschaft und die hiesige bodenständige Politik unterstützen die Jungs auch bei Behördengängen, bei der Ausbildungsplatz- und Wohnungssuche." Die Kicker wüssten dies zu schätzen: "Wenn manche der ausländischen Spieler zum Trainer sagen, du bist wie unser deutscher Papa - dann merkt man, dass die Chemie stimmt."

Grenzenlose Gemeinschaft

In einer Saison-Zwischenbilanz lobte Trainer Stefan Baier seine aus acht Nationen zusammengewachsene Mannschaft für deren Erfolg, der sich in einem dritten Tabellenplatz mit bisher zwölf Siegen, zwei unentschiedenen Partien und nur drei Niederlagen widerspiegele. Zudem stelle Trabitz mit dem Rumänen Sorin Busuioc und dem Eritreer Merhawi Teklemariam zurzeit den dritt- und viertbesten Torjäger der A-Klasse Weiden-West.

Den "grenzenlosen Familiensinn" der Trabitzer belohnte das Bayerische Fernsehen obendrein mit einer Einladung zur "Blickpunkt Sport"-Sonntagabendsendung. Bei einer Führung konnten die Besucher hinter die Kulissen des Medienzentrums in München-Freimann blicken, das die gesamte Sportberichterstattung des BR koordiniert und wo auch die "Rundschau", "Wir in Bayern", die "Abendschau" und Magazine wie "Quer" oder "Kontrovers" entstehen.

Den "familiären" Rückhalt der Trabitzer lobt Shafi Husseini beim Besuch des BR-Fernsehteams im Gespräch mit Maximilian Albrecht.
Info:

So groß wie 45 Fußballfelder

"Das Studio Freimann erstreckt sich über 180 000 Quadratmeter - 45 Fußballfelder hätten darauf Platz", verriet Besucherbetreuer Adam Hosiak den "Blickpunkt Sport"-Tribünengästen bei der Gebäudeführung: "In naher Zukunft werden alle redaktionell arbeitenden Einheiten des Bayerischen Rundfunks hier beheimatet sein." Im 250 Quadratmeter großen Aufnahmestudio eins erlebten die 44 Trabitzer und noch mehr als 40 weitere Gäste hautnah den von Sendeleitung und Redaktion durchgetakteten Ablauf einer Live-Sendung in einem Senderaum, der "im Fernsehbild viel größer wirkt", wie mehrere Besucher erstaunt feststellten. Nicht mit Beifall sparten sie bei den Interviews, die Moderator Markus Othmer mit Ski-Abfahrtsläufer Thomas Dreßen und den Snowboarderinnen Ramona Hofmeister und Selina Jörg führte. Auch die Teller mit Kostproben des "hofmeisterlichen" Mandel-Apfel-Schokokuchens mit Walnüssen, den die Berchtesgadnerin für ihre Allgäuer Konkurrentin und Freundin zu deren Geburtstag gebacken hatte, "plünderte" das Publikum mit Genuss. Allerdings ließen die ausführlichen Sportler-Interviews Othmer am Ende nur wenig Zeit zum Plaudern mit der "Fankurve" der Spielvereinigung Trabitz. Doch blieb Altbürgermeister Dieter Klein, der den TV-Termin angebahnt hatte, im Anschluss an das Video über den Verein noch Zeit für einige Worte über die Trabitzer Tradition der Gastfreundschaft und Integration: "Unsere ausländischen Freunde, woher sie auch stammen, sind uns willkommen."

"Vorbild in Sachen Integration":

„Vorbild in Sachen Integration“

Für das BR-Studio Franken reiste das TV-Team nach Trabitz, um die vor 50 Jahren gegründete Spielvereinigung als "Vorbild in Sachen Integration" zu porträtieren. Die Bildreportage mit Interviews mit Shafi Husseini und Co-Trainer Stefan Geppert, Trainingsbildern und Impressionen des "multikulturellen" Miteinanders im Sportheim schließt mit dem Fazit: "Für Rassismus ist in Trabitz kein Platz. Hier sitzen alle an einem Tisch, die Ausländer sind fester Bestandteil und stehen sogar für den Erfolg in dieser Saison. Der Aufstieg: durchaus möglich."

Mehr über Shafi Husseini gibt es hier

Das „Fankurve“-Video und weitere Beiträge aus „Blickpunkt Sport“

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