30.03.2020 - 16:26 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Brandbrief der Jugendherbergen an die Politik

Milliarden für die Wirtschaft, kein Euro für die Jugendherbergen. Da rückt das Aus bedrohlich nahe für die Herberge in Trausnitz und 57 weitere Einrichtungen in Bayern. Bringt ein Brandbrief Hilfe?

Unerschüttert von den aktuellen Entwicklungen präsentiert sich die Burg Trausnitz mit ihren jahrhundertealten dicken Mauern. Als Jugendherberge ist sie momentan aber ein anfälliges Konstrukt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Auf die dramatische wirtschaftliche Situation der Jugendherbergen in Bayern verweist ein Brandbrief, den das Jugendherbergswerk an Bürgermeister, Landräte, Landtagsabgeordnete und die bayerischen Vertreter im Bundestag adressiert hat. Die Jugendherbergen würden bislang durch keinen Schutzschirm oder andere wirksame Unterstützungsleistungen erfasst, klagen die Verantwortlichen. Christian Soldo, Regio-Manager für die Jugendherbergen in der Oberpfalz und Franken hatte diese Entwicklung schon kommen gesehen, als Oberpfalz-Medien vor einigen Tagen über die Schließung von "Burg Trausnitz" recherchierten. "Wir haben Angst, dass wir als gemeinnütziger Verein unter dem Radar durchfliegen", hatte er damals gesagt, und die aktuelle Entwicklung gibt ihm Recht.

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Infolge der Corona-Pandemie sei der Fortbestand der Jugendherbergen in Bayern "massiv gefährdet", heißt es in dem Brandbrief. Zu diesem Ergebnis komme man nach übereinstimmender Einschätzung durch Präsidium und Vorstand des Landesverbandes im Deutschen Jugendherbergswerk sowie aufgrund der Bewertung der kurz- und mittelfristigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Wegen der explosionsartigen Ausbreitung des Coronavirus hatte das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege am 16. März die sofortige Schließung aller Jugendherbergen in Bayern verfügt. Eine Maßnahme, die dem Schutz von Gästen und Mitarbeitern dienen sollte.

Daraufhin habe sich nun der Landesverband "intensivst um die von Bund und Ländern angekündigten unbürokratischen, effektiven und angemessenen finanziellen Hilfen bemüht". "Bislang leider ohne greifbares Ergebnis", so das Schreiben, das noch deutlicher wird: Der Umsatz der Jugendherbergen sei innerhalb von drei Wochen auf null abgesunken. "Alle bestehenden Buchungen wurden vollständig durch die Gäste storniert", berichtet der Verband.

Die Zukunft sieht nicht weniger düster aus: "Bislang sind keinerlei Buchungen für den weiteren Jahresverlauf eingegangen. Aufgrund der in einigen Ländern verfügten Absage aller Schulfahrten ist zudem bis Ende 2020 nicht mit Buchungen wesentlicher Belegergruppen zu rechnen." Gleichzeitig bestünden aber gegenüber den Mitarbeiter Verpflichtungen zur Lohn- und Gehaltszahlung. Dazu kommen Unterhalts- und Sicherungskosten für die Häuser. "Ein Großteil der begonnen Bau- und Renovierungsmaßnahmen wurde bereits eingestellt", heißt es in dem Brandbrief, der die Konsequenzen für das System "Jugendherbergen in Bayern" klar vor Augen sieht: Das komplette System drohe "in der bisher gekannten Form zu verfallen".

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