(bjp) "Der Name ,Tibet-Terrier' ist schlichtweg falsch", hielt Gitta Sonntag-Buß gleich zu Beginn ihres Vortrags für den Allgemeinen Rassehundzüchter- und -liebhaberverein Oberpfalz (ARZLV) im Kötzersdorfer Gasthof Busch fest. Schuld an der irrigen Benennung seien "wieder einmal die Engländer vom Kennel Club, die in jedem exotischen Hund Abbilder ihrer heimischen Rassehunde suchen", scherzte die Oberfränkin, die selbst in Neuenmarkt die anmutigen Asiaten züchtet. Ursprünglich seien die Tibet-Terrier, die man in ihrer Urheimat als "Apso" ("lange Schnauzbärte") kenne, Hütehunde der Nomaden gewesen: "Hiervon blieb ihnen unter anderem ihr langes, dichtes Fell und der gut bemuskelte Körper."
Aus Hundewelpen, die als Weihegaben in buddhistische Klöster gelangt seien, sei die "Klosterzucht" entstanden, erzählte Sonntag-Buß den rund 40 Zuhörern. Verkauft habe man die edlen Tiere schon aus religiösen Gründen nicht: "Fremde erhielten sie allenfalls als Geschenk, beispielsweise als Glücksbringer oder Beschützer für Karawanen."
Zu den Empfängern habe die englische Ärztin Agnes Greig gehört, die 1922 in der nordindischen Stadt Kanpur eine vornehme Tibeterin geheilt habe. 1924 und 1925 habe die hundezuchterfahrene Medizinerin ihre Hündin "Bunti" mit einem Rüden tibetischer Freunde verpaart und 1926 drei der vornehmen Vierbeiner nach England gebracht. 1930 habe der britische Hundezucht-Dachverband "Kennel Club" die bis dahin den Lhasa-Terriern zugezählten Hunde als besondere Rasse anerkannt: "Leider machte man sich nicht die Mühe, die neue Rasse korrekt 'Tibet Apso', also 'Tibet-Langhaar', zu nennen." Seit 1939 würden in Deutschland Tibet-Terrier gezüchtet: "Die Berlinerin Erika Bruns erwarb zwei gedeckte Hündinnen von Agnes Greig, einen Rüden fand sie in Italien." Im Kölner Zoo habe es ebenfalls einige von einer Tibet-Expedition mitgebrachte Tiere gegeben, die bei einem Bombenangriff umgekommen seien. Bei der sowjetischen Besetzung Berlins 1945 seien Erika Bruns und ihre Hunde erschossen worden: "Die Ärztin Dr. Mary Täuber konnte die Zucht in Deutschland allerdings fortführen, indem sie eine früher erworbene Berliner Hündin mit dem Rüden eines sowjetischen Offiziers verpaarte." Heute würden Tibet-Terrier in vielen Farbschattierungen und -kombinationen gezüchtet: "Eigentlich ist jede Farbe außer schoko- oder lederbraun erlaubt."
Vor allem in den USA greife leider ein Hang zur Zucht vielfarbiger "Schecken", nicht selten auf dem Wege "hemmungsloser Inzucht", um sich. Aufgrund von Gendefekten seien diese Tiere mitunter taub oder sehstörungsgefährdet. Nach em Vortrag wies ARZLV-Vorsitzender Peter Jahn auf das Sommerfest des Vereins am 21. Juli ab 16 Uhr bei Familie Jahn in Trabitz, Glashüttenweg 3, hin.
Häufig bürsten
Augenfälligstes Merkmal der Tibet-Terrier ist ihr dichtes langhaariges Fell. Dennoch seien sie pflegeleichter, als viele Hundeliebhaber glaubten, stellte Gitta Sonntag-Buß klar: „Haut und Haare sind mit einem hauchdünnen Talgdrüsensekret überzogen, das wie ein Pflegemittel wirkt.“ Die Folge sei „eine Art Selbstreinigungseffekt“. Die übertriebene Anwendung von Shampoos Farbstabilisatoren und anderen kosmetischen Hilfsmitteln sei deshalb unangebracht. Auf gelegentliches Baden mit milden Pflegemitteln sollte man freilich nicht verzichten, und vor allem müsse das Fell häufig gebürstet werden. Schneiden sollte man das lange Fell, wenn überhaupt, nur äußerst zurückhaltend.
Beschützer Buddhas
Als „heilig“ würden die Tibet-Terrier in der tibetisch-buddhistischen Kultur nicht verehrt, räumte Hundezüchterin Gitta Sonntag-Buß mit einem Irrtum auf. Dennoch genössen die Apso-Hunde großen Respekt: Zum einen gälten sie als Abbilder der mythologischen Schneelöwen, die nach einer Legende den Weisheitslehrer Buddha beschützen, zum anderen glaubten die Tibeter, „dass Menschen, insbesondere Mönche, die schwere Verfehlungen begangen haben, als Hunde wiedergeboren werden“. Auch deshalb genössen die Klosterhunde Achtung und Liebe: „Sie gelten ja gewissermaßen als ‚Mitbürger‘, und falls die Mönche selbst in die Verlegenheit einer Wiedergeburt als Hund kommen sollten, möchten sie natürlich ebenso gut behandelt werden.“ Nach der Annexion Tibets 1951 hätten chinesische Truppen als symbolischen Schlag gegen das tibetische Selbstbewusstsein „massenhaft“ Apsos getötet: „Noch bis vor wenigen Jahren mussten die Tibeter ihre Hunde verstecken, aber inzwischen präsentieren sie sie wieder stolz jedem Fremden – sofern es kein Chinese ist.“













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