25.03.2020 - 15:37 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Jugendherberge Burg Trausnitz bangt um ihre Zukunft

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Vorbei sind die Aussichten auf eine überragende Saison: Wie alle Jugendherbergen in Bayern ist auch die Burg Trausnitz dicht. Mit Stornierungsgebühren versuchte man die Ausfälle abzufedern. Die sind jetzt Geschichte.

Blauer Himmel, frisches Grün und ein Blick übers Pfreimdtal: Damit kann die Jugendherberge Trausnitz normalerweise punkten. Das Beherbergungsverbot macht ihr nun einen Strich durch die Rechnung.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Wenn die Sonne über dem Pfreimdtal aufgeht und Sie an dicken Mauern entlang durch das Fenster in die Sonne blinzeln, dann sind Sie in der Idylle gelandet": Mit dieser Beschreibung wirbt die Jugendherberge Burg Trausnitz für ihren Standort. Jetzt ist die Idylle getrübt. Das Coronavirus macht auch vor der gemeinnützigen Einrichtung nicht Halt, die als lebendiger Ort der Begegnung ideal für Klassenfahrten ist. Mit einer Zeile, die über dem Foto der Burg unter blauem Himmel prangt, ist alles gesagt: "Bis 19. April 2020 dürfen in ganz Bayern keine Übernachtungsangebote im Beherbergungsgewerbe angeboten werden".

"Die Entscheidung über das Beherbergungsverbot hat uns bis ins Mark getroffen", berichtet Christian Soldo, Regio-Manager für die Jugendherbergen in Franken und der Oberpfalz, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Zwar sei das vor dem Hintergrund der Coronakrise vollkommen in Ordnung, für die Jugendherbergen stelle es aber eine enorme Herausforderung dar. "Wir müssen da irgenwie durchkommen", seufzt der Regio-Manager der ein Drittel der bayerischen Jugendherbergen im Blick hat. Allein in Trausnitz sind 17 Mitarbeiter beschäftigt, für die gilt nun Kurzarbeit. Die einzige Aufgabe in dem momentan leer stehenden Haus: telefonieren und E-Mails beantworten.

Als "Vollbremsung bei den Kosten" sieht Soldo diesen Schritt. Noch vor wenigen Tagen hatte man zumindest auf Stornierungsgebühren gehofft und das das mit dem gefährdeten Fortbestand des Trägervereins begründet. Das wiederum sorgte bei einem Chor aus Weiden für Empörung, der gebucht hatte und ebenfalls eine knappe Kasse geltend machte. Inzwischen ist der Fall geklärt: Durch das bayernweite Verbot fürs Beherberbungsgewerbe gibt es in Trausnitz keine spannenden Zeitreisen mehr, weder lustige Mittelalterspiele noch zünftige Ritterabende - und auch keine Stornierungsgebühren. 140 Betten bleiben leer.

Ob Bund und Länder den Jugendherbergen stützend unter die Arme greifen, lässt sich für Soldo noch nicht absehen: "Wir haben Angst, dass wir als gemeinnütziger Verein unter dem Radar durchfliegen", so der Regio-Manager. "Wir mussten diese Karte ziehen", meint er in Hinblick auf die ursprünglich angepeilten Stornierungskosten, "wir brauchen jeden Euro für die Liquidität". Dabei hatte die Jugendherberge in Trausnitz wie viele ähnliche Einrichtungen in Bayern laut Soldo einen "wunderbaren Start" in das Jahr: "Die Voraus-Buchungen waren klasse". Man rechnete mit 18.000 bis 19.000 Übernachtungen. "Die Jugendherberge in Trausnitz ist vor allem bei Schulklassen und Musikgruppen und Familien beliebt", weiß der Mitarbeiter des Jugendherbergswerks. Und noch etwas stellt er klar: "Da hängt eine ganze wirtschaftliche Kette mit dran, vom Dorfladen bis zum externen Programmanbieter, der beispielsweise eine Lama-Führung ermöglicht." Mit Bangen sieht man nun der weiteren Entwicklung entgegen. "Wenn das Beherbergungsverbot am 19. April wieder aufgehoben wird, könnten wir noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen", kalkuliert der Regio-Manager.

Hintergrund:

Deutsches Jugendherbergswerk

Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJW), das auch als Dachverband für die Trausnitzer Einrichtung fungiert, ist ein gemeinnütziger Verein. Über seine Landesverbände ist es Träger von rund 500 Jugendherbergen in Deutschland und damit größtes Mitglied des internationalen Jugendherbergsverbandes Hostelling International. Der Verein wurde 1909 von Richard Schirrmann, Wilhelm Münker und Julius Schult gegründet und wird heuer 111 Jahre alt. Deutschlandweit gab es 2018 2,4 Millionen Mitglieder.

Wir haben Angst, dass wir als gemeinnütziger Verein unter dem Radar durchfliegen.

Christian Soldo, Regio-Manager für Jugendherbergen über mögliche Wirtschaftshilfen

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