11.10.2019 - 16:44 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Mit 400 Tonnen im Rücken

Der Mangel an Lokführer ist nicht erst bei der nächsten Grippewelle spürbar. Die Lücken im Führerstand sollen deshalb Quereinsteiger füllen. Zu ihnen gehört ein junger Mann aus Trausnitz. Er hat seinen Traumberuf gefunden.

Der Flughafen-Express von DB-Region pendelt fast rund um die Uhr zwischen dem Regensburger Hauptbahnhof (Bild) und dem Flughafen München.
von Gertraud Portner Kontakt Profil
Sebastian Sachsenhauser fühlt sich an seinem Arbeitsplatz wohl.
Die Schienen im Blick und Gas geben.
Im Führerstand gibt es viele Knöpfe und Schalter zu bedienen.

Sebastian Sachsenhauser (28) fährt jeden Tag zweimal von Regensburg zum Flughafen München und zurück. Er sitzt im Führerstand des neuen Flughafenexpress von DB-Regio und pendelt auf der Direktverbindung zwischen der Hauptstadt des Regierungsbezirks Oberpfalz und dem Airport der Landeshauptstadt. Zum Pressegespräch erscheint der junge Familienvater in seiner schmucken Dienstkleidung. Zum Hemd und zur Hose gehören noch Krawatte und Mütze. Doch letztere sei nicht mehr Standard, bemerkt der Trausnitzer.

Ziel: "Die freie Strecke"

Mindestens 20 Jahre, Quali und kerngesund. Das sind die Voraussetzungen für eine Ausbildung zum Lokführer. Für Sebastian ist es der absolute Traumberuf: "Ich habe mich schon immer für die Eisenbahn interessiert." Doch als er die Schule mit 15 Jahren verließ, war er zu jung. Also bewarb er sich im Jahr 2015 - mittlerweile als ausgelernter Metallbauer - bei der Länderbahn (Alex) und absolvierte die Ausbildung zum Lokrangierführer. Doch das hat ihm nicht lange gefallen: "Ich wollte auf die freie Strecke!" Im Frühjahr 2016 startete er deshalb die verkürzte Ausbildung zum Triebfahrzeugführer - die fachlich richtige Bezeichnung für den Beruf Lokführer - und beendete diese nach neun Monaten.

Im Dezember 2018 wechselte Sebastian Sachsenhauser von der Privatbahn (Agilis) zur Deutschen Bahn: "Hier hat man mehr Möglichkeiten in Bezug auf ein größeres Streckennetz oder die Weiterbildung für den Güterverkehr." Die Bezahlung spielte dafür keine Rolle: "Der Verdienst ist überall nach Tarif und okay." Und laut Sebastian höher als bei seinem ersten Beruf als Metallbauer. Eine Beamtenstelle wie früher ist es allerdings schon lange nicht mehr. Lokführer sind jetzt Arbeitnehmer und dürfen auch streiken.

Warum sucht die Eisenbahn-Branche so dringend Personal für ihre Führerstände? "Die Arbeit ist nicht familienfreundlich", sagt der junge Vater. Er habe sich allerdings trotz Sohn Jonas (zehn Monate) mit dem Schichtdienst - meist fünf Tage am Stück - arrangiert. Wenn er morgens um 3 Uhr startet ist zur Mittagszeit um 13 Uhr Schluss. Was gefällt Sebastian am meisten an seinem Beruf? "Alles", sagt er ohne zu Überlegen. Das Strahlen in seinen Augen verrät, dass er es ernst meint. "Der Ausblick ist super. Wenn man morgens in den Sonnenaufgang hineinfährt, das hat was", schickt er hinterher. Langeweile komme auf der Strecke nicht auf. Denn kein Tag sei gleich, auch wenn viel Automatik dabei ist: "Fahren mit Gas geben und bremsen muss ich im Regionalverkehr schon selber." Das Beachten der Signale sei dabei überlebenswichtig.

Sebastian liebt die konzentrierte Arbeit alleine im Führerstand. Alle 30 Sekunden muss er während der Fahrt ein Pedal betätigen, sonst stoppt der Zug automatisch. Dieser Sicherheits-Fahrschalter wird scherzhaft als "Tot-Mann-Schalter" bezeichnet. Der Bildschirm neben den vielen Knöpfen und Hebeln zeigt unter anderem die Geschwindigkeit sowie den Kraftaufwand für das Bremsen und Beschleunigen an. Den Flughafenexpress von DB-Regio fährt er seit dem Start der Linie am 8. Dezember. Auch nach fast einem Jahr ist er noch immer fasziniert von den Tonnagen, die er befördert. Denn es sind circa 400 Tonnen, die sein kompletter Zug (eine Lok bespannt mit sieben Wägen) auf die Waage bringt.

Den Zug "aufwecken"

Schon die Technik allgemein begeistert den Trausnitzer an seinem Beruf. Bevor der Zug bei der ersten Schicht anfährt, muss er ihn "aufwecken". Dazu gehören Funktionsprüfungen wie Bremsproben und der Test der Türautomatik. "Damit der Zug fit für den Betriebstag ins Rennen gehen kann", stellt der ehemalige Metallbauer fest. Auch kleinere Fehlerbehebungen gehören zu seinem Aufgabenfeld. "Ich kann die Ausbildung zum Lokführer jedem empfehlen, der ein technisches Verständnis hat und dem es nichts ausmacht, am Wochenende und im Schichtdienst zu arbeiten." Als kleiner Bub baute Sebastian Sachsenhauser Züge mit Playmobil- und Legosteinen. Später als Jugendlicher ließ er dann die Modelleisenbahn ihre Runden drehen.

Auch Lokführer-Nachwuchs aus der Familie ist in Sicht. Sohn Jonas bekommt zum ersten Geburtstag eine Eisenbahn geschenkt. Denn als er kürzlich zusammen mit Mama Christina den Vater an seinem Arbeitsplatz besuchte, war er ganz begeistert von den rollenden Riesen.

Ich kann die Ausbildung zum Lokführer jedem empfehlen, der ein technisches Verständnis hat. Und dem es nichts ausmacht, am Wochenende und im Schichtdienst zu arbeiten.

Sebastian Sachsenhauser (28)

Sebastian Sachsenhauser (28)

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