21.01.2021 - 17:29 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Burg Trausnitz baut auf starke Ritter

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Corona ist der Katalysator: Drei Jugendherbergen in Bayern katapultiert er ins Aus. Sie standen schon länger auf dem Prüfstand. Die Unterkunft in Trausnitz ist aktuell nicht in Gefahr, weil sei auf zwei "Ritter" zählen kann.

Nicht nur ihre dicken Mauern bieten der Jugendherberge Burg Trausnitz in der Pandemie Schutz vor einer Schließung. Für drei andere Häuser in Bayern sieht es nicht so gut aus.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die kritische Entwicklung an den drei Standorten Lohr, Feuchtwangen und Kelheim hatte sich laut Pressemeldung des Jugendherbergswerks Bayern bereits in den letzten Jahren abgezeichnet. Nun hat sich das Präsidium des Landesverbandes für eine endgültige Schließung der drei Standorte ausgesprochen. Die Corona-Pandemie gilt dabei als Katalysator, der das beschleunigt hat. In allen drei Häusern besteht demnach außerordentlich hoher Investitionsbedarf, um die gewachsenen Ansprüche der Gästegruppen erfüllen zu können. Das würde das Budget des Landesverbandes sprengen.

Ins Feld geführt werden für den Tendenzbeschluss auch stetig steigende Baukosten und die brandschutz- und sicherheitstechnischen Anforderungen. Nicht zuletzt gebe es in den drei betroffenen Regionen Überkapazitäten bei den Beherbergungbetrieben. "Eine verbesserte Umsatz- und Ertragslage ist aufgrund des gemeinwohl-orientierten Charakters der Jugendherbergen nur in sehr begrenztem Umfang über eine Erhöhung der Preise zu erreichen", heißt es in einer Presseerklärung.

Mit dem Umsatz sah es heuer auch in Trausnitz alles andere als rosig aus. Ähnlich düster ist die Lage bei den Buchungen für 2021. Ausgesprochen "mau" sind die Voranmeldungen nach Auskunft der stellvertretenden Herbergsleitung. Man könne es den Gästen auch nicht verdenken, dass momentan keiner Pläne für einen Aufenthalt macht, wenn aktuell der Lockdown eine touristische Unterbringung ohnehin verbietet.

Schwebt nun auch die Burg Trausnitz mit ihren dicken mittelalterlichen Mauern in Gefahr? Für Regio-Manager Christian Soldo ist klar: "Die Nöte angesichts der Corona-Pandemie sind überall die gleichen, wir versuchen das durchzustehen." Die Schönheit der Standorte sei da nicht entscheidend. "Schön sind unsere Häuser alle", ist er überzeugt und verweist darauf, dass vor allem wirtschaftliche Gesichtspunkte zählen – und da stehe Trausnitz ganz gut da. Denn mit dem Objekt im Landkreis Schwandorf ist das Jugendherbergswerk nicht auf sich allein gestellt. Ein Gebäudeteil, das sogenannte Feldschlösschen gehört der Gemeinde, und für die Burg kann man auf das Land Bayern zählen: zwei "Ritter, die bei Bedarf ein finanzielles Schutzschild stellen können.

"Hier gibt es Partner, die uns unterstützen", formuliert es Soldo. Er geht davon aus, dass die Jugendherberge in Trausnitz deshalb "hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann". Voraussetzung dafür ist, dass die Pandemie wie erhofft im zweiten Quartal dieses Jahres abgeklungen ist. Ein Indiz für die "Immunität" der Burg sind aktuell nicht zuletzt die Handwerker, die derzeit in der Jugendherberge die Brandschutzanlagen ertüchtigen. Dieser Posten stellt schließlich für die weitere Zukunft einen nicht unerheblichen Kostenfaktor dar.

Hintergrund:

Eckpfeiler für die Zukunftsfähigkeit

Drei Häuser des Landesverbands Bayern im deutschen Jugendherbergswerk haben kaum eine Überlebenschance. Trausnitz ist nicht tangiert. Hier die grundsätzlichen Kriterien:

  • Gemeinwohl: Klaus Umbach, Präsident des DJH Bayern stellt klar: „Die satzungsgemäße Gemeinwohlorientierung der Jugendherbergen verpflichtet uns zu vorausschauendem Handeln in der qualitativen Entwicklung unseres Netzwerks. Die Angebote sollen allen Kindern, Jugendlichen bzw. Familien und Gruppen an attraktiven Standorten und mit bestmöglicher Aufenthaltsqualität zur Verfügung stehen. Gleichzeitig müssen wir kontinuierlich darauf achten, dass wir unsere Angebote bedarfsgerecht und kostendeckend umsetzen können, da der laufende Betrieb nicht öffentlich gefördert wird."
  • Pandemie: Präsidium und Vorstand des Landesverbands betonen, dass die seit fast einem Jahr anhaltende Corona-Pandemie nicht der Auslöser und Grund für den Tendenzbeschluss war . Corona habe lediglich die Prozesse beschleunigt.
  • Nachhaltigkeit: „Nachhaltigkeit im Verständnis des Landesverbands Bayern bedeutet auch, wirtschaftlich tragfähig zu arbeiten und Ressourcen zu bündeln", so der Präsident des Landesverbandes in einem weiteren Argument für die Schließung, über die am 26. Februar endgültig entschieden wird.

Jugendherbergen suchen verzweifelt nach Alternativen

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