23.09.2021 - 15:23 Uhr
TrabitzOberpfalz

Gemeinderat Trabitz erfährt von verwirrenden Vorschriften für Sonnenstrom

"Die Nachfrage nach Solarstrom wird sicher noch zunehmen.“ Diese Einschätzung eines Fachmannes nimmt der Gemeinderat Trabitz von einer Ortsbesichtigung mit – und auch viele Detailinformationen zum Thema erneuerbare Energien.

Aufmerksam hören die Gemeinderatsmitglieder zu, als Ingenieur Norbert Schwab (links, neben Anlagenbetreiber Josef Ackermann) die Technik der jüngsten Trabitzer Freiflächen-Solaranlage erklärt.
von Bernhard PiegsaProfil

Umweltfreundliche Energie made in Trabitz: Dafür stehen außer dem Biomassekraftwerk in Blankenmühle vor allem drei Solarparks entlang der Eisenbahnlinie. Der jüngste davon ging vor knapp einem Jahr nach rund anderthalbmonatiger Bauzeit Mitte November 2020 ans Netz. Ihn besichtigte der Trabitzer Gemeinderat als "Vorprogramm“ zu seiner September-Sitzung.

Der mit Planung und Bau betraute Projektingenieur Norbert Schwab von „Grammer Solar“ in Amberg erläuterte den Gemeindevertretern die ausgefeilte Technik der von Josef Ackermann aus Kurbersdorf betriebenen 1,5-Megawatt-Freiflächenanlage mit 4476 Modulen. Der von diesen Kollektoren erzeugte Gleichstrom werde von zwölf Wechselrichtern in Wechselstrom umgewandelt.

Bei der Anlage komme bereits die moderne 1500-Volt-DC-Modultechnik zum Einsatz: „Bislang war eine Modul-Systemspannung von 1000 Volt üblich, doch eine höhere Spannung bewirkt geringere Leitungsverluste. Außerdem können dünnere Kabel verwendet werden, so dass die Baukosten sinken.“

Den Investitionsaufwand bezifferte Schwab auf rund eine Million Euro, die jährlichen Einnahmen aus der Einspeisung von 1,5 Millionen Kilowattstunden auf mindestens 75.000 Euro: „Das ist die gesetzlich garantierte Mindestvergütung. Der tatsächliche Marktpreis ist derzeit deutlich höher, und die Nachfrage nach Solarstrom wird sicher noch zunehmen.“

Die häufig zu vernehmende Behauptung, wonach Solarstrom „so sehr teuer“ sei, wies der Ingenieur zurück: „Wenn ich so etwas höre, denke ich, ich bin im falschen Film. Tatsächlich ist Solarstrom je Kilowattstunde deutlich günstiger als Elektrizität aus anderen Energiequellen.“

Als Kuriosität des geltenden Rechts merkte Schwab an, dass der Betreiber Strom aus Anlagen mit mehr als 750 Kilowatt Leistung nicht selbst verbrauchen dürfe: „Der Strom muss zunächst für 6,5 Cent pro Kilowattstunde verkauft und ins öffentliche Netz eingespeist werden, dann darf der Betreiber ihn für 17 Cent zurückkaufen.“

Kleinere Anlagen wiederum müssten keinen Strom ins öffentliche Netz abgeben: „Der Betreiber erhält also keine Einspeisevergütung, muss aber beispielsweise für eine knapp unter 750 Kilowatt leistende Anlage 20.000 Euro EEG-Abgabe für den selbst erzeugten und verbrauchten Strom entrichten.“

Die in vielen Bereichen zu beobachtende Verlängerung von Lieferzeiten für Technikkomponenten ist nach Schwabs Erfahrung auch an den Photovoltaikprojekten nicht vorübergegangen: „Man hatte sich an Lieferzeiten um 18 Wochen gewöhnt, inzwischen halten wir bei 25 bis 27 Wochen, und manche Komponenten sind ‚mal verfügbar und mal nicht‘.“

Josef Ackermann ergänzte, dass sich der „stockende Materialfluss“ auch auf die Bauarbeiten für seine Anlage ausgewirkt habe: „Die polnische Firma, die den Aufbau erledigte, und die slowakischen Elektroinstallateure haben fachgerecht ihr Bestes gegeben, aber zwischendurch stockte einmal die Kollektorenlieferung, so dass die Bauarbeiten für drei Tage unterbrochen werden mussten.“

Mehr aus dem Gemeinderat Trabitz

Trabitz

"Tatsächlich ist Solarstrom je Kilowattstunde deutlich günstiger als Elektrizität aus anderen Energiequellen.“

Projektingenieur Norbert Schwab zum Preisthema

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.