27.10.2020 - 10:30 Uhr
TrabitzOberpfalz

Kita Trabitz nach Trägerwechsel: Neubeginn und gutes Zeugnis

Seit etwa einem Jahr ist "Learning Campus" nun Träger der Kindertagesstätte in Trabitz. Seitdem hat sich personell und auch baulich einiges verändert.

Zur Trabitzer Kindergartengemeinschaft gehören auch die Hasen "Bonny" und "Rosi", für die Eltern, Kinder und Erzieherinnen ein gemütliches "Haus" bauten. Links Kindergartenleiterin Franziska Meier, rechts Bürgermeisterin Carmen Pepiuk.
von Bernhard PiegsaProfil

Für Pädagogikdienstleister „Learning Campus“ (LC) wie für die Gemeinde Trabitz war es ein Schritt in organisatorisches und pädagogisches Neuland, an skeptischen Stimmen aus der Bevölkerung fehlte es nicht. Doch die Bilanz der Trabitzer Kindertagesstätte (Kita) nach einem Jahr stimmt optimistisch: Mit 54 Mädchen und Buben – 15 mehr als im September 2019 – ist der Kindergarten bis auf den letzten Platz belegt, bei einer anonymen Befragung belohnten die Eltern die Arbeit des Erzieherinnenteams mit der Note 2,0.

„Wir können vorerst keine Kinder mehr aufnehmen und haben eine Warteliste anlegen müssen – vor einem Jahr hätten wir selbst uns diesen Erfolg nicht träumen lassen“, verriet LC-Initiator und Co-Geschäftsführer Stephan Müller bei einem Ortstermin mit Bürgermeisterin Carmen Pepiuk und Kindergartenleiterin Franziska Meier. Natürlich habe man sich auf die Erfahrung aus der Kinder- und Jugendbetreuung stützen können, nicht zuletzt auf die Waldkindergartenarbeit: „Aber ein stationärer Kindergarten war auch für uns etwas Neues.“

Immerhin sei der Stabwechsel in der Trägerschaft nicht nur mit einem organisatorisch-rechtlichen, sondern auch mit einem personellen Neubeginn verbunden gewesen. Zudem habe man in Absprache mit dem Jugendamt Umbauten am Kita-Gebäude vornehmen müssen: „Das war auch deshalb unumgänglich, damit sich Kinder von null bis drei Jahren hier wohlfühlen.“ Im pädagogischen Konzept habe LC den „traditionellen Kindergarten“ um Elemente des „Waldkindergartens“ und der „tiergestützten Pädagogik“ bereichert und so eigene, insbesondere naturerzieherische Akzente gesetzt.

Trabitzer Kita unter neuer Leitung

Trabitz

Manches davon, wie etwa die „Waldwochen“, habe es freilich auch schon zuvor gegeben: „Überhaupt steht außer Frage, dass das frühere Kindergartenteam auf seine Weise ausgezeichnete Arbeit geleistet hat.“ Nachdrücklich unterstrichen Stephan Müller und Franziska Meier, dass sich an der Bedeutung der christlichen Feste als Wegmarken im Kindergartenjahr nichts geändert habe und man auch insoweit an die Tradition des früheren kirchlichen Kindergartens anknüpfe. Um dies deutlich zu machen, habe man sich bewusst mit einer festlichen Martinsfeier erstmals der „großen Gemeindeöffentlichkeit“ vorgestellt.

Die Coronakrise habe das Team ab März vor eine „Herausforderung“ gestellt, die man aber „souverän gemeistert“ habe: „Wir mussten eine ‚volldigitale Kita‘ mit Kommunikationswegen über eine interne Internetplatform und soziale Netzwerke neu aufbauen“, berichtete Müller. Ein Nebeneffekt sei, dass für Elternbriefe kein Papier mehr verbraucht werde: „Die Familien werden per Netz informiert.“

Von besonderem Wert sei gerade jetzt die verlässliche Unterstützung durch Eltern, Gemeinde und andere Gönner. Als Erfolgsgeschichte habe sich insbesondere die Planung des neuen Kindergartengebäudes erwiesen, dessen Bau zügig vorwärtsschreite, ergänzte Franziska Meier: „LC und die Mitarbeiter waren kontinuierlich eingebunden, so dass ein Haus entsteht, das sich an unseren praktischen Erfahrungen und Erfordernissen orientiert.“ Für Ende November ist ein „Hebefest“ geplant, falls die Situation es zulässt.

Nach Plan verlaufen die Bauarbeiten am neuen Trabitzer Kindergarten. Ende November soll Hebefest gefeiert werden.
Info:

Kinderkonferenz „taufte“ Kitahasen

54 Mädchen und Buben besuchen die Trabitzer Kindertagesstätte. Doch sind sie und das siebenköpfige Erzieherinnenteam nicht die einzigen „Bewohner“. Mit dazu gehören seit Kurzem auch die beiden Hasen „Bonny“ und „Rosi“, die nach dem Willen des Pädagogikdienstleisters „Learning Campus“ (LC) ein Element „tiergestützter Pädagogik“ in den Kindergartenalltag einbringen sollen – mit dem Ziel, die Kinder zu Respekt vor Natur und Leben und zu Verantwortungsbewusstsein zu erziehen.

Die Namen der flauschigen Vierbeiner seien das Ergebnis einer „Kinderkonferenz“, erzählte Kita-Leiterin Franziska Meier: „Die Kinder haben Namen vorgeschlagen und darüber abgestimmt – auf diese Weise haben sie auch demokratische Umgangsformen eingeübt.“ Den Hasenstall hätten Eltern, Kinder und Erzieherinnen Hand in Hand gebaut, ums Füttern und Ausmisten kümmerten sich die Kinder. Im kommenden Jahr solle die Kita-Familie noch um zwei Esel wachsen: „Auch für sie wollen wir gemeinsam einen Stall bauen.“ Ebenfalls Teil der „tiergestützten Pädagogik“ seien Bauernhofbesuche: „Die Kinder sollen erkennen, wie wichtig die Landwirtschaft nicht nur für unsere Region ist, und gerade weil auch bei uns die Zahl der Bauernhöfe abnimmt und in manchen Orten kein aktiver Hof mehr existiert, ist es umso notwendiger, dass man den Kindern Gelegenheit gibt, die Arbeit der Bauern unmittelbar kennenzulernen“, bekräftigte LC-Co-Geschäftsführer Stephan Müller.

Info:

Zehn Kinder im Meierhof

Gute Nachrichten aus dem „Meierhof“ hatte „Learning Campus“-Mitgeschäftsführer Stephan Müller für Bürgermeisterin Carmen Pepiuk mitgebracht: „Dort wohnen jetzt zehn Kinder – damit sind alle Plätze belegt, wir mussten sogar Bewerbungen ablehnen.“ In der vor einem Jahr eingeweihten stationären Jugendhilfeeinrichtung im gemeindeeigenen früheren „Memory“ leben Kinder und Jugendliche aus prekären Familienverhältnissen in pädagogisch betreuten Wohngemeinschaften. Ferner merkte Müller an, dass für den in Trabitz ansässigen Pädagogikdienstleister zurzeit 119 Mitarbeiter tätig seien. Um die vielfältigen Aufgaben zu stemmen, werde man zunehmend auf selbst ausgebildete Kräfte setzen.

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