21.06.2020 - 13:16 Uhr
TrabitzOberpfalz

Hilferuf aus Bolivien an Oberpfälzer Freunde

Schon länger unterstützen Menschen aus der Region ein Projekt für Bildung und die Umwelt in Bolivien. Mitten in der Coronakrise erreicht die Helfer ein dramatischer Hilferuf.

Auch in Bolivien werden Masken genäht. Eine junge Indio-Frau näht mit einer aus Deutschland gespendeten Nähmaschine im Sozial- und Kulturzentrum Ayopayamanta für den Bedarf Mundschutz.
von Bernhard PiegsaProfil

In Bolivien setzt sich das „Centro Cultural (Kulturzentrum) Ayopayamanta“ (CCA) seit 1986 für die Verbesserung des Bildungswesens, der Wasserversorgung und der Hygiene sowie für die Wiederaufforstung von Bergregionen ein. Unterstützt wird es dabei vom Verein „Runa Masi“, der in der Nordoberpfalz aktive Förderer hat: An seiner Spitze stehen seit Kurzem der Amberger Johann Bauer und die Hahnbacherin Marianne Moosburger, um die Vereinsfinanzen kümmert sich die Trabitzer Gemeinderätin Eva Mayrhofer-Dötsch.

Auftritt in der Pressather Kirche

Rund um den Rauhen Kulm kennt man das Projekt vor allem dank der Benefizkonzerte des zum CCA gehörenden Ensembles „Sacambaya“ mit südamerikanischer und internationaler Musik: Denn auch im „Vierstädtedreieck“ haben die Musiker und Tänzer wiederholt Gastspiele gegeben. Unvergessen blieb insbesondere die mitreißende Darbietung der „Misa Criolla“ („kreolischen Messe“) in der Pressather Stadtpfarrkirche vor gut anderthalb Jahren. Weniger zu Begeisterung als zu Besorgnis geben allerdings die jüngsten Nachrichten aus Bolivien Anlass, denn die Corona-Krise hat dem politisch krisengeschüttelten Andenland und damit auch der Arbeit des CCA einen weiteren schweren Schlag zugefügt.

Der Verein Runa Masi

Amberg

Wie schwer, lassen die Hilferufe erahnen, mit denen Jorge „Coco“ Aquino, „Sacambaya“-Initiator und Direktor des Kulturzentrums Ayopayamanta in der nordwestbolivianischen Provinz Ayopaya, seine deutschen Unterstützer aufhorchen lässt. Erstmals berichtete Aquino am 25. März von der Corona-Problematik in seiner Heimat. Kurz vorher habe es zwar erst 28 bestätigte Fälle gegeben, aber die Regierung habe bereits drastische Maßnahmen ergriffen wie etwa die Unterbrechung des Flugverkehrs von und nach Europa. Schon wenige Tage später hatte sich die Lage derart zugespitzt, dass Aquino am 31. März nicht mehr umhin kam, „Runa Masi“ und andere Partnervereine um Hilfsgelder zur Unterstützung von Familien zu bitten, die ein Leben unterhalb des Existenzminimums fristen.

Not zwingt auf die Straße

Zu dieser Zeit hatte die derzeitige Übergangsregierung bereits eine Ausgangssperre und einen „Stillstand“ verhängt. Die Folgen beschrieb Aquino so: „In Bolivien leben immer noch etwa ein Drittel der Bevölkerung in Armut auf dem Land oder in den Randzonen der großen Städte. Ohne festes Einkommen arbeiten sie von Tag zu Tag, um überhaupt überleben zu können. Manche haben ein kleines Geschäft auf der Straße, verkaufen Gerichte und Getränke, andere bieten Gemüse, Obst, Käse an. Diese Menschen leiden jetzt am meisten und haben eigentlich keine Wahl: entweder sie infizieren sich mit dem Virus, erkranken, sterben, oder sie verhungern.“

Mit einem Finanzierungsplan für die akute humanitäre Hilfe, die das Ayopayamanta-Zentrum leisten will, schloss dieser Hilferuf. „Runa Masi“ und sein baden-württembergischer Partnerverein „Inti Ayllus“ konnten dafür schon 7500 Euro überweisen. Doch mit dieser „ersten Hilfe“ war es noch nicht getan, denn mit der weiteren Ausbreitung des Virus, dem das unzulänglich ausgestattete Gesundheitswesen kaum etwas entgegenzusetzen hatte, verschlimmerte sich die Situation zusehends.

Hintergund:

„Runa Masi“ sammelt Spenden für Bolivien

„Die Regierung verteilt zwar einmalig etwas Geld, um Lebensmittel zu kaufen, aber die 45 Euro für eine Familie mit fünf Personen reichen nicht einmal für zwei Wochen“, berichtete der Gründer des bolivianischen Sozial- und Kulturzentrums Ayopayamanta, Agraringenieur Jorge Aquino, seinen bayerischen Unterstützern im Verein „Runa Masi“.

In „höchster und mit Blick auf die Zukunft verzweifelter Sorge“ bittet der Verein „Runa Masi“ (was in der südamerikanischen Quechua-Sprache „Wir sind Freunde“ bedeutet) deshalb erneut um Unterstützung, damit das Kulturzentrum Ayopayamanta sein humanitäres Hilfsprogramm weiterführen und notwendigerweise ausweiten könne. Vereinsschatzmeisterin Eva Mayrhofer-Dötsch aus Trabitz-Grünbach, die das Ayopayamanta-Projekt seit einem sechswöchigen Praktikum in Bolivien 1989 kennt und unterstützt, und ihre Mitstreiter hoffen auf finanzielle Rückendeckung nicht zuletzt von jenen, denen die Schul- und Abendkonzerte des „Sacambaya“-Ensembles in Pressath, Grafenwöhr, Eschenbach und Trabitz in nachhaltiger Erinnerung geblieben sind.

Spendenkonto von „Runa Masi e. V.“: IBAN DE78 7509 0300 0001 3121 97, BIC GENODEF1M05 (Liga-Bank Regensburg), Verwendungszweck „Spende Corona CCA“. Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.

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