Dank Nachbarn und Feuerwehr hat Familie ein Dach über dem Kopf

Aufmerksame Nachbarn, professionelle Feuerwehrleute, und das nötige Quäntchen Glück: Frederike Schenke aus Traunricht bei Schwarzenfeld (Landkreis Schwandorf) ist all denen dankbar, die ihre Familie vor einer Katastrophe bewahrt haben.

Die achtjährige Nike Schenke hat ihre Erlebnisse in Bilder gefasst. Sie hat hautnah miterlebt, wie der erste Stock ihres Elternhauses in Flammen stand.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Es ist fünf Uhr früh. Lautes Pochen am Fenster. Im Halbschlaf hört Frederike Schenke (40) jemanden "Feuer" rufen. Mit ihrem Mann Johannes Fink schreckt sie hoch, holt die die Kinder, flüchtet aus dem Haus. Die achtjährige Nike nimmt noch ihren Hamster mit. "Haben Sie schon mal drüber nachgedacht, was Sie mitnehmen, wenn's brennt? Ich hab nur schnell die Kinder angezogen und wir sind raus", erzählt die promovierte Kinderzahnärztin am Küchentisch. Da ist es eine Woche her, dass der gerade gebaute, erste Stock am 12. Oktober in Flammen aufging. Das bestehende Wohnhaus an der Waldstraße in Traunricht bewahrt der schnelle Einsatz der Feuerwehren vor der Zerstörung.

80 Aktive im Einsatz

Es sind die Nachbarn, Karin und Sophia Lautner, die am frühen Morgen einen Knall hören, draußen nach dem Rechten sehen und das Feuer entdecken. Sie eilen zum brennenden Haus, klingeln, pochen an die Fenster, wecken die Familie Schenke-Fink, rufen die Feuerwehr. „Ich dachte zuerst, wir haben verschlafen, und die Handwerker sind schon da“, erzählt Schenke. Erst als sie „Feuer“ hört, wird der 40-Jährigen der Ernst der Lage wirklich bewusst. Schnell raus aus dem Haus. Schenke bringt die Kinder ins Nachbarhaus zur Oma. Es sind die Nachbarn, Karin und Sophia Lautner, die am frühen Morgen einen Knall hören, nach dem Rechten sehen und das Feuer entdecken. Sie klingeln, pochen an die Fenster, wecken die Familie Schenke-Fink. "Ich dachte zuerst, wir haben verschlafen, und die Handwerker sind schon da", erzählt Schenke. Erst als sie "Feuer" hört, wird der 40-Jährigen der Ernst der Lage wirklich bewusst. Raus aus dem Haus. Schenke bringt die Kinder ins Nachbarhaus zur Oma.

Es knallt, Fenster zerbersten, Scherben klirren. Die Zugluft facht die Flammen im Rohbau an, sie schlagen aus dem Obergeschoss. "Als ich zurückkam, hat schon alles blau geleuchtet, war schon alles voller Feuerwehrleute." 80 Kameraden aus Pretzabruck, Schwarzenfeld, Stulln, Schwandorf und Fronberg arbeiten Hand in Hand, den Einsatz leitet der zweite Schwarzenfelder Kommandant Andreas Fleischmann. Die Löschwasserversorgung wird auch durch Nachbargärten verlegt. Die Ortskenntnis der Pretzabrucker Wehr ist da Gold wert.

Gasflaschen in der Baustelle

Es schwingt sehr große Dankbarkeit an die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Sanitätsdienst und Polizei mit, wenn Frederike Schenke von der Brandnacht erzählt. "Man muss sich das überlegen. Die Feuerwehrleute machen das alle freiwillig. Sie sind um 5 Uhr früh zur Stelle, um dir das Haus zu löschen." Und begeben sich dabei selbst in Gefahr. In der Baustelle lagern Gasflaschen, es sollte weiter Teerpappe verschweißt werden. Dass der Brand dank der Nachbarn so schnell entdeckt und dann auch unter Kontrolle war, hat wohl Schlimmeres verhindert. Das erfährt die Familie, als sie sich beim Pretzabrucker Kommandanten Matthias Butz und bei Kreisbrandmeister Stefan Sattich persönlich bedankt. "Eine Viertelstunde später..." – Frederike Schenke beendet den Satz nicht. Die Feuerwehrleute verhinderten ein Übergreifen auf das massiv gebaute Erdgeschoss.

