20.11.2020 - 14:36 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Jugendherbergen bieten Ausweich-Räume: Klassenzimmer statt Schlafsaal

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Schüler sollen in der Coronapandemie nicht zu Verlierern werden. Mit einem besonderen Hilfsangebot warten jetzt die Jugendherbergen im Kreis Schwandorf auf. Das hat nur einen Haken: die Logistik

Die Jugendherberge Trausnitz haben viele primär als Ort für Spaß und Freizeit auf dem Schirm. Jetzt bringen sich solche Einrichtungen auch zur Entzerrung der Unterrichtssituation ins Gespräch – oder als Platz für ein Impfzentrum.
von Monika Bugl Kontakt Profil

42 Häuser mit viel Platz, allein in Bayern: Damit bringen sich aktuell Jugendherbergen in der Coronapandemie ein. Der Vorschlag des deutschen Jugendherbergswerks zielt auf eine Entzerrung der Unterrichtssituation durch Klassenteilung oder Beschulung in anderen Räumlichkeiten ab. "So würden beispielsweise weniger Schülerinnen und Schüler an einem Ort zusammenkommen und Kontakte verringert werden", heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Verbands.

"Als einer der größten gemeinnützigen Verbände in Deutschland und erfahrener Partner der Schulen im Bereich der Klassenfahrten, ist es für uns in der jetzigen Situation selbstverständlich, unsere Hilfe anzubieten", erklärt DJH-Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz. Ein entsprechendes Unterstützungsangebot habe er in dieser Woche dem Bildungsministerium des Bundes zukommen lassen.

"Unsere Häuser verfügen nicht nur über die passende Ausstattung, etwa, weil die vorhandenen Gruppenräume schnell und einfach zu Klassenräumen umfunktioniert werden können, sondern mit unseren geschulten Mitarbeitenden wäre zum Beispiel auch die Verpflegung größerer Schülergruppen kein Problem", so Schmitz. Nicht zuletzt sei auch für Pausenangebote und Aktivitäten an der frischen Luft gesorgt.

Viele Fragezeichen

Im Landkreis Schwandorf, wo die Jugendherberge Trausnitz seit Monaten schwer unter abgesagten Klassenfahrten leidet, hält sich die Begeisterung über diesen Vorschlag in Grenzen. "Eine Option mit einer Menge Fragezeichen" ist das für den Direktor des Andreas-Schmeller-Gymnasiums in Nabburg, Christian Schwab. Grundsätzlich hält er so eine Verlagerung von Klassenzimmern schon für möglich, falls der Sachaufwandsträger einverstanden ist. Logistisch aber sei das "ganz schön schwierig". Zu klären wären da Fragen des Transports, die Probleme beim Lehrerwechsel und die speziellen Voraussetzungen für Fachräume. "Mit Ausweichräumen allein ist es nicht getan."

Noch deutlicher fällt das Urteil an der Naabtal-Realschule in Nabburg aus. "Absolut null Chancen" räumt Schulleiterin Hannelore Reil-Heining dem Vorschlag des Jugendherbergswerks ein. "Bei einem stündlichen Wechsel von Lehrkräften können wir das überhaupt nicht leisten." In der Realschule würden 90 Prozent Fahrschüler unterrichtet, "da müsste die Regierung eine neue Buslinie einstellen". Selbst Ausweichräume am Ort, beispielsweise in der Nordgauhalle, hält sie für wenig sinnvoll. "Die zusätzlichen Klassenzimmer müssten schon auf dem Schulberg sein, sonst geht zu viel Zeit verloren", meint Reil-Heining und verweist auf die ohnehin schwierigen Umstände beispielsweise bei der Pausenaufsicht. Aktuell würden die Klassen von Lehrkräften in die Pause begleitet, um eine Abgrenzung der Gruppen zu garantieren. "Aber für Grundschulen und Kindergärten bietet die Jugendherberge vielleicht schon eine Alternative", überlegt die Schulleiterin.

Viele Modelle denkbar

Beim Schulamt in Schwandorf werden derzeit die unterschiedlichsten Modell diskutiert, um in den Klassenzimmer größere Abstände zu erreichen, vom Unterricht im tage- oder wochenweisen Wechsel bis hin zur Nutzung von Pfarrsälen. "Manche kommen aber komplett ohne solche Maßnahmen zurecht", berichtet Schulamtsdirektor Johann Hilburger. Grundsätzlich sehe der aktuelle Rahmenhygieneplan durchaus auch Ausweich-Quartiere für Schulen vor. Deshalb sei es generell schon vorstellbar, Klassen in die Jugendherberge zu verlegen - falls sich die Kommunen als Schulaufwandträger und Schulleitung da einig sind. "Man muss den logistischen Aufwand prüfen", gibt Hilburger zu bedenken, "und die Jugendherberge will dafür sicher auch ein Entgelt". Falls ein Abstand von 1,50 Metern nötig werde, brauche man sicher entsprechende Konzepte. "Viele Schulen nutzen aber erst einmal alle vorhandenen Möglichkeiten wie Turnhalle, Aula oder Mehrzweckraum", weiß Hilburger.

Für die Jugendherbergen sind Schüler derzeit immerhin nicht die einzige Alternative zu Übernachtungsgästen. Schon im Frühjahr hatte der 2,4 Millionen Mitglieder starke Verband seine Häuser für verschiedene Zwischennutzungen zur Verfügung gestellt, zum Beispiel als Obdachlosenunterkunft, Fieberambulanz oder Frauenhaus. "Zu diesem Angebot stehen wir natürlich auch weiterhin, etwa mit Blick auf die jetzt diskutierte Schaffung von Impfzentren. Wir stehen in allen Bereichen konstruktiven Ideen und Vorschlägen offen gegenüber und wollen unseren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten", betont Julian Schmitz.

Leere Betten in der Jugendherberge

Trausnitz

"Man muss den logistischen Aufwand prüfen, und die Jugendherberge will dafür sicher auch ein Entgelt."

Schulamtsdirektor Johann Hilburger zum Angebot der Jugendherbergen für eine Entzerrung der Unterrichtssituation

Schulamtsdirektor Johann Hilburger zum Angebot der Jugendherbergen für eine Entzerrung der Unterrichtssituation

Hintergrund:

Rahmenhygieneplan Schulen

Der Rahmenhygieneplan Schulen zieht zusätzliche Räume ausdrücklich in Betracht: "Zur Durchführung von Unterricht sollen alle räumlichen Kapazitäten der Schule berücksichtigt werden (wie etwa die Schulaula, Mehrzweckräume, ggf. auch Fachräume)", heißt es da. "Denkbar ist ferner, dass der Schulaufwandsträger zusätzliche größere Räume in schulischer Nähe zur Verfügung stellen kann (Säle in kommunalen Bürgerhäusern u. ä.). Die Schulleitungen werden dies im Einzelfall mit ihrem Schulaufwandsträger abklären."

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.