Welche Tücken ein solcher Brand birgt, sollte sich eine Nacht später zeigen. Die Feuerwehren hatten das Gebäude mit Wärmebildkameras auf Glutnester untersucht, Brandwache gehalten, die Kripo nach der Ursache gefahndet. Schließlich wurde die Wohnung im Erdgeschoss freigegeben. Trotzdem flackerte das Feuer in der Nacht zum 13. Oktober erneut auf, wieder in aller früh. Wieder bemerkten es die Nachbarn. Die Feuerwehr rückt wieder an. "Mein Mann hatte das schnell selbst gelöscht", auch dank am Brandort zurückgelassener Feuerlöscher, erzählt Schenke.

Gemeinschaft funktioniert

"Wir haben großes Glück gehabt", sagt Kinderzahnärztin. "Wir wollen allen Danke sagen, vor allem den Nachbarn und den Feuerwehren." In solchen Situationen zeige sich, dass die Gemeinschaft in einem Ort funktioniert: "Uns wurde so viel Unterstützung angeboten, ob beim Aufräumen, oder um auf die Kinder aufzupassen. Auch von Leuten, denen man nicht so nahe steht. Wir wurden so oft angesprochen, ob wir was brauchen. Das ist toll." Die Handwerker der Firma Kurz, die den Holzbau erstellt haben, hatten abends noch vorbeigeschaut, helfen auch jetzt, wo es geht. "Die können ja auch nix dafür", sagt Schenke. Da klingelt gerade Akustikbauer Christian Maierl. Er sollte diese Woche mit den Arbeiten beginnen. Jetzt geht es auch darum, Brand-Folgen festzustellen. Die Feuerwehrleute hätten sich bemüht, die Löschwasserschäden gering zu halten, sagt Schenke. "Wir haben die vergangenen Woche fleißig Wasser gesaugt", das Gerät stellte der Familie eine Firma zur Verfügung. Bisher halten sich die sichtbaren Wasserschäden in Grenzen. "Genau werden wir das erst in einem halben Jahr sehen", meint Schenke, "jetzt heizen wir, was geht." Nur lüften ist schwierig. Im Freien ist der Brandgestank noch erheblich. "Alles draußen ist wie mit einem Schmierfilm überzogen", sagt Schenke.

"Obwohl das alles erstmal furchtbar ist, ist es doch gut ausgegangen," resümiert die Kinderzahnärztin. Zwar liegen im Garten noch viele Scherben, "da müssen wir uns noch was einfallen lassen." Schließlich sollen die eineinhalbjährige Maxine und die achtjährige Nike irgendwann wieder barfuß durch die Wiese laufen können. Nike ist gerade in der Schule, dort war der Brand natürlich auch ein Thema. "Die haben das gut gemacht und drüber gesprochen", sagt Schenke. Und: "Wir haben jetzt viele Bilder von brennenden Häusern." Nike hat ihre Erlebnisse eindrucksvoll auf Papier gebannt, samt dem von den Einsatzfahrzeugen in blaues Licht getauchten Erdgeschoss.

Jetzt muss aber, wenn alle Versicherungsfragen geklärt sind, erstmal der aufgestockte Holzbau weg. Auch wenn der Aufbau von außen auf den ersten Blick fast unbeschädigt wirkt: Das täuscht. Die Dachbalken sind durchgehend verkohlt, die Wände auch. Es stinkt deutlich nach Rauch, verbranntem Holz. Hier ist nichts mehr zu gebrauchen. Auf 300000 Euro wird der Schaden geschätzt. Vor dem Winter muss das Haus wieder dicht gebracht werden. Aber auch dafür kann die Familie auf die Handwerker setzen, die sie nach dem Feuer unterstützt haben.

Der Feuerwehreinsatz in Traunricht

Traunricht bei Schwarzenfeld
Der gerade im Bau befindliche erste Stock des Wohnhauses wurde durch den Brand soweit zerstört, dass nichts mehr zu gebrauchen ist. Der Schaden wurde auf 300000 Euro geschätzt.
Von außen ist vom Brandschaden fast nichts zu sehen. Dank des schnellen Einsatzes der Feuerwehr wurde das bestehende Gebäude gerettet.
"Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns geholfen haben. Besonders bei den Nachbarn und den Feuerwehren", sagt Frederike Schenke.

"Man muss sich das überlegen. Die Feuerwehrleute machen das alle freiwillig. Sie sind um 5 Uhr früh zur Stelle, um dir das Haus zu löschen."

Frederike Schenke

Frederike Schenke

 

 

